Wissen - Klimawandel


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Tipps für den Alltag Was Sie für das Klima tun können - jeden Tag

Weniger Auto fahren, seltener Fleisch essen, Strom sparen, bewusster einkaufen, Müll vermeiden: Klimaschutz fängt im Kleinen an, und jeder kann im Alltag seinen Beitrag leisten, Tag für Tag. Und dabei sparen Sie auch noch Geld!

Stand: 20.04.2017

Frau mit herkömmlicher und Energiespar-Glühbirne | Bild: colourbox.com

Tag der Erde

Am 22. April wird alljährlich weltweit der Tag der Erde (auch: "Earth Day") begangen. Er soll an die Ursprünge der Umweltschutzbewegung erinnern und die Wertschätzung für die Umwelt stärken.

Zwei Grad. Um mehr soll sich die Erde nicht mehr aufheizen, so haben es die Industrie- und Schwellenländer beschlossen. Zwei Grad würden bedeuten: Halbierung des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes bis 2050 im Vergleich zu 1990.

Linktipp

Gewiss, Privathaushalte machen nur einen geringen Teil der Kohlendioxidemission aus, das Gros entfällt auf Industrie und Verkehr. Aber Klimaschutz fängt im Kleinen an, und jeder kann im Alltag seinen Beitrag leisten: durch vernünftiges Einkaufen oder Auto fahren - oder daheim durch Sparen bei Strom und Heizung. Würden Sie im Alltag fünfzig Prozent weniger CO2-Ausstoß schaffen? Eine sportliche Aufgabe. Hier sind Tipps, wie Sie es am wirkungsvollsten anpacken: 

Energiespartipps für daheim

Haushalt

Es sind oft die kleinen Maßnahmen: Zum Beispiel lieber mit Einkaufskorb anstatt Plastiktüte an die Kasse. Und wer rechtzeitig daran denkt, das Essen aus der Tiefkühltruhe zu holen, muss es nicht in der Mikrowelle auftauen. Wenn Sie nur drei Blatt Papier aus frischem Zellstoff durch Recyclingpapier ersetzen, spart das so viel Energie ein, dass Sie damit einen Liter Wasser zum Kochen bringen könnten. Wer ein Hemd aus Bio-Baumwolle kauft, hat fünf Kilogramm CO2 eingespart - so viel stößt ein Auto auf 30 Kilometern aus.

Duschen

Banal, aber wahr: Im Badezimmer spart Energie, wer duscht statt zu baden. Die EU-Kampagne "Du kontrollierst das Klima" hat ausgerechnet: Wenn alle Europäer jeden Tag nur so viel Wasser erhitzen, wie sie benötigen, und dadurch jeder einen Liter unnötig erwärmtes Wasser pro Tag einsparen würde, würde die gesparte Energie an diesem Tag ausreichen, ein Drittel der Straßenbeleuchtung Europas zu betreiben.

TV

Wenn das Christkind einen neuen Fernseher bringen soll, bedenken Sie, dass der Stromverbrauch mit der Größe der Bildschirm-Diagonale steigt. Leider gibt es noch keine einheitliche Kennzeichnung. Bei einer angenommenen Lebensdauer von zwölf Jahren und durchschnittlich vier Stunden Fernsehkonsum täglich reichen die Stromkosten von rund 163 Euro bis zu 1.500 Euro. Außerdem verbrauchen LCD-Geräte deutlich weniger Strom als gleich große Plasmageräte. Energiesparende Geräte sind außerdem an den Labeln Energy Star und Euroblume zu erkennen.

Stand-by

Stand-by-Anzeigen an Fernseher, Drucker, Monitor oder Hifi-Anlage sind Stromfresser, daher alle Geräte immer komplett abschalten! Das geht am bequemsten mit einer Mehrfach-Steckerleiste mit Netzschalter. Wer am Stand-by-Komfort festhalten möchte, kann ein Zuschaltgerät dazwischenschalten und so das Hauptgerät über die Fernbedienung richtig abdrehen. Ein Fernseher verbraucht im Stand-by-Betrieb zwischen zwei und acht Euro jährlich, eine Set-Top-Box bis zu zwölf Euro. Allerdings brauchen Pay-TV-Receiver oder DVD-Rekorder den Stand-by fürs Empfangen von Software-Updates bzw. die Aufnahme von Sendungen. Umso wichtiger, beim Kauf auf den Verbrauch im Stand-by-Modus zu achten.

