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Es begann mit der Fußball-EM und geht mit der Reise-Zeit weiter: Das RKI beobachtet, dass sich deutsche Reisende vermehrt im Ausland infizieren.

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Coronavirus: Das wissen wir über die Delta-Variante

Innerhalb von zehn Wochen hat die Corona-Mutante Delta die Variante Alpha in Deutschland überholt. B.1.617.2 ist noch ansteckender und gehört auch zu den besorgniserregenden Coronavirus-Varianten (VOC). Die Entwicklung in Deutschland und Europa.

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Von
  • Tanja Fieber

Die Variante Delta (B.1.617.2) ist in Deutschland derzeit die am weitesten verbreitete Virus-Variante. Innerhalb von zehn Wochen hat Delta der Variante Alpha den Rang abgelaufen (Stand KW28). Beide gehören zu den besorgniserregenden Virus-Varianten (VOC). B.1.617.2 ist noch ansteckender und leichter übertragbar als die Variante Alpha (B.1.1.7.). Zudem wirkt die Impfung - je nach Impfstoff und Anzahl an Impfungen - schlechter gegen die Delta-Variante.

Corona-Variante Delta ist deutlich ansteckender

Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schätzt die Delta-Variante als viel ansteckender als alle anderen bisher bekannten Versionen des Virus. Zudem überwindet sie eher den Schutz der Impfstoffe und kann schwerere Krankheiten verursachen. Das geht aus einer internen Dokument hervor, berichtet die New York Times. Die Delta-Variante ist danach so ansteckend wie Windpocken und damit leichter übertragbar als die Viren, die MERS, SARS, Ebola, Erkältungen, die saisonale Grippe und die Pocken verursachen.

Menschen, die sich trotz Impfung mit der Delta-Variante infiziert haben, können das Virus möglicherweise genauso leicht übertragen wie Ungeimpfte. Die Viruslast von Geimpften ist bei der Delta-Variante ähnlich hoch wie bei denen, die nicht geimpft und mit der Variante infiziert sind. Aus diesem Grund empfiehlt die CDC wieder das Tragen von Masken. Auch vollständig Geimpfte sollen in einigen Teilen des Landes, in denen sich das Virus besonders stark ausbreitet, in öffentlichen Räumen wieder Mund und Nase bedecken. US-Bundesangestellte, die nicht geimpft sind, müssen künftig Masken tragen, Abstände einhalten und sich regelmäßigen Tests unterziehen. Die Erkenntnisse der Behörde stellen dabei allerdings nicht die Wirksamkeit der Impfstoffe in Frage: Diese schützten auch bei Delta weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit vor schweren Verläufen oder dem Tod.

Die Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) hatte bereits das Risiko, Angehörige des eigenen Haushalts zu infizieren, bei der Delta-Variante um etwa 60 Prozent höher eingeschätzt. Zusätzlich vermehren sich die Viren im Körper stärker - das heißt, dass die Viruslast höher ist. Beim ersten positiven Test war die Viruslast bei Delta 1.200-mal höher als bei Corona-Varianten, die nicht als besorgniserregend gelten, schreibt die Weltgesundheitsorganisation im Weekly Epidemiological Update vom 20. Juli 2021.

Sowohl bei der Delta- als auch der Alpha-Variante ist das Risiko zudem erhöht, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. In den Kalenderwochen 25 bis 28 stellte das RKI keinen Unterschied beim Anteil der Hospitalisierungen zwischen beiden Varianten fest. Bisher galt bei Delta, dass auch die Rate der schweren Verläufe leicht erhöht ist.

Ist die Delta-Variante tödlicher?

Bisher gibt es wenig wissenschaftliche Daten darüber, ob die Delta-Variante auch mehr Todesfälle hervorruft als andere Varianten. Fest steht aber: In Großbritannien sind laut der PHE bereits gegen Covid-19 geimpfte Menschen an einer Infektion mit der Delta-Variante verstorben.

