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Sechs Monate Corona: Was wir bis jetzt wirklich wissen | BR24

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Coronavirus FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Sechs Monate Corona: Was wir bis jetzt wirklich wissen

Wie gefährlich ist das Coronavirus? Was schützt vor einer Ansteckung? Wie lässt sich die Ausbreitung eindämmen? Welche Symptome zeigen sich bei einer Covid-19-Erkrankung? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

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Ein halbes Jahr Coronavirus – ein halbes Jahr mit immer neuen, zum Teil beängstigenden, zum Teil skurrilen Untersuchungen und Studien zu dem Virus SARS-CoV-2 und der daraus resultierenden Erkrankung Covid-19. Wenige Ergebnisse halten bis dato einer wissenschaftlichen Überprüfung wirklich stand. Dennoch lohnt es sich, einmal zurückzublicken und festzuhalten, wie derzeit der Stand der Forschung ist.

Woher stammt das Coronavirus SARS-CoV-2?

Das Virus wurde vom Tier auf den Menschen übertragen. Das bedeutet Covid-19 ist eine Zoonose. Als Ausgangspunkt gilt ein Markt in der Stadt Wuhan in China, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden.

Wie wird das Coronavirus übertragen?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 wird von Mensch zu Mensch übertragen. Dies geschieht meist durch Tröpfcheninfektion insbesondere beim Husten oder Niesen. Die Viren können über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und der Bindehaut der Augen ins Innere des Körpers gelangen. Das kann beispielsweise geschehen, wenn man angehustet wird und sich danach ins Gesicht und an Nase oder Mund fasst.

Übertragungsweg Aerosole

Eine weitere Infektionsquelle sind Aerosole. Aerosole entstehen beim Atmen und Sprechen - und besonders beim Singen und Schreien. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Infektion durch Aerosole auch über eine Distanz von mehr als zwei Metern besteht laut Robert Koch-Institut (RKI) "in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen (...) insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt und exponierte Personen besonders tief einatmen." Effektives Lüften reduziert die Aerosolkonzentration und damit das Infektionsrisiko. Sehr gering ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Freien, wenn man den Mindestabstand einhält.

Ein Sonderfall sind sogenannte Superspreader. Das sind Infizierte, die unbemerkt ganz viele andere Menschen anstecken. Gerade bei Sars-CoV-2 ist das gut möglich, da ein Infizierter schon vor dem ersten Auftreten von Symptomen andere anstecken und die Viren verteilen kann. Leider kann man nicht feststellen, wer zum Superspreader werden könnte, wenn derjenige selbst nicht mal merkt, dass er gerade hochgradig ansteckend ist. Aber - und das ist die gute Nachricht - man kann diese Superspreading-Events in geschlossenen Räumen vermeiden, in denen sich das Virus besonders gut verbreiten könnte. Im Zweifel hilft ein Mund-Nasen-Schutz.

Wie ansteckend sind Kinder denn nun?

Und dann ist da noch das heiß diskutierte Thema "Kinder und Corona", gewissermaßen auch ein Sonderfall. Es gibt inzwischen mehrere Studien, die sich mit der These beschäftigen, ob Kinder sich genauso häufig mit dem Coronavirus infizieren, aber nicht so schwer erkranken wie Erwachsene. Oder ob sie einfach weniger getestet werden. Eine eindeutige Antwort gibt es dazu immer noch nicht. Damit Schulen und Kitas wieder geöffnet werden können, wollen die sechs Universitätskliniken in Bayern sechs Monate lang stichprobenartig Kinder, Lehrer und Erzieher auf eine akute Corona-Infektion testen. "Covid Kids Bavaria" heißt die Studie, die die Ansteckungsgefahr von Kindern untersuchen soll. Mit ersten Ergebnissen wird Ende März 2021 gerechnet.

Wie lange halten sich die Viren auf Oberflächen?