Akkus

Laden Sie Akkus nicht zu früh und nicht zu lange auf, denn dadurch verkürzt sich deren Lebenszeit. Nutzen Sie generell alle Geräte, wenn möglich, mit Strom aus der Steckdose - denn die Herstellung von Akkus ist mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden.

Lichterketten

Lichterketten gibt's auch mit sparsamen Leuchtdioden (LED). Bei uns wird jedes Jahr für die private Weihnachtsbeleuchtung so viel Strom verbraucht, dass damit 140.000 Haushalte ein Jahr lang komplett versorgt werden könnten. Oder anders: Drei herkömmliche Lichterschläuche verbrauchen in fünf Wochen so viel Strom wie ein moderner Kühlschrank im ganzen Jahr - rund 30 Euro. Die gleiche Beleuchtung mit LEDs verbraucht nur Strom für 1,75 Euro! Und wenn die Lichtlein niemand sieht - einfach abschalten - am besten mit einer Zeitschaltuhr.

Christbaum

Wie kann Ihr Christbaum zum Klimaschutz beitragen? Bäumchen aus der Region sparen lange Transportwege und haben daher eine viel bessere CO2-Bilanz. Außerdem unterstützen Sie damit die heimische Forstwirtschaft. Inzwischen gibt es etliche Betriebe, die auf Pestizide und Mineraldünger komplett verzichten und zertifiziert sind. Die Zeichen "Naturland", "Bioland" oder "Demeter" garantieren, dass der Baum aus einem ökologisch bewirtschafteten Wald oder einer Baumkultur stammt und somit das Klima schont.

Noch ein paar Stromspartipps

Klimaschutz in der Küche

Klimaschutz durch Fleischverzicht

Mehr Gemüse

Es gibt eine einfache und praktische Möglichkeit für jeden von uns, das Klima zu schützen: einfach den Verzehr von Rind- und Lammfleisch, Käse und Milch zurückfahren. Denn essen wir weiter so viel Fleisch und Milchprodukte wie bisher, dann werden sich die weltweiten Emissionen aus der Landwirtschaft bis 2070 verdoppeln. Das haben schwedische Forscher vorgerechnet. (Chalmers University of Technology, 31.03.2014)

Emissionen

Fredrik Hedenus und seine Kollegen von der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg ermittelten mithilfe von gekoppelten Klima-Wirtschaftsmodellen, dass sich von heute 7,1 Gigatonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr die Emissionen der Landwirtschaft bis 2070 auf 13 Gigatonnen verdoppeln werden. Kohlendioxidäquivalente (CO2e) berücksichtigen, dass neben CO2 auch Methan oder Lachgas als Treibhausgase wirken. Um die unterschiedlichen Treibhausgase miteinander vergleichen zu können, wird jedes Treibhausgas hinsichtlich seiner Wirkung auf Kohlendioxid umgerechnet.

Methan, Lachgas, CO2

Weniger Fleisch- und Milchkonsum bedeuten gleichzeitig eine Verringerung des landwirtschaftlich bedingten Ausstoßes von Methan und Lachgas. Um Tierfutter zu produzieren wird mehr Ackerfläche benötigt, als wenn Menschen direkt über Ackerfrüchte versorgt würden. Deshalb erhöht die Fleischproduktion den Bedarf an Dünger. Darüber hinaus entsteht Methan im Verdauungstrakt von Wiederkäuern. Lachgas bildet sich vor allem durch das Ausbringen von Kunstdünger auf die Äcker. Kohlendioxid schließlich wird frei, wenn Wälder zu Äckern werden, um mehr Lebensmittel zu erzeugen.

Sonntagsbraten

Zwar könnte eine verbesserte Anbautechnik den Wissenschaftlern zufolge die Treibhausgase reduzieren. Die Umstellung der Ernährung in der Bevölkerung wäre jedoch noch effektiver: wenn 75 Prozent des Rind- und Lammfleisches und der Milchprodukte entweder durch andere Fleischsorten oder durch Gemüse und Getreideprodukte ersetzt werden. Wenn das Zwei-Grad-Ziel bis zum Ende des Jahrhunderts noch erreicht werden soll, sind Fleisch, Käse und Milch noch erlaubt, aber nicht mehr täglich, so lautet die Empfehlung der Forscher. Das größte Einsparpotenzial bietet aber eine Kombination beider Ansätze.

Klimasünder Rind

Rindfleisch ist aus Sicht des Klimaschutzes die schlechteste Ernährungsalternative: Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, müssen 15 Kilogramm Futter erzeugt werden - dafür braucht man eine Fläche von 40 Quadratmetern. Auf dieser Fläche könnte man 120 Kilogramm Karotten und 80 Kilogramm Äpfel ernten. Auch Unmengen von Wasser "fließen" in jedes Schnitzel. Zugleich stößt jedes Rind viel Methan aus, das als Treibhausgas noch schädlicher ist als Kohlendioxid.