Im Zeitraum 1. Februar 2021 bis 14. Juni 2021 starben zehn Menschen an einer Delta-Infektion 21 Tage nach der ersten Impfdosis, und 26 weitere mehr als zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis. Allerdings ist bei diesen Todesfällen nichts über Alter, Vorerkrankungen oder welcher Impfstoff verwendet wurde, bekannt. (Stand: Public Health England Technical briefing 16 vom 18. Juni 2021).

Covid-19 nach Impfung - "Impfdurchbrüche" werden erforscht

Erkrankt eine vollständig geimpfte Person (zwei Dosen Moderna-, Biontech- oder Astrazeneca-Vakzine oder eine Dosis Janssen-Vakzin) mindestens zwei Wochen nach der Impfung an Covid-19 und hat klinische Symptome, spricht man laut RKI von "Impfdurchbruch". Derzeit wird das Phänomen untersucht.

Corona-Variante Delta - so schützt die Impfung

Mit nur einer Impfdosis mit Comirnaty (Biontech) ist man laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) minimal bis mäßig weniger gut gegen die Delta-Variante geschützt. Bei nur einer Impfung mit Vaxzevria (Astrazeneca) ist das Risiko laut WHO hingegen beträchtlich erhöht, sich noch einmal anzustecken (Reinfektion). Dabei werden offensichtlich weniger neutralisierende Antikörper gebildet als bei zwei Impfungen mit Vaxzevria oder ein bis zwei Impfungen mit Comirnaty (Biontech).

Das ist ein Grund, warum sich die Variante Delta so schnell in England ausbreiten konnte, denn der Impfstoff von Astrazeneca wurde dort in mehr Altersgruppen und insgesamt weitaus häufiger als in Deutschland verimpft. Ein anderer Grund ist, dass in England zwar mehr Menschen geimpft sind als in Deutschland, aber offensichtlich auch noch nicht genug oder zu wenige haben die zweite Impfdosis erhalten. Mit Delta infizierten sich 80 Prozent der Ungeimpften und 20 Prozent der überwiegend einmal Geimpften, sagt Professor Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg.

Corona-Variante Delta in Deutschland

In Deutschland herrscht die Variante Delta inzwischen vor (RKI KW28: 87,7 Prozent), gefolgt von den Varianten Alpha (8 Prozent), Gamma (1,5 Prozent) und Beta (0,2 Prozent). Derzeit steigt die Inzidenz vor allem in den Altersgruppen der 15- bis 34-Jährigen, gibt das RKI an. Das durchschnittliche Alter der mit Covid-19-Infizierten sinkt ab: Lag laut RKI der Altersmedian aller Fälle pro Meldewoche seit Jahresbeginn MW 03/2021 bei 49 Jahren, sank er in MW 28/2021 auf 27 Jahre ab. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei den Hospitalisierungen: Zu Jahresbeginn waren die hospitalisierten Fälle im Median 77 Jahre alt, in MW 28/2021 im Median 47 Jahre.

Delta-Variante weltweit - EM und Reise-Zeit macht sich bei Infektionen bemerkbar

Das RKI gibt an, dass im Zeitraum MW 25-28/2021 bei 2.402 Personen (bei ca. 10 Prozent aller übermittelten Fälle) eine wahrscheinliche Exposition im Ausland gemeldet wurde. Das zeigte sich zuvor schon im Zuge der Fußball-EM und geht nun in der Reise-Zeit weiter. Die meisten Deutschen steckten sich laut RKI im Ausland in Spanien mit SARS-CoV-2 an, gefolgt von der Russischen Föderation und den Niederlanden. In allen drei Regionen ist die Delta-Variante stark vertreten, in Spanien zudem die Beta-Variante und in Russland gibt es einzelne Gamma-Herde.

