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FAQ: Welche Corona-Mutanten gibt es und wie gefährlich sind sie? | BR24

© pa / ZUMAPRESS.com

Eine mit Coronaviren infizierte Zelle unter dem Mikroskop

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    FAQ: Welche Corona-Mutanten gibt es und wie gefährlich sind sie?

    Das eine SARS-CoV-2-Virus gibt es nicht, denn ein Virus mutiert. Sorgen bereiten dabei vor allem Mutanten, die erstmals in Großbritannien und Südafrika nachgewiesen wurden. Wie gefährlich sind sie? Eine FAQ zu den bislang bekannten Corona-Mutanten.

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    Von
    • Franziska Konitzer

    Als ob wir in der Pandemie nicht alle schon genug gegen die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus zu kämpfen hätten, bereiten seit einigen Wochen zusätzlich Corona-Mutationen Sorgen und Probleme. Was sind diese Mutationen und wie gefährlich sind sie? Wir liefern Ihnen Fragen und Antworten:

    Was ist eine Mutation und was ist eine Mutante?

    Eine Mutation ist ganz allgemein eine spontane Veränderung. In Bezug auf das SARS-CoV-2-Virus bedeutet Mutation eine Veränderung im Erbgut des Virus. Diese Veränderung kann entweder gar keine großen Auswirkungen haben, was bei den meisten Mutationen der Fall ist. In manchen Fällen aber kann der leicht mutierte Bauplan das Virus so verändern, dass es beispielsweise für den Menschen ansteckender wird. Der Begriff "Mutation" bezeichnet hier die Veränderung an sich. Der Begriff "Mutante" bezeichnet das mutierte Virus selbst sowie alle seine Nachkommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer "Variante" des Virus.

    Welche Corona-Mutanten gibt es?

    Mutationen an sich sind in jeglichem Erbgut keine Seltenheit. Allein für das Coronavirus waren bis September 2020 bereits mehr als 12.000 einzelne Mutationen bekannt. Die allermeisten von ihnen haben keine für uns spürbaren Auswirkungen. Inzwischen allerdings sind Corona-Mutanten bekannt, die nicht nur Wissenschaftlern Sorge bereiten, da sie sich anders verhalten als die "ursprünglichen" Varianten des SARS-CoV-2-Virus.

    • Die britische Variante B.1.1.7: Diese Variante ist seit Dezember 2020 bekannt. Sie ist ansteckender als die bisherigen Varianten, hochansteckend sogar. Experten gehen davon aus, dass sich die Variante B.1.1.7 um 35 bis zu 56 Prozent schneller ausbreiten kann als das bisherige Coronavirus. Und das bedeutet: mehr infizierte Menschen, mehr schwere Krankheitsverläufe und mehr Todesfälle. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie von Moderna sollten allerdings auch gegen diese Mutante einen wirksamen Impfschutz liefern können.
    • Die südafrikanische Variante B.1.351: Diese Mutante des SARS-CoV-2-Virus wurde zuerst in Südafrika nachgewiesen, daher der Name. Sie ist nach derzeitigem Wissensstand wohl etwas weniger ansteckend als die britische Variante B.1.1.7 – aber immer noch ansteckender als bisherige Varianten. Erschwerend kommt dazu, dass es Hinweise gibt, dass diese Mutante das menschliche Immunsystem besser austricksen könnte. Das bedeutet, dass Impfstoffe weniger wirksam sein könnten und dass sich Menschen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung erneut mit dieser Variante des Coronavirus anstecken könnten. Die Datenlage ist in diesem Fall aber noch nicht gut genug, um wirklich gesicherte Aussagen machen zu können.
    • Die brasilianische Variante P.1: Auch diese Variante steht im Verdacht, ansteckender zu sein als die ursprünglichen Varianten des Coronavirus. Auch hier gibt es aber bislang keine Hinweise darauf, dass sie bei einer Einzelperson per se zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Bislang ist aber weniger über sie bekannt als über die britische oder die südafrikanische Varianten.
    • Die kalifornische Variante B.1.427, bzw. B.1.429: Eine neue Variante des Coronavirus, die sich im Bundesstaat Kailfornien ausbreitet, war erstmals im Dezember 2020 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles entdeckt worden. Einzelne Fälle sind zudem in anderen Ländern aufgetaucht, etwa in Australien. Eine Studie der University of Californa in San Francisco (UCSF) deutet nun offenbar darauf hin, dass die neu entdeckte Virus-Variante B.1.427, bzw. B.1.429 ansteckender sein könnte als der Wildtyp und möglicherweise heftigere Krankheitsverläufe auslöst. Die Studie ist derzeit noch unveröffentlicht. Kritiker bemängeln, sie greife teilweise auf relativ kleine Datensätze zurück.
    "Diese Variante ist sehr besorgniserregend, weil unsere Daten zeigen, dass sie ansteckender ist, einen schweren Krankheitsverlauf wahrscheinlicher macht und wenigstens teilweise resistent gegen Antikörper ist." Charles Chiu, Experte für ansteckende Krankheiten und Sequenzierung an der University of Californa in San Francisco (UCSF) und Mitautor der Studie

    Warum sind die neuen Virus-Varianten ansteckender?

