Wissen - Klimawandel


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Steigende CO2-Emissionen Jahr für Jahr bedenklich mehr Treibhausgase

Der Ausstoß an Treibhausgasen muss verringert werden, um den Klimawandel aufzuhalten. Doch statt weniger bläst die Menschheit immer mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre. Regelmäßig werden neue CO2-Höchststände erreicht. "Das zeigt, dass wir überhaupt nicht auf dem richtigen Weg sind, um das Klima zu schützen", sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Stand: 06.06.2019

Wir blasen immer mehr Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre | Bild: picture-alliance/dpa

Allen wissenschaftlichen Warnungen und politischen Willenserklärungen zum Trotz steigt die Konzentration an Treibhausgasen in unserer Atmosphäre ungebremst. Im Mai 2019 haben US-Wissenschaftler der Wetter- und Ozeanografie-Behörde NOAA die höchste CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre seit Beginn ihrer Aufzeichnungen im Jahr 1958 registriert. Kohlenstoffdioxid gilt als wichtigstes vom Menschen freigesetztes Treibhausgas.

Gemessen wurde der CO2-Wert von der NOAA im Observatorium auf Mauna Loa, Hawaii. Die Messstation ist einer der wichtigsten Referenzpunkte für CO2-Messungen und die Werte gelten als repräsentativ für die Nordhalbkugel der Erde. Gemessen wurde der Jahreshöchstwert 414,7 Teile pro Million (ppm). Ein CO2-Wert, den es zuletzt vor drei Millionen Jahren gab.

"Das zeigt, dass wir überhaupt nicht auf dem richtigen Weg sind, um das Klima zu schützen. Der Wert steigt jedes Jahr weiter an."

Wolfgang Lucht, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die Faktenlage:

  • Die vergangenen sieben Jahre in Folge sind die Jahreshöchstwerte gestiegen.
  • Die CO2-Rate steigt seit den 1970er-Jahren im Schnitt immer schneller: von 0,7 ppm jährlich auf 2,2 ppm. Im Mai 2019 waren es sogar 3,5 ppm.
  • Die Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche ist seit dem Beginn der Industrialisierung um ein Grad gestiegen.
  • Forscher sind sich nicht einig, welcher CO2-Wert als erstrebenswert gilt. Ein Wert von 350 Teilen pro Million soll aber zumindest die Erderwärmung eindämmen können, so die einhellige Meinung. Ein stabiler Wert wäre aber auch schon ein Gewinn, sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
  • Machen wir so weiter wie bisher, könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 1,5 und im schlechtesten Fall um 7,8 Grad Celsius steigen.
  • Die internationale Energieagentur (IEA) sagt, dass bis 2030 weltweit doppelt so viel in erneuerbare Energien investiert werden müsste, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Dazu müsste der Betrag von 270 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 539 Milliarden Euro aufgestockt werden. Die Investitionen in Öl und Kohle müssten drastisch gekürzt werden.
  • Die Realität: 2018 sind laut IEA rund vier Prozent mehr Mittel in Öl- und Gasprojekte und rund zwei Prozent mehr in Kohlekraftwerke geflossen. Die Investitionen in erneuerbare Energien wurden zurückgefahren - um rund zwei Prozent. [Quelle: NOAA, IEA]

"Es wurden schon viele Vorschläge zur Entschärfung der Erderwärmung gemacht, aber ohne eine schnelle Reduzierung der CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen sind sie ziemlich nutzlos."

Pieter Tans, NOAA, Abteilung Global Monitoring

Ein Drittel mehr CO2 als vor der Industriellen Revolution

Im Mai 2018 hatte die NOAA den Jahreshöchstwert von 411,2 ppm gemessen. Der Wert von 400 ppm (parts per million: Teilchen pro eine Million Teilchen) gilt als symbolische Schwelle, die weltweit erstmals im März 2015 auf Mauna Loa überschritten wurde. Vor der Industriellen Revolution lag der Wert bei rund 280 ppm. Damit sind mittlerweile etwa ein Drittel mehr CO2-Moleküle in der Atmosphäre als noch in vorindustriellen Zeiten. Seither klettern die CO2-Werte nach oben - und auch immer schneller: So abrupt wie in den vergangenen 70 Jahren sei die CO2-Konzentration noch nie gestiegen, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) im November 2018. Am Ende der letzten Eiszeit habe sich ein ähnlicher Anstieg dagegen über 3.000 Jahre hin gestreckt.

Keine Anzeichen für Entschärfung der Klimakrise

Die WMO vermeldete im November 2018 einen neuen Höchststand: Im Jahr 2017 ist die Kohlendioxid-Konzentration auf 405,5 ppm gestiegen. Im Jahr 2016 lag der Wert noch bei 403,3 ppm, 2015 bei 400,1 ppm. "Es gibt keine Anzeichen für eine Umkehrung des Trends, der zu langfristigem Klimawandel, dem Meeresspiegelanstieg, der Versauerung der Meere und mehr extremen Wettersituationen beiträgt", warnt die WMO.

