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Weltklimarat warnt eindringlich vor Folgen des Klimawandels | BR24

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Laut dem Chef des Weltklimarats müssen die Staaten dringend den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase verringern. Nur so ließen sich die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels verhindern, so die Fachleute.

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Weltklimarat warnt eindringlich vor Folgen des Klimawandels

Die Erderwärmung wirkt sich massiv auf die Erde aus, heizt die Meere auf und lässt Gletscher schmelzen. Wie dramatisch die Folgen des Klimawandels sind, zeigt der neue Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC). Er ruft zum dringenden Handeln auf.

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Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat heute in Monaco seinen Sonderbericht "Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate (SROCC)" vorgestellt. Die Folgen des Klimawandels auf Wasser und Eis haben rund 130 Forscher aus mehr als 35 Ländern anhand von über 7.000 Studien analysiert. Ihre Warnung ist klar und eindrücklich: Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, bestimmen ganz maßgeblich die Zukunft unserer Ozeane und Eismassen - und aller Menschen, die direkt oder indirekt davon abhängig sind. Der Weltklimarat zeichnet eine düstere Zukunft, wenn nicht schnell etwas unternommen wird.

"Der Bericht unterstreicht, dass der Klimawandel Ozean und Kryosphäre schon stark verändert hat, und dass wir Menschen auch schon heute von diesen Veränderungen betroffen sind. Gleichzeitig verdeutlicht er, dass wir heutzutage nur einen kleinen Vorgeschmack bekommen von dem, was auf uns zukommt." Ben Marzeion, Professor für Klimageographie, Institut für Geographie, Universität Bremen

Im Kampf gegen den Klimawandel gemeinsam schnell handeln

Der IPCC schreibt, der Sonderbericht verdeutliche die Notwendigkeit, im Hinblick auf die unvorhersehbaren, langfristigen Folgen zeitnah, ambitioniert und koordiniert zu handeln. Zudem betont er die Vorteile eines engagierten und effektiven Einsatzes für nachhaltige Entwicklung - im Gegenzug zu den steigenden Kosten und Risiken eines verspäteten Handelns.

"Der Bericht zeigt in kompakter Form noch einmal, dass der Klimawandel in den Meeren und in der Kryosphäre, der Eissphäre, stattfindet und dass die Änderungen schon massive Auswirkungen auf das Leben auf der Erde haben, insbesondere auch für die Menschen und die Ökosysteme in den Küstenregionen. Die Menschen sind auf Kollisionskurs mit der Erde, weil die weltweiten CO2-Emissionen immer noch steigen." Mojib Latif, Leiter des Forschungsbereiches Ozeanzirkulation und Klimadynamik am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Universität Kiel

Millionen von Menschen direkt von Erderwärmung betroffen

Im aktuellen Sonderbericht zeigt der Weltklimarat auf, dass die Meere und all die gefrorenen Bestandteile der Erde eine ganz ausschlaggebende Rolle für uns spielen: Rund 670 Millionen Menschen leben in Hochgebirgsregionen, 680 Millionen in Küstenregionen, 65 Millionen auf kleinen Inselstaaten und rund vier Millionen dauerhaft in der Arktis. Sie alle sind vom Klimawandel und seinen Auswirkungen auf ihren Lebensraum direkt betroffen.

Im Klimawandel hat sich die Erde bereits um ein Grad erwärmt

Ein konkretes Ergebnis des Sonderberichts ist, dass die Treibhausgase die Erde im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits um ein Grad Celsius erwärmt haben. Es gebe "erdrückende Beweise", dass dies zu tiefgreifenden Konsequenzen für Ökosysteme und Menschen führt: Den Meeren macht die Erwärmung und Versauerung zu schaffen. Schmelzende Gletscher und Eisflächen lassen den Meeresspiegel steigen, während andernorts Wasser fehlt.

