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Covid-19-Infektion mit Spätfolgen

Von: Veronika Bräse/Yvonne Maier/BR Wissen

Stand: 20.07.2021

Die meisten Covid-19-Erkrankten überstehen die Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 ohne weitere Probleme. Laut WHO sind das rund 80 Prozent der Patienten. Doch bei etlichen Covid-19-Erkrankten oder Corona-Infizierten zeigen sich auch Monate nach der akuten Infektion noch Symptome - oder treten gar erst dann auf: Post- oder Long Covid-Symptome.

Was ist Post-Covid / Long Covid?

Folgen oder Symptome, die länger als vier Wochen nach der Erstinfektion mit dem Coronavirus Sars-COV-2 immer noch andauern oder auftreten, nennen sich Post-Covid- oder aus dem englischsprachigen Raum Long Covid-Erkrankungen.

In schweren Fällen können Lunge, Niere, Herz, Gehirn oder Nervenzellen nach einer Sars-CoV-2-Infektion für längere Zeit geschädigt sein. Eine große Anzahl berichtet auch über eine ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue, Malaise), die an das ME/CFS-Syndrom erinnert, und nach Infektionskrankheiten auftreten kann.

Wer bekommt Long Covid?

Es gibt drei Arten von Covid-19-Genesenen. Nur zwei entwickeln häufig ein Post-Covid-Syndrom. Die erste Gruppe von Patienten erholt sich ohne langfristige gesundheitliche Folgen. Die zweite Gruppe sind Patienten, die einen schweren Krankheitsverlauf hatten und intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Die dritte Gruppe von Patienten scheinen nach einem leichten bis mittelschweren Verlauf von Covid-19 genesen zu sein, bekommen nach einer Latenzzeit von ein bis vier Monaten aber plötzlich wieder Krankheitssymptome.

Nur die letzten beiden Gruppen erleiden oft Long Covid. Bei der dritten Gruppe werden die Gesundheitsprobleme oft chronisch. Um mehr über das Post-Covid-Syndrom zu erfahren, führen die Universitäten Würzburg, Kiel und Berlin derzeit eine großangelegte Bevölkerungsstudie zu Post-Covid durch, die COVIDOM-Studie.

Erschreckende Statistik zum Post-Covid Syndrom

In der Fachzeitschrift The Lancet wurde am 15. Juli 2021 die bisher größte internationale Studie zu Long Covid veröffentlicht. Insgesamt wurden in einer Online-Umfrage 3.762 Menschen im Zeitraum vom 6. September bis 25. November 2020 befragt. 1.020 Personen hatten ein bestätigtes Post-Covid-Syndrom, bei 2.742 bestand der Verdacht. Die Befragten stammten aus 56 Ländern und waren mehr als 28 Tage erkrankt. Das ist das Ergebnis der Online-Befragung:

  • Die häufigsten Post-Covid-Symptome bei den 2.454 Patienten, die mehr als sechs Monate krank waren, bestanden aus einer Kombination aus systemischen und neurologischen Störungen wie Fatigue (80 Prozent), Krankheitsgefühl nach körperlicher oder geistiger Tätigkeit (73,3 Prozent), kognitive Dysfunktionen (oft zusammengefasst unter Brain Fog, 58,4), sensomotorische Störungen (55,7 Prozent), Kopfschmerzen (53,6 Prozent) und Gedächtnisstörungen (51 Prozent).
  • Insgesamt zeigten die Patienten 203 Symptome in 10 Organsystemen.
  • 66 Symptome wurden über sieben Monate verfolgt.
  • Patienten, die sich in weniger als 90 Tagen erholten, hatte in der zweiten Woche die meisten Symptome (11,4). Patienten, die mehr als 90 Tagen brauchten, um sich zu erholen, hatte im zweiten Monat die meisten Symptome (17,2). Patienten, die mehr als sechs Monate Symptome hatten, zeigten im Schnitt 13,8 Symptome im siebten Monat.
  • Patienten, die bei einer Covid-19-Infektion mehr als fünf Krankheitssymptome hatten, hatten ein erhöhtes Risiko ein Post-Covid-Syndrom zu bekommen.
  • 2.454 (65,2 Prozent) von 3.762 Patienten litten mindestens sechs Monate unter Symptomen. Von den restlichen 1.308 Befragten erholten sich 233. Der Rest nahm an der Befragung teil, bevor Monat sechs der Erkrankung erreicht war.
  • Frauen waren mit 78,9 Prozent überdurchschnittlich oft betroffen. Die meisten waren zwischen 30 und 60 Jahre alt (33,7 Prozent).
  • Die meisten Befragten lebten in den USA.
  • Nur 27,3 Prozent der Befragten arbeitete nach der Post-Covid-Erkrankung genauso viel wie vorher. 45,2 Prozent mussten ihr Arbeitspensum reduzieren. 23,3 Prozent arbeiteten aufgrund der Erkrankung nicht mehr. Die Gründe waren vielfältig: Krankschreibung, Invalidität, Entlassung, Kündigung oder auf Jobsuche.

Post-Covid bei Kindern

Auch bei Kindern, die meist nur leicht erkranken, können Langzeitfolgen auftreten. Das Haunersche Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität und das Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen der Technischen Universität München bieten bayernweit die erste Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche an, die an Long Covid leiden.

Covid-19-Spätfolgen nach Aufenthalt auf Intensivstation

Auch wer mit einem schweren Verlauf von Covid-19 auf der Intensivstation war, kann langfristig unter den Folgen leiden. Das zeigt sich auch bei schweren Verläufen anderer Krankheiten. Untersuchungen vom Herbst 2020 gehen davon aus, dass mehr als zehn Prozent der Erkrankten betroffen sein könnten. Das Bundesgesundheitsministerium vermutet, dass "bei dem relativ hohen Anteil von intensivpflichtigen und beatmungsbedürftigen Patienten auch mit Spätfolgen im Sinne von langen Rehabilitationszeiten und möglicherweise bleibenden Beeinträchtigungen zu rechnen ist".

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