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So infiziert das neue Coronavirus den Menschen | BR24

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Audio: Das Corona-Virus ist in Europa angekommen. Derzeit breitet es sich rapide in Italien aus. Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Bonn ordnet die Maßnahmen ein und erklärt, was über SARS-Cov-2 bekannt ist.

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So infiziert das neue Coronavirus den Menschen

Forscher der University of Texas in Austin sind dem neuen Coronavirus auf die Schliche gekommen. Mit einer speziellen Form der Elektronenmikroskopie konnten sie in das Virus hineinsehen und Tatwaffe, Tatort und Tathergang der Infektion zeigen.

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Unter Hochdruck suchen Forscher weltweit eine Waffe gegen das neue Coronavirus. Dazu nehmen sie das Virus ganz genau unter die Lupe. In der Virushülle von SARS-CoV-2 haben nun Forscher der University of Texas in Austin ein Protein identifiziert und erstmals sichtbar gemacht, das dafür verantwortlich ist, dass sich das Virus mit menschlichen Zellen verbinden und in sie eindringen kann.

Blick in Coronavirus dank Elektronenmikroskopie und eisigen Temperaturen

Um dieses "Andockprotein" des neuen Coronavirus sichtbar zu machen, nutzten die US-amerikanischen Forscher die Kryoelektronenmikroskopie (Cryo-EM). Diese spezielle Form der Elektronenmikroskopie arbeitet mit Temperaturen unter -150 Grad und macht Biomoleküle dreidimensional sichtbar. Die Forscher konnten so ein 3-D-Modell des "Andockproteins" des neuen Coronavirus' im atomaren Maßstab anfertigen.

Wann kommt ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus?

Da die Struktur des neuen Coronavirus nun bekannt ist, gehen die Forscher davon aus, dass schnell Gegenmittel (Medikamente, Impfstoff) entwickelt werden können. Diese auf Wirksamkeit und Sicherheit zu testen, nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch. An welchen Medikamenten und Impfstoffen Forscher derzeit arbeiten.

Coronavirus-Protein wandelt seine Form

Durch Cryo-EM und Experimente fanden die Forscher heraus, dass das "Andockprotein" des neuen Coronavirus' in zwei Formen vorkommt: Vor der Infektion menschlicher Zellen sieht es anders aus als beim Infektionsvorgang. Das "Andockprotein" wechselt von einer Form in die andere, indem es seine Struktur stark verändert. Je nach Form ist es inaktiv oder aktiv, chemisch stabil oder instabil. Das ist wichtig für die Entwicklung eines Gegenmittels.

Dieses Protein in der Virushülle des neuen Coronavirus schreitet zur Tat und infiziert menschliche Zellen

© Jason McLellan/Univ. of Texas at Austin

Dieses Protein in der Virushülle des neuen Coronavirus schreitet zur Tat und infiziert menschliche Zellen (Kryoelektronenmikroskopie).

Verwandt mit SARS- und MERS-Virus, aber ansteckender

SARS-CoV-2, das vormals die Bezeichnung 2019-nCoV hatte, ist mit den Coronaviren verwandt, die SARS- und MERS-Virusinfektionen auslösen. Allerdings ist das neue Coronavirus besser an den Menschen angepasst und dadurch rund 10 bis 20-mal ansteckender. Es ist möglich, dass sich das Virus deswegen auch schneller von Mensch zu Mensch überträgt als seine Verwandten. Die Forscher fanden bei Experimenten auch Hinweise, dass Mittel gegen SARS und MERS dem neuen Coronavirus nichts anhaben können.

Starke Übereinstimmungen mit einem Fledermaus-Coronavirus

Ein weiteres Untersuchungsergebnis der US-Forscher: Das neue Coronavirus hat 98 Prozent Übereinstimmung mit einem Coronavirus, das Fledermäuse befällt (Coronavirus-Typ RaTG13). Das unterstützt die These, dass SARS-CoV-2 durch Fledermäuse übertragen wurde. Wahrscheinlich erfolgte die Ansteckung nicht direkt, sondern über Zwischenwirte. Möglicherweise zum Beispiel über das Schuppentier und dessen Verzehr. Die Studie über das "Andockprotein" des Coronavirus wurde am 19. Februar 2020 im Fachmagazin "Science" veröffentlicht.

Virenexperte Osterhaus: "China hat effektiver reagiert"

Virenexperte Professor