"Das offene Meer, die Arktis, die Antarktis und die Hochgebirge mögen für manche Menschen weit weg erscheinen. Aber wir sind von ihnen abhängig und werden von ihnen direkt und indirekt beeinflusst - im Hinblick auf Wetter und Klima, Nahrung und Wasser, Energie, Handel, Transport, Erholung und Tourismus, Gesundheit und Wohlbefinden, Kultur und Identität." Hoesung Lee, IPCC-Vorsitzender

Der Weltklimarat appelliert, die Erderwärmung - in Anknüpfung an das Pariser Abkommen von 2015 - auf das geringstmögliche Level zu begrenzen. Wenn die Treibhausgasemissionen reduziert werden, könnten die Folgen auf unsere Ozeane und Kryosphäre im Rahmen gehalten sowie Ökosysteme und Lebensräume, die davon abhängig sind, geschützt werden.

"Wenn wir die Treibhausgasemissionen jetzt stark reduzieren, werden die Konsequenzen für Menschen und ihre Lebensräume immer noch eine große Herausforderung sein. Aber dann können die, die am ehesten davon betroffen sind, noch am besten damit umgehen." Hoesung Lee, IPCC-Vorsitzender

Erderwärmung lässt Gletscher verschwinden und Meeresspiegel steigen

Die Folgen des Klimawandels, die der Sonderbericht aufzählt, sind zum Beispiel, dass Gletscher, Eisschilde, Meereis und Permafrostböden weiter auftauen werden. Infolgedessen wird es vermehrt zu Überflutungen, Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen kommen. Kleinere Gletscher, auch in Europa, könnten bis zum Jahr 2100 mehr als 80 Prozent ihrer Eismasse verlieren. Menschen in Bergregionen werden aufgrund der Eisschmelze weniger Wasser zur Verfügung haben. Weltweit ist der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um 15 Zentimeter gestiegen, gerade steigt er doppelt so schnell: etwa 3,6 Millimeter pro Jahr.

"Der Bericht zeigt einmal mehr deutlich die Dringlichkeit rascher Maßnahmen zur nachhaltigen Verringerung der CO2-Emissionen auf", sagt Gian-Kasper Plattner von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in der Schweiz. Er ist davon überzeugt, dass auch bei sofortiger Umsetzung von radikalen Maßnahmen die Veränderungen in der Kryosphäre und im Ozean lange weitergehen werden. Diese beiden Systeme, so Plattner, seien sehr träge: "Sie reagieren nur langsam auf die fortschreitende Erwärmung der Erde. Die vergangenen, heutigen und zukünftigen Emissionen werden folglich das Klimasystem über Jahrhunderte beeinflussen und unsere Umwelt verändern."

© BR/radioWelt

Glaziologen beobachten die fünf bayerischen Gletscher seit den 1950er-Jahren. Mitte des Jahrhunderts wird es in Bayern wohl keine Gletscher mehr geben.

Meeresspiegel könnte bis 2100 um mehr als einen Meter steigen

Die Forscher gehen im IPCC-Sonderbericht davon aus, dass der Meeresspiegel auch die nächsten Jahrhunderte weiter ansteigen wird. Bis zum Jahr 2100 könnte er um 30 bis 60 Zentimeter ansteigen, selbst wenn die Treibhausgasemissionen stark reduziert werden und die globale Erwärmung auf unter zwei Grad beschränkt wird. Er könnte sogar um mehr als einen Meter steigen, wenn die Treibhausgasemissionen weiter zunehmen. Der Weltklimarat warnt, dass einige Inseln dann unbewohnbar werden könnten.

"Besonders bedrückend sind die Aussagen zum Meeresspiegel: Ein Anstieg von mehr als einem Meter im 21. Jahrhundert wird im Bericht nicht mehr ausgeschlossen. Es kommt hier vor allem auf die Antarktis an, deren Verhalten bei einem starken Temperaturanstieg noch unzureichend verstanden ist." Ben Marzeion, Professor für Klimageographie, Institut für Geographie, Universität Bremen

Klimakrise macht manche Regionen zu doppelten Verlierern

Durch den Bau von Schutzanlagen und Dämmen könnte die Überschwemmungsgefahr um das Hundert- bis Tausendfache verringert werden, schreiben die IPCC-Experten. Derartige Maßnahmen würden allerdings "dutzende bis hunderte Milliarden Dollar pro Jahr" kosten. Eventuell könnten sich Städte wie New York oder Amsterdam einen solchen Schutz leisten - für Flussdeltaregionen und ländliche Regionen in Entwicklungsländern zum Beispiel seien solche Maßnahmen schlicht unbezahlbar.