Ab dem 27. Juli 2021 gelten Spanien und die Niederlande aufgrund hochschnellender Inzidenzen für Deutschland als Hochinzidenzgebiete. Die Delta Variante ist nach Angaben der WHO mit Stand 20. Juli 2021 in 124 Ländern gemeldet, davon 13 neuen seit vergangener Woche. Damit ist sie die dritthäufigste Corona-Mutante weltweit nach Alpha und Beta, allerdings mit der höchsten Wachstumsrate.

Steckbrief Corona-Variante Delta

  • Entdeckt: Im Oktober 2020 im indischen Bundesstaat Maharashtra
  • In Deutschland: seit 18. März 2021
  • Besorgniserregende Variante (VOC) seit: 11. Mai 2021
  • Symptome: Die Symptome scheinen zumindest bei jüngeren Menschen einer Erkältung ähnlicher zu sein. Tim Spector vom King's College London hat Daten der Corona-App ausgewertet. Neben Fieber werden nun vorrangig Kopfschmerzen, Schnupfen und eine trockene Kehle als Symptome genannt.

Corona-Variante Delta - Infektionswelle im Herbst?

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wies Anfang Juli in der Sendung "rbb Spezial" des Weiteren darauf hin, dass eine Studie der Oxford-Universität zeigt, dass die Saisonalität der Delta-Variante deutlich ausgeprägter ist als ursprünglich angenommen. Im Sommer ist das Risiko, sich damit anzustecken, deutlich geringer als in der kalten Jahreszeit.

Noch eine Besonderheit von Delta ist, dass in England von den infizierten Kindern ein Prozent so schwer erkrankten, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. "Das ist keine Kleinigkeit", sagt Karl Lauterbach und plädiert dafür, auch Kindern ein Impfangebot zu machen. Welche Rolle die Mutante Delta bei Kindern und Jugendlichen spielt, können Sie hier nachlesen.

Delta-Variante - AHA-L-Regeln weiterhin einhalten!

Generell gilt: Aufgrund der noch niedrigen Impfrate in Deutschland und der besorgniserregenden Corona-Varianten (VOC), vor allem Delta und Alpha, empfiehlt das RKI weiterhin, die Schutzmaßnahmen einzuhalten, das heißt eine Maske zu tragen und die AHA-L-Regeln zu befolgen. Das gilt besonders in Innenräumen. Kanzleramtschef Helge Braun sagt, dass es von der erreichten Impfquote abhängen wird, ob Delta oder eine andere Variante im Herbst zu einer größeren Ansteckungswelle führen werden.

Corona-Varianten - internationales Monitoring gefordert

Die Corona-Pandemie ist ein globales Problem, das internationale Strukturen erfordert, sagt Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses an der Universität Genf. Problematisch sind Regionen, die nur begrenzt Zugang zu Impfstoffen haben und die noch lange auf eine Durchimpfung der Bevölkerung warten müssen. Dort kann SARS-CoV-2 weitgehend unkontrolliert zirkulieren. Das Risiko, dass sich dadurch neue Corona-Varianten bilden, ist groß. Deshalb sind diese Regionen Risikogebiete, die überwacht werden sollten. Laut Eckerle müssten in die Überwachung auch bestimmte Nutz- und Wildtierpopulationen eingeschlossen werden.

Vorbild für ein globales Monitoring könnte das Influenza-Überwachungssystem für die jährlichen Grippewellen sein. Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel: "Hier besteht seit Jahren ein globales Netzwerk, das Influenzaviren sammelt und Inzidenzen misst." Alle sechs Monate gebe es eine Empfehlung für die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffs. Auch bei Covid-19 werde vermutlich eine regelmäßige Aktualisierung der Impfstoffe nötig sein, erklärt Neher.

© Bayerischer Rundfunk / radioWelt
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Der Münchner Virologe Oliver Keppler hat kein Verständnis für die Entscheidung, bei der Fußball-EM mehr als 60.000 Zuschauer ins Londoner Wembley-Stadion zu lassen. Massenveranstaltungen, bei denen viele Menschen zusammenkämen, bergen große Risiken.

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