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Klimawandel hebt die Pegel Der Meeresspiegel steigt

Da der Klimawandel das Eis der Polarregionen schmelzen lässt, steigt der Meeresspiegel. Und das immer schneller. Die Folgen sind verheerend.

Stand: 06.11.2020

Der Klimawandel lässt das Eis der Polarregionen immer schneller schmelzen und die Meere anschwellen: Weltweit ist der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um 15 Zentimeter gestiegen, also etwa 1,5 Millimeter pro Jahr. Inzwischen jedoch steigt der Pegel mehr als doppel so schnell:

Etwa 3,6 Millimeter pro Jahr hebt sich der Meeresspiegel nach Angabe des jüngsten Sonderberichts des Weltklimarates IPCC im September 2019. Bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel um 30 bis 60 Zentimeter ansteigen, selbst wenn die Treibhausgasemissionen stark reduziert werden und die globale Erwärmung auf unter zwei Grad beschränkt wird. Er könnte sogar um mehr als einen Meter steigen, wenn die Treibhausgasemissionen weiter zunehmen.

In einer Ende 2019 veröffentlichten Broschüre stellen das Deutsches Klima-Konsortium e. V. und Konsortium Deutsche Meeresforschung e. V. den bisherigen Wissenstand zum Anstieg des Meeresspiegels zusammen. Sie rechnen mit einem Anstieg von 43 bis 84 Zentimetern bis zum Ende des Jahrhunderts. Und was noch wichtiger ist: Danach hört es ja nicht einfach auf:

"Wichtig zu wissen ist, dass die Meeresspiegel selbst nach dem Stopp der Emissionen für mehrere Jahrhunderte weiter steigen werden, was an der Trägheit des Klimasystems liegt. Unser heutiges Handeln hat also noch weit in der Zukunft Folgen."

Deutsches Klima-Konsortium

Meeresspiegelanstieg beschleunigt sich

Eine Forschergruppe um Steve Nerem von der University of Colorado in Boulder fand im Februar 2018 heraus, dass sich der Meeresspiegelanstieg beschleunigt: jedes Jahr steigt der Meeresspiegel um 0,08 Millimeter schneller als zuvor. Demnach könnte der Anstieg im Jahr 2100 bereits zehn Millimeter pro Jahr betragen. Der Durchschnittspegel an den Küsten könnte dann um 65 Zentimeter höher liegen als im Jahr 2005. "Die Studie stellt sehr glaubhaft dar, dass es eine Beschleunigung des Anstiegs gibt", urteilt Ingo Sasgen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Forscher hätten nicht nur neue Messdaten verwendet, sondern diese auch sehr gründlich ausgewertet.

Extremmodelle berechnen Anstieg um bis zu 1,70 Meter

Verschiedene Studien der vergangenen Jahre prognostizieren einen Meeresspiegelanstieg zwischen 30 Zentimetern und mehr als anderthalb Metern bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Der Weltklimarat IPCC warnte bereits 2014 davor, dass bis 2100 die Meerespegel um bis zu 82 Zentimeter steigen könnten. Dass beim deutschen Küstenschutz zum Teil mit einem Anstieg um bis zu 1,70 Meter gerechnet werde, erklärt Ingo Sasgen mit Extremwerten, die dabei angenommen worden seien.

Flutkatastrophen und Klimaflüchtlinge

Malediven: Ein Inselstaat, der nicht absaufen will

Wenn an den Polen die zwei großen Süßwasserreservoirs der Erde schmelzen, drohen weltweit Flutkatastrophen. Tief liegende Regionen wie Bangladesch könnten komplett überflutet werden. Aber auch die flachen Küstenregionen Polens sind gefährdet. Besonders bedroht sind die oft flachen Inseln der Tropen - etwa wie der Inselstaat Malediven oder die Inselkette Tuvalu, deren Bewohner um Klima-Asyl in Australien ersuchten (es aber nicht bekamen). Im Januar 2020 hat der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen entschieden, dass auch Klimaflüchtlingen ein Recht auf Asyl gewährt werden muss. Schon lange davor, im November 2005, wurden 980 Menschen von den Carteret-Inseln (Papua Neuguinea) auf 100 Kilometer entfernte Inseln umgesiedelt - die ersten Klimaflüchtlinge. Weit weg?

Auch an Deutschland nagt der steigende Meeresspiegel

Auch auf Sylt ist der Meeresspiegelanstieg zu spüren

Auch vor deutschen Küsten machen die steigenden Pegel nicht Halt: Die Insel Sylt muss schon jetzt jedes Jahr frischen Sand heranbaggern, weil die Fluten die Insel buchstäblich abtragen. Dadurch könne zwar die Küstenlinie Sylts größtenteils erhalten werden, doch an anderen Stellen wird die Wattlandschaft vom steigenden Meeresspiegel stark beeinflusst, erklärte Johannes Oelerich, der Abteilungsleiter im Umweltministerium von Schleswig-Holstein im Februar 2020 in einem Interview mit dem NDR.

"Es werden 2100 mehr Wattflächen ständig überflutet sein als heute."

Johannes Oelerich, Abteilungsleiter im Umweltministerium von Schleswig-Holstein

Auch der WWF warnte: "An der Nordseeküste gefährdet der Meeresspiegelanstieg die Menschen ebenso wie das Weltnaturerbe Wattenmeer", erklärt Jannes Fröhlich, Klimaanpassungs- und Küstenschutzexperte beim WWF, im Februar 2018. "Denn steigt er zu schnell und zu stark, versinken große Teile des Wattenmeeres dauerhaft unter die Wasseroberfläche. Dann verschwinden Wattflächen genau wie Brutplätze von Küstenvögeln oder Seehundsbänke."

Doch nicht nur die Pegel der Weltmeere steigen, auch die Qualität der Ozeane ändert sich durch den Klimawandel. Weltweit wird das Ökosystem Ozean aus dem Gleichgewicht gebracht, weil beispielsweise der Salzgehalt des Wassers abnimmt, Sauerstoff fehlt und das Wasser saurer wird.

  • Karibik - Korallenrettung und Klimawandel. Weltspiegel-Reportage, 17.11. um 15:50 Uhr, ARD-alpha
  • Steigende Pegel – Meeresspiegelanstieg: nano, 13.02.2020, 16:00 Uhr, ARD-alpha
  • Kiribati - ein Inselstaat im Untergang: Breitengrad, 30.11.2019, 14:05 Uhr, Bayern 2
  • Klimawandel - Wie der Pazifik das Paradies verschluckt. alpha-demokratie weltweit, 05.10.2018 um 19:30 Uhr, ARD-alpha
  • Meeresspiegel steigen schneller als erwartet: am 3. März 2018 um 19.00 Uhr in "Gut zu wissen", BR Fernsehen.
  • Meeresspiegelanstieg - mit Gesprächsgast: Prof. Dr. Mojib Latif: am 14. Februar 2018 um 16.30 Uhr in "nano", ARD-alpha.
  • Interview mit Dr. Ingo Sasgen zum Meeresspiegelanstieg: am 14. Februar 2018 um 18.05 Uhr in "IQ" in Bayern 2.
  • Klimawandel live: Riesiger Eisberg in Antarktis abgebrochen: am 12. Juli 2017 um 18.30 Uhr in der "Rundschau", BR Fernsehen
  • Wenn das Eis in der Arktis schmilzt: am 25. September 2012 um 18.05 Uhr in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2.

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