Diskussion über Diskriminierung Was ist eigentlich "Othering"?

Abgrenzungen helfen, soziale Ordnungen zu stabilisieren: "Wir" im Unterschied zum "Anderen". Gibt es keine Chance, dem "Othering" zu entkommen, also jemanden als Randgruppe zu definieren?

Stand: 22.06.2020

Black Lives Matter-Protest in New York: Menschen mit und ohne Mundschutz ziehen durch eine Häuserschlucht, auf einem Pappschild steht der Satz: "Break the wheel of systemic racism" | Bild: picture alliance/ZUMA Press

Wieso grenzen wir Menschen aus? Und wie geschieht das genau? Wie konnten die Kolonialherren Afrikaner versklaven? Indem sie ihnen den Status des Menschseins absprachen, sie zur niederen "Rasse" erklärten. Um solche Fragen und Erkenntnisse kreist die Diskussion mit Susan Arndt, Autorin des Sachbuches "Weißsein", und Nurcan Akbulut, die über die Gesundheit von Flüchtlingen forscht und feststellen musste, dass auch schon allein Ausgrenzung Folgen auf Psyche und Körper zeitigt. 

Wie erfolgt die Konstruktion des Anderen? Es sind Artefakte, die nicht auf natürlichen Strukturen beruhen. "Natürliche Unterschiede" sind daher meist nur eine Behauptung, ja, eine Unterstellung – davon ist Akbulut überzeugt.

Abgrenzungsmechanismen – wozu?

In der Soziologie tobt ein Streit, ob diese Unterscheidungen quasi eine natürliche Konstante des Menschseins darstellen, ob also jede Gesellschaft Mechanismen der Abgrenzung brauche, um sich selbst zu definieren. Oder ob Gruppen gezielt ein Framing betreiben, indem sie als natürlich darstellen, was nur ihren politischen und wirtschaftlichen Zielen entspricht. Das zumindest legen die Sklaverei oder der Kolonialismus nahe, etwa die Behauptung, es habe eine "Entdeckung Amerikas" gegeben – denn das unterschlage, dass dort längst schon Menschen gelebt haben.