    Die viel diskutierten britischen und südafrikanischen Varianten weisen mehrere Mutationen in ihrem Erbgut auf, die unter anderem die sogenannten Spike-Proteine verändert haben. Ein Coronavirus nutzt diese stachelartigen Strukturen, um an menschliche Zellen anzudocken und in sie einzudringen. Die genauen Mechanismen, warum welche Mutation zu einer leichteren Verbreitung führt, sind bislang allerdings noch nicht bekannt.

    Wie gefährlich sind die Corona-Mutationen?

    Hier muss man unterscheiden, was genau man mit "gefährlich" meint. Bezogen auf die Symptome und den Krankheitsverlauf einer einzelnen Person scheinen die neuen Corona-Mutanten nicht gefährlicher zu sein als die bisherigen Varianten. Allerdings gibt es laufende Untersuchungen aus Großbritannien, die darauf hindeuten, dass zumindest die britische Mutante B.1.1.7 mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko zusammenhängen könnte.

    Was die neuen Corona-Mutanten B.1.1.7, B.1.351 und P.1 vereint, vereint, ist eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Das bedeutet mit Sicht auf den Gesamtverlauf der Pandemie, dass sie deutlich schwerer einzudämmen ist. Insgesamt können die Mutanten so zu mehr Infizierten führen, und dadurch auch zu mehr schweren Krankheitsverläufen sowie Todesfällen.

    Wie gefährlich die Corona-Mutationen im Hinblick auf die Wirksamkeit der Impfstoffe werden können, wird derzeit noch erforscht. Zumindest gegen die britische Variante scheinen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna in Laborversuchen genauso gut zu wirken.

    Weniger klar ist die Lage bei der südafrikanischen Variante. Ein Impfstoff des US-Unternehmens Novavax, der derzeit noch in Studien erforscht wird, war gegen diese Variante weniger wirksam als gegen die britische Variante. Südafrika, in dem diese Mutante besonders verbreitet ist, hat die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff vorerst gestoppt. Moderna erklärte, bei der südafrikanischen Variante sei die Menge der Antikörper zwar um das Sechsfache geringer; dies sei aber nach wie vor ausreichend, um Schutz vor dem Virus zu bieten.

    Wie weit verbreitet sind die Corona-Mutationen in Deutschland?

    Das wissen wir nicht genau, da die Dunkelziffer wahrscheinlich höher ist als die tatsächlich nachgewiesenen Mutanten. Derzeit scheint sich aber vor allem die britische Variante auszubreiten. Während vor wenigen Wochen laut ersten Ergebnissen hierzulande höchstens zwei Prozent der zirkulierenden Viren entsprechend mutiert sein sollten, stiegt der Anteil der britischen Mutante deutschlandweit innerhalb von zwei Wochen von sechs auf rund 22 Prozent an.

    Auch deshalb warnen Wissenschaftler wie auch manche Politiker vor zu schnellen Lockerungen. Denn die Mutanten könnten dann wie eine Art Brandbeschleuniger wirken, weil sie ansteckender sind. Auch in der Landeshauptstadt München ist die britische Mutante wohl inzwischen angekommen, nachgewiesen wurde sie bislang in allen Bundesländern Deutschlands.

    Neben der britischen Mutante wurden auch südafrikanische sowie die brasilianische Corona-Varianten bislang alle in Deutschland prinzipiell nachgewiesen. Auch andere Mutationen wurden gefunden. Um herauszufinden, wie weit verbreitet welche Mutante wirklich sind, müsste das Erbgut von sehr viel mehr Corona-Viren sequenziert, also entschlüsselt werden, als dies in Deutschland bislang der Fall ist. Derartige Tests sind wichtig, um ansteckendere Varianten aufzuspüren – denn dann gilt es, schnell zu reagieren. Labore in Deutschland sollen von nun an mindestens fünf Prozent der positiven Corona-Proben einem derartigen Test unterziehen. So lässt sich besser einschätzen, wie weit verbreitet die Mutanten sind.

    Wie schütze ich mich vor den Corona-Mutationen?

    Genauso wie vor dem üblichen Coronavirus. Allgemein ist es sicherlich sinnvoll, wenn so wenige Menschen wie möglich unterwegs sind. Deshalb raten Wissenschaftler auch zu Reiseeinschränkungen, damit sich die neuen Corona-Mutationen nicht noch weiterverbreiten. Denn je mehr sie sich verbreiten, desto höher ist auch das Risiko, dass noch weitere Mutationen entstehen.

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