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Gletscherschmelze weltweit Das Eis schmilzt im Rekordtempo

Die Gletscher schrumpfen immer schneller: In den vergangenen Jahren schwand das Eis bis zu drei Mal schneller als im 20. Jahrhundert. Forscher prophezeihen: Das Schmelzen lässt sich nicht mehr aufhalten.

Stand: 04.12.2018

Seit mehr als 120 Jahren sammelt der World Glacier Monitoring Service (WGMS, Welt-Gletscher-Überwachungsdienst) Daten über die Veränderung der Gletscher weltweit. Referenzgletscher aus fast zwanzig verschiedenen Bergregionen der Welt werden beobachtet, um ein globales Bild zu erhalten, was mit den Gletschern im Klimawandel passiert. Das Fazit lautet: Die Geschwindigkeit der aktuellen globalen Gletscherschmelze ist ohne Beispiel in der Geschichte.

"Die Eisdicke der beobachteten Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab. Das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert."

Michael Zemp, Direktor des World Glacier Monitoring Service

Traurige Bilanz in den Alpen

Der gewaltige Aletschgletscher schmilzt (Aufnahme von Juli 2018).

Besonders betroffen sind unter anderem die Alpen. Nicht nur der Aletschgletscher, der größte Gletscher in der Schweiz, wird inzwischen jährlich um bis zu 50 Meter kürzer, insgesamt ist die Eisfläche in unserem Nachbarland seit 1850 auf nur noch die Hälfte geschrumpft, ebenso in Österreich. Bayerns Gletscher werden ebenfalls immer kümmerlicher. Und auch in Frankreich und Italien lässt sich der Schmelzprozess an den Alpengletschern beobachten.

Der Vernagtferner in Österreich

Ein Beispiel aus unserem Nachbarland Österreich: Der Vernagtferner in den Ötztaler Alpen hat in den vergangenen 150 Jahren zwei Drittel seiner Eismasse verloren. Die Gletscherforscher haben errechnet, welche traurige Vision sich für die Jahre 2050 und 2100 abzeichnet: Im Endstadium der Schwindsucht bleibt vom Gletscher nur eine riesige alpine Schutthalde.

Gletscherschmelze - ein globales Phänomen

Die Gletscherzunge Nigardsbreen in Norwegen hat sich von 2009 bis 2015 deutlich zurückgezogen.

Die kontinuierlichen Beobachtungen des WGMS zeigen außerdem: Das langfristige Zurückschmelzen der Gletscherzungen ist ein globales Phänomen. Einzelne Gletscher sind zwar wieder gewachsen, diese Vorstöße sind aber regional und zeitlich beschränkt. Sie reichen bei Weitem nicht an die Hochstände der kleinen Eiszeit heran, die zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert herrschte. Die norwegischen Gletscherzungen etwa haben sich seit ihrem letzten Hochstand im 19. Jahrhundert um einige Kilometer zurückgezogen. Nur in der Küstenregion stießen die Gletscher in den 1990er-Jahren wenige hundert Meter vor. Seitdem sind sie aber bereits wieder deutlich geschrumpft.

Eisverluste sind nicht reversibel

Eisverlust von 37 Referenzgletschern weltweit seit 1960

Die großen Eisverluste der letzten beiden Jahrzehnte haben dazu geführt, dass viele Gletscher rund um den Globus aus dem Gleichgewicht geraten sind. Diese werden weiterhin Eis verlieren, selbst wenn der Klimawandel nicht weiter fortschreitet: Gletscher reagieren mit Verzögerung auf den Temperaturanstieg. Der Schrumpfprozess, den der WGMS seit Jahren an Gletschern in zehn Gebirgsregionen weltweit beobachet, wird also anhalten.

Meeresspiegel steigt

Das Schmelzen der Gletscher hat schwerwiegende Konsequenzen für die Natur. Das Gletscherwasser fließt ins Meer und trägt dazu bei, dass der Meeresspiegel steigt. Das bedroht viele Menschen in Ländern wie Bangladesch, Pakistan, Thailand, Indonesien und Ägypten. Millionen leben dort in Gebieten, die unter Wasser stehen, wenn der Meeresspiegel nur um einen halben bis ganzen Meter steigt. Sie müssten umgesiedelt werden, wenn ihr Lebensraum im Meer versänke.

Sollte die Temperatur der Erdatmosphäre um vier Grad Celsius steigen, wie manche Klimaexperten befürchten, würde nach Berechnungen der US-Forschungsorganisation Climate Central der Meeresspiegel sogar um mehr als sieben Meter steigen. Dann wären etwa eine halbe bis dreiviertel Milliarde Menschen weltweit betroffen. Besonders wären Küstenstädte in China und Indien bedroht. Aber auch in Deutschland hätte der Anstieg des Meeresspiegels für mehr als drei Millionen Menschen ernste Konsequenzen.

Überschwemmungen durch Gletscherschmelze

Der Gletschersee Cachet in Patagonien hat bereits mehrere Fluten ausgelöst.

Schrumpfende Gletscher sind auch für ihre Umgebung eine Gefahr. Wenn ihr Eis schneller schmilzt als früher, sammelt sich immer mehr Wasser in tiefer liegenden Gletscherseen an. Irgendwann baut sich dort ein so hoher Druck auf, dass die Wände aus Geröll einstürzen und sich das Wasser ins Tal ergießt. Das kann katastrophale Überschwemmungen auslösen. Kritisch ist auch, wenn im Gebiet des Gletschers der Permafrostboden auftaut. Lockeres Gestein kann sich lösen und ins Tal stürzen.

Gletscherschmelze führt langfristig zu Trockenheit

Blick auf Pumori und Nutpse-Gletscher, Nepal, Himalaja

Wenn die Gletscher schmelzen, verlieren sie mehr Wasser. Das tun sie aber nur vorübergehend. Langfristig fließt immer weniger Wasser von ihnen ab. Das wird besonders die Bewohner der Anden und des Himalaja sowie angrenzender Regionen in Schwierigkeiten bringen. In manchen Gegenden sind die Gletscher zeitweise die wichtigste Quelle für Trinkwasser. Auch Landwirtschaft und Industriebetrieben droht Wasserknappheit, wenn die Gletscher verschwinden. Für das Schmelzen der Gletscher gilt also das Gleiche wie für viele andere Folgen der Erderwärmung: Besonders hart trifft sie Menschen in ärmeren Regionen der Welt.

  • Gletscherschmelze - Klimawandel im Hochgebirge. Faszination Wissen, 18.10.2016 um 22:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Glacier Nationalpark in Montana bald ohne Gletscher. Notizbuch, 28.08.2018 um 10:05 Uhr, Bayern 2

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