Holy Plaza im Allgäu Virtuelles Gebäude nach einer Idee des Bildhauers Bruno Wank

Im August ist das Haus des Monats kein existierendes Gebäude, sondern eine virtuelle Architektur in der Gemeinde Görisried im Ostallgäu. Es handelt sich um das kirchenartige Holy Plaza.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 04.08.2022 | Archiv

Haus des Monats August - Holy Plaza | Bild: Studio Paradiso & Bruno Wank

So etwas stehe in ganz Bayern noch nicht, Sagt der Bildhauer Bruno Wank – und meint damit ein experimentelles Wohnhaus, das auf dem Sockel einer altrömischen Basilika thront. Das Holy Plaza, so der Name, erinnert an die Bauten eines Friedensreich Hundertwasser, und ist andererseits so eigenständig verrückt wie es ein architektonischer Wolpertinger, ein Fabelgebäude, nur sein kann.
Wank wohnt in Görisried, einem Ort mit 1.340 Einwohnern. Während der Corona-Lockdowns kam er gemeinsam mit seiner Frau Michaela auf die Idee, unter freiem Himmel mit Kunst auf die Versammlungsverbote in Innenräumen zu reagieren. Mit Land Art. Mit Open-Air-Installationen. So entstand ein heiliger Kunst-Platz auf der Wiese neben dem Wohnhaus der beiden, ein Holy Place. Der eingeladene Schweizer Konzeptkünstler Res Ingold entwarf dafür einen Flugplatz als Landebahn für künstlerische Interventionen, einen spirituellen Ort mit Windsack und Landungsfeuer. Die Gemeinde Görisried hatte das Gelände gerade zum Bauerwartungsland erklärt, da kam Bruno Wank die Idee für das Luftschloss, eben das Holy Plaza, bei dem sich anfangs niemand sicher ist: Ernst oder Spiel?

Das Holy Plaza soll verblüffen. Stutzig machen. Die Phantasie anregen.

Das Gebäude haben angehende Architekten gestaltet, gemeinsam mit dem Bildhauer. Zu sehen ist es auf einer Bautafel, wie sie vor jeder Baustelle steht. Auf dem unteren Teil einer Basilika sitzt ein zehnstöckiges Wohnhaus mit Rasterfassade. Jeweils seitlich ragen versetzt je fünf Häuschen hervor, in typischer Einfamilienhausmanier – wie genormt mit Satteldach. Ganz oben gibt es eine Dachterrasse, die von einem riesigen Vogelkäfig bekrönt wird.
Inzwischen ist auch Jörg Heiler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Bayern, auf das Kunstprojekt aufmerksam geworden und hat angekündigt, es zu unterstützen – werden durch das Holy Plaza doch viele Missstände thematisiert, die es zu überwinden gilt: Heiler will weg von monotonen Einfamilienhaussiedlungen und plädiert für intelligente, nachhaltige Mehrfamilienhäuser. Er möchte die Flächenversiegelung stoppen – und hat in Bruno Wank einen gefunden, der einfallsreich für die Erhaltung von Natur kämpft:

Die Fläche "durchhäusern"

"Nicht das Baugebiet durchgrünen oder wieder durchgrünen, wie es immer so schön heißt, sondern: Das Grün ist ja schon da! Man sollte diese Fläche durchhäusern und grün lassen. Und das ist ein komplett anderer Ansatz, als wenn man sagt, man rastert das alles durch und macht ein Baugebiet und dann schauen wir, wo noch ein Baum Platz hat – der dann doch keinen Platz hat, weil er irgendeinen Nachbarn verschattet."