Tipps für Autofahrer

Klimaschutz unterwegs

Flieger

Verzichten Sie so oft wie möglich auf Flüge. Experten schätzen, dass langfristig der Flugverkehr das Klima mehr belasten wird als der Autoverkehr. Wenn's dennoch das Flugzeug sein muss, kann man für den Klimaschaden eine Ausgleichszahlung an zertifizierte Klimaschutzprojekte überweisen.

Auto

Wer energieeffizient Auto fährt, spart Sprit und Emissionen. Vorausschauend fahren und auf's Rasen verzichten, so minimieren Sie unnötiges Bremsen und Anfahren. Bis zu einem Viertel Treibstoff spart, wer einige Grundregeln einhält. Oder Sie steigen auf ein Fahrzeug mit Hybrid-Technologie um.

Bahn

Die Bahn hat im Vergleich zu Auto und Flugzeug die bessere Ökobilanz. Laut Germanwatch erzeugt man eine Tonne Kohlendioxid mit dem Flugzeug schon nach rund 3.000 Kilometern, mit einem Mittelklasse-Auto nach etwa 7.000, mit dem Zug aber erst nach zirka 17.000 Kilometern. Für die Strecke München - Köln errechnet der Umweltmobilcheck auf den Internetseiten der Bahn für eine Person 21 Kilo Kohlendioxid. Im Pkw sind es demnach hundert Kilo und im Flugzeug 83 Kilo.

Bus

Ein gut ausgebuchter Reisebus spart noch mehr Emissionen ein, im Vergleich zur Bahn bis um die Hälfte, im Vergleich mit dem Auto sogar fast 90 Prozent. Je mehr Menschen auf das Auto verzichten und auf Bahn und Bus umsteigen, umso besser, denn so steigt deren Auslastung bei gleicher Emission.

Rad

Für Kurzstrecken ist das Rad zu empfehlen. Denn gerade bei kalten Motor verbraucht ein Auto viel mehr Sprit, als wenn er warmgefahren ist. Darüber hinaus sind dann auch die Schadstoff-Emission höher. Direkt nach dem Start verbrennt ein kalter Motor Höchstmengen an Sprit - in etwa ein Verbrauch von dreißig bis vierzig Liter pro hundert Kilometer.

Wie viel ist uns der Klimaschutz wert?

Spenden für den Klimaschutz

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg wollten herausfinden: Wie viel ist den Menschen der Klimaschutz wert? Dazu nutzten sie ein psychologisches Spiel, das aus der Verhaltensökonomie stammt, ein sogenanntes "Public-Goods-Game".

In dem Experiment wurden fast 200 Studenten in Sechser-Gruppen eingeteilt und vor folgende Situation gestellt: Jeder Proband bekommt ein Anfangskapital von je 40 Euro. In jeder der zehn Runden des Spiels können die Teilnehmer einen Teil davon für eine Anzeigenkampagne über den Klimawandel spenden. Wenn eine Gruppe mindestens 120 Euro zusammenträgt, bekommt jeder Mitspieler 45 Euro Prämie. Absprechen können sich die Probanden während des Spiels übrigens nicht.

Prämien motivieren

In rund zwei Dritteln der Versuche erreichten die Gruppen das Spendenziel. Allerdings nur, wenn sie die Prämie gleich ausbezahlt bekamen. Andere Gruppen mussten sieben Wochen darauf warten. Bei diesen bekam nur noch ein Drittel die notwendigen 120 Euro zusammen. Es gab aber auch Gruppen, die gar nichts ausbezahlt bekamen. Wenn diese das Spendenziel erreichten, wurde das Geld dazu benutzt, Eichen zu pflanzen und so etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Eigennutz vor Zukunft

Das Ergebnis war ernüchternd: Die Gruppen, die in den Klimaschutz investieren konnten, erreichten in keinem einzigen Fall das Spendenziel. Die Forscher vom MPI für Meteorologie folgern daraus: Eine sofortige Belohnung motiviert weit mehr als die Aussicht, etwas für künftige Generationen zu tun. Die Menschen werden also nur dann in den Klimaschutz investieren, wenn sie selber etwas davon haben. Daher sollte man auf aktuelle Vorteile hinweisen, etwa dass die Energiewende schon heute neue Arbeitsplätze schafft.


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