Eine Infektion durch Viren, die sich auf einer Oberfläche befinden, ist bisher nicht nachgewiesen, aber wahrscheinlich möglich. In der unmittelbaren Umgebung von SARS-CoV-2-Infizierten wurden Viren nachgewiesen, die sich vermehren konnten. In Laborexperimenten konnten sich infektiöse Viren stunden- oder tagelang auf Kunststoff und Edelstahl halten. Allerdings fiel ihre Zahl im Laufe der Zeit deutlich ab. Der Nachweis einiger lebensfähiger Viren auf einer Oberfläche im Labor bedeutet zudem nicht, dass es in der Realität zu einer Infektion kommt. Ähnliches gilt für die Infektionsgefahr über Körperausscheidungen. Bei Untersuchungen wurden vermehrungsfähige Viren im Stuhl von Infizierten nachgewiesen, allerdings selten.

Wie ansteckend ist das Coronavirus?

Ein SARS-CoV-2-Infizierter steckt ungefähr drei weitere Personen an, wenn keinerlei Maßnahmen unternommen werden, um die Ausbreitung zu bremsen. Diesen Wert hält die Basisreproduktionszahl R0 fest, die bei SARS-CoV-2 bei etwa 3 liegt. Das Coronavirus ist damit ansteckender als Influenza-Viren, aber deutlich weniger als Masern-Viren.

Was schützt vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus?

Längere Zeit war die Wirkung eines Mund-Nasen-Schutzes umstritten. Selbst die WHO hat zu Beginn der Pandemie gezögert, eine uneingeschränkte Empfehlung für eine Alltagsmaske auszusprechen. Mittlerweile gehört sie zu der von der Bundesregierung dringend empfohlenen AHA-Regel: Abstand, Hygiene, Atemmaske. Darüber hinaus gibt es Verhaltensweisen, die die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus, aber auch mit den Erregern von Erkältungen oder Grippe verringern:

  • Halten Sie Abstand zu Menschen, die nicht im selben Haushalt leben wie Sie selbst. Schütteln Sie niemandem die Hand.
  • Meiden Sie Menschenansammlungen.
  • Lüften Sie häufig daheim und am Arbeitsplatz.
  • Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände.
  • Fassen Sie sich nicht ins Gesicht.
  • Niesen und husten Sie in die Armbeuge und nicht in die Hand.
  • Benutzen Sie Einmaltaschentücher und entsorgen Sie diese nach unmittelbar nach Gebrauch in einem Mülleimer mit Deckel.

Wie lange ist die Inkubationszeit bei SARS-CoV-2?

Zwischen der Ansteckung mit dem Coronavirus bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen durchschnittlich 5 bis 6 Tage. Die Inkubationszeit beträgt erfahrungsgemäß längstens 14 Tage. Infizierte müssen sich daher für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Erst dann sind sie nicht mehr ansteckend. Das können sie übrigens schon einige Tage vor den ersten Krankheitszeichen sein, das ist das Tückische an dem Virus.

Was sind die Symptome von Covid-19?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die Krankheit Covid-19. Der Verlauf kann je nach Patient sehr unterschiedlich sein: Manche haben keinerlei Symptome, andere bekommen dagegen eine schwere Lungenentzündung, die tödlich enden kann. In den meisten Fällen nimmt jedoch die Krankheit einen milden bis moderaten Verlauf. Häufige Symptome sind Husten und Fieber, außerdem Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen. Viele Patienten berichten auch von Störungen des Geschmacks- und des Geruchssinns. Weitere Symptome von Covid-19 sind Schnupfen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie und starke Schläfrigkeit.

Risikogruppen - Wer ist durch das Coronavirus gefährdet?

Covid-19 kann auch bei Menschen einen schweren Verlauf nehmen, die jung und ohne Vorerkrankungen sind. Die Gefahr für Komplikationen steigt allerdings mit dem Alter ab etwa 50 bis 60 Jahren. Weitere Risikofaktoren sind starkes Übergewicht, chronische Vorerkrankungen von Lunge, Leber, Niere, Herz und Kreislauf, Diabetes mellitus und Krebs sowie ein geschwächtes Immunsystem. Auch die Blutgruppe könnte Einfluss haben.

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PCR-Tests, Antikörpertests, Schnelltests. Viele Arten von Tests sind in Umlauf, mit denen eine akute Infektion mit Covid-10 beziehungsweise eine überstandene Infektion festgestellt werden kann.