"Ohne eine Verringerung von CO2 und anderen Treibhausgasen wird der Klimawandel zerstörerische und unumkehrbare Folgen für die Erde haben. Die Chance, noch einzugreifen, ist fast vertan."

WMO-Generalsekretär Petteri Taalas

Internationaler CO2-Vergleich

Auch Rekordwerte bei anderen Treibhausgasen

Der WMO-Bericht 2018, der auf den Daten aus dem Jahr 2017 basiert, verzeichnet auch Rekordwerte der Treibhausgase Methan, Distickstoffmonoxid (Lachgas) und Trichlorfluormethan in der Atmosphäre. Die Klimaforscher warnen, dass vor allem Trichlorfluormethan stark wirksam ist: Es heizt nicht nur das Klima auf, sondern zerstört zusätzlich die filternde Ozonschicht. Das Industriegas wird in China trotz eines internationalen Verbots illegal zur Herstellung von Isolierstoffen verwendet.

Der Treibhauseffekt heizt die Erde auf

Seit Beginn der Industrialisierung gelangen immer mehr sogenannte Treibhausgase in die Atmosphäre. Die bedeutendsten sind Kohlendioxid und Methan. Für die starke Kohlendioxid-Zunahme ist hauptsächlich das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas verantwortlich. Methan entsteht vor allem bei der Rinderhaltung und im Reisanbau. In der Atmosphäre enthaltene Gase verstärken den natürlichen Treibhauseffekt auf der Erde. Pro Quadratmeter Oberfläche nimmt die Erde heute fast ein Watt mehr an Energie von der Sonne auf als sie wieder ins All strahlt.

Die Erde wird wärmer - und unwirtlicher

Der Klimawandel ist in vollem Gang, die Folgen sind zu spüren und zu messen: Extremwetter treten häufiger auf, die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Ozeane versauern. Laut dem fünften IPCC-Weltklimabericht von 2013/14 könnten die Temperaturen auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts je nach Szenario um 1,5 bis 7,8 Grad Celsius steigen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Das Zwei-Grad-Ziel

1,5 oder zwei Grad?

Seit der UN-Klimakonferenz im Jahr 2010 im mexikanischen Cancún strebt die Staatengemeinschaft danach, die Klimaerwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf nur zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken.

Viele Wissenschaftler halten dann die Veränderungen durch den Klimawandel für gerade noch steuerbar. Erwärmt sich die Erde stärker als diese zwei Grad, kommt es nach Meinung der Forscher zu drastischen und unumkehrbaren Umweltveränderungen.

Im Paris-Abkommen von 2015 bleiben die zwei Grad zwar das Ziel, doch angestrebt wird eine Beschränkung der Erwärmung auf nur 1,5 Grad. Doch selbst das ist keine verbindliche Marke, sondern nur eine erwünschte Anstrengung der Staaten.

Handlungsbedarf

Jahr für Jahr verkündet die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) neue Rekordwerte in der Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre und drängt auf schnelles Handeln seitens der Politik. Auch der Weltklimarat IPCC warnt: Wenn nicht bald durchgreifende Maßnahmen ergriffen werden, könnte die Temperatur schon bis zum Ende des Jahrhunderts je nach Szenario um 1,5 bis 7,8 Grad Celsius steigen.

Maßnahmen

Im Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) von Anfang Oktober 2018 zeigen die Experten auf, dass es durchaus noch möglich ist, den Anstieg der Durchschnittstemperatur auf höchstens 1,5 Grad zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Ein schnelles, entschlossenes Handeln aller vorausgesetzt, schließlich muss dafür der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen drastisch verringert werden: Um die 1,5 Grad nicht zu überschreiten, müsse der CO2-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent gegenüber dem Wert von 2010 reduziert werden. Um 2050 müsse der Ausstoß bei Null liegen.

Ausreichend?

Wäre das Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch ausreichend? Menschliche Aktivitäten haben bislang zu einer weltweiten Temperaturzunahme von 1,0 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter geführt, erklärte der Weltklimarat (IPCC) Anfang Oktober 2018. Nach UN-Angaben zählen alle Jahre seit 2001 zu den heißesten Jahren weltweit. Die Eisdecken in Grönland und der Antarktis haben in den vergangenen Jahrzehnten bereits an Masse verloren, weltweit sind die Gletscher geschrumpft. Selbst bei einer erheblichen Verbesserung des Klimaschutzes rechnet der Weltklimarat mit einem deutlich steigenden Meeresspiegel. Forscher mahnen zur Eile beim Klimaschutz, aber für viele Ökosysteme kommen die Anstrengungen bereits zu spät.

  • "Treibhausgas Methan - Werte in der Atmosphäre steigen alarmierend": am 12. Dezember 2016 um 18.05 Uhr in IQ, Bayern 2.
  • "Streit ums Klima - Warum die Politik auf der Stelle tritt": am 14. November 2016 um 19 Uhr in Unkraut, BR Fernsehen.
  • "Wir Klimamacher - Fakten zum Klimawandel": am 27. November 2015 um 9.05 Uhr in radioWissen, Bayern 2
  • "Kohlenwasserstoffe - Fossile Energieträger": 17.03.2014, 6.30 Uhr, BR Fernsehen.

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