Ozeane werden lebensfeindlicher, Wirbelstürme häufiger und heftiger

Die Ozeane werden sich weiter erwärmen. Die Meere haben außerdem seit den 1980er-Jahren bis zu 30 Prozent unserer Kohlendioxidemissionen aufgenommen, was sie zunehmend versauern lässt. Das hat direkte Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme und all die Lebewesen, inklusive der Menschen, die davon abhängig sind. Der Weltklimarat warnt außerdem davor, dass die Häufigkeit und Heftigkeit von Wirbelstürmen zunehmen wird.

Erderwärmung lässt Permafrostböden auftauen

Auch die Permafrostböden tauen auf. Selbst wenn die globale Erwärmung auf unter zwei Grad beschränkt wird, werden 25 Prozent des oberflächennahen Permafrostbodens in drei bis vier Metern Tiefe bis 2100 auftauen. Wenn die Treibhausgasemissionen weiter stark zunehmen, könnten aber auch bis zu 70 Prozent des oberflächennahen Permafrostbodens verloren gehen. Wenn Permafrostböden auftauen, wird zum Beispiel Methan freigesetzt. Dies wiederum erhöht die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre.

© Bayerischer Rundfunk/BR24

#fragBR24: Permafrost als tickende Zeitbombe?

Sonderbericht fordert Schutz-, aber auch Anpassungsmaßnahmen

Abschließend betont der Weltklimarat in seinem Sonderbericht, dass eine starke Reduzierung der Treibhausgasemissionen, ein Schutz und Wiederaufbau der Ökosysteme und ein vorsichtiger Umgang mit natürlichen Ressourcen Möglichkeiten sind, den Ozean und die Kryosphäre zu schützen. Insgesamt sind Lösungen gefragt, die Anpassungen an künftige Änderungen ermöglichen und die Risiken für Menschen minimieren.

"Der Bericht zeigt, dass etliche Folgen des Klimawandels inzwischen unausweichlich geworden sind und wir auch eine Diskussion darüber brauchen, welche Anpassungsmaßnahmen nötig und möglich sind." Ben Marzeion, Professor für Klimageographie, Institut für Geographie, Universität Bremen

Der Weltklimarat IPCC

Der Weltklimarat (IPCC) ist eine Institution der Vereinten Nationen. Er wurde 1988 gegründet mit dem Ziel zu klären, welche Gefährdung von der Erderwärmung ausgeht und ob gehandelt werden muss. 195 Länder sind derzeit Mitglied des IPCC. Das Gremium veröffentlicht umfangreiche sogenannte Sachstandsberichte (auch: Weltklimaberichte) und Sonderberichte zu einem bestimmten Thema. Seit seiner Gründung hat der IPCC fünf Sachstandsberichte verfasst, die jeweils mehrere tausend Seiten umfassen. Der neueste, fünfte Weltklimareport wurde in den Jahren 2013/14 veröffentlicht, der sechste soll in den Jahren 2021/22 erscheinen. Bislang hat der IPCC auch mehr als ein Dutzend Sonderberichte herausgegeben: Am 8. August 2019 zum Beispiel hat der Weltklimarat seine Ergebnisse zur Landnutzung und den daraus resultierenden Problemen Verwüstung und Hunger publiziert.

Sendungstipps:

  • Dramatische Gletscherschmelze und Gletscherforschung im Alpenraum: 29.09.2019, 13.35 Uhr, Aus Wissenschaft und Technik, B5 aktuell.
  • IPCC-Sonderbericht: 26.09.2019, 16.00 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Zeitbombe Permafrost - tauende Böden befeuern den Klimawandel: 26.09.2019, 10.05 Uhr, Notizbuch, Bayern 2.
  • Dramatische Gletscherschmelze - Ist das Polareis noch zu retten? Interview mit Professorin Angelika Humbert, Alfred-Wegener-Institut (AWI): 25.09.2019, 18.05 Uhr, IQ - Aus Wissenschaft und Forschung, Bayern 2.
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Der Klimawandel wird für uns Menschen immer gefährlicher. Davor warnt der Weltklimarat in seinem neuesten Bericht. Die Eismassen schmelzen weltweit, die Meeresspiegel steigen.