Krankheitsverlauf: Wo greift SARS-CoV-2 den Körper an?

Anfangs war bei Covid-19 von einer Lungenkrankheit die Rede. Mittlerweile ist klar: Das SARS-CoV-2-Virus greift im Körper an unterschiedlichen Stellen an: Es kann die Blutgefäße angreifen, zu Entzündungen führen und im schlimmsten Fall Thrombosen verursachen. Diese führen zu Lungenembolien, Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Auch Herzmuskelentzündungen oder Herzrhythmusstörungen wurden beobachtet. Die Nieren können in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch Störungen des Nervensystems sind möglich, diese können zum Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns bis hin zu Schäden am Gehirn führen. Man spricht von einem Multi-Organ-Versagen, das häufig eine tödliche Sepsis verursacht.

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Nicht jeder, der sich mit dem Coronavirus infiziert, zeigt Symptome. Doch in manchen Fällen geht Covid-19 auch weit über eine Atemwegserkrankung hinaus. Das Virus richtet in einigen Fällen gravierende Schäden im Körper an.

In jüngster Zeit wurde auch immer häufiger über Langzeitfolgen der Krankheit bei Personen berichtet, die eigentlich einen leichten Krankheitsverlauf hatten, aber sich noch Monate später krank fühlen.

Behandlung: Gibt es eine Impfung oder Medikamente?

Gegen Covid-19 gibt es bisher weder Medikamente noch Impfungen. Daher werden Medikamente, die eigentlich gegen andere Krankheiten wirken sollen, gegen Covid-19 eingesetzt und ihre Wirkung in klinischen Studien untersucht. Auch an Impfstoffen wird geforscht. Es wird aber voraussichtlich viele Monate dauern, bis ein wirksamer Impfstoff entwickelt, getestet und schließlich für die Allgemeinheit verfügbar ist.

© BR/Gut zu wissen

Das Immunsystem bildet nach dem Impfen passende Antikörper und bekämpft damit den Erreger. Die Gedächtniszellen merken sich den Erreger.

Gibt es eine Immunität gegen SARS-CoV-2?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 verbreitet sich erst seit wenigen Monaten unter den Menschen. Daher kann man noch nicht sagen, ob man nach überstandener Krankheit eine Immunität erwirbt und wie lange diese anhält. Virologen gehen davon aus, dass es eine solche Immunität geben wird und dass diese eine Zeitlang anhält. Danach ist es vielleicht möglich, sich erneut mit dem Coronavirus zu infizieren.

Was aber Hoffnung macht: Nicht nur Antikörper bekämpfen krankmachende Erreger. Auch eine andere Gruppe von weißen Blutzellen, die T-Lymphozyten oder kurz T-Zellen genannt, erkennt körperfremde Stoffe und setzt sich zur Wehr. Vielleicht tragen die T-Zellen dazu bei, dass genesene Patienten auch gesund bleiben. Zumindest liegen derzeit weltweit keine gesicherten Daten vor, dass es bereits Neuansteckungen nach durchgemachter Covid-19-Erkrankung gegeben hätte.

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Kann ich mich zwei Mal mit dem Coronavirus infizieren? Oder bin ich nach einer Infektion immun?

Kommt eine zweite Welle?

Einen festen Schwellenwert für die Definition einer zweiten Welle gibt es nicht. Sollten die Zahlen deutschlandweit oder auch in Bayern im Herbst deutlich steigen, wenn die Ferien zu Ende sind und die Urlauber nach Hause zurückkehren, stellt sich die Frage nach dem Beginn einer zweiten Welle. Denn das SARS-CoV-2-Virus scheint sich, ähnlich wie das Grippevirus, in der kälteren Herbstluft wohl zu fühlen und zu steigenden Infektionszahlen zu führen. Es wäre wohl eine Mischung aus steigenden Fallzahlen und einer Überforderung des öffentlichen Gesundheitswesens, die Wissenschaftler und Politiker von einer zweiten Welle sprechen und daraus Konsequenzen ziehen lassen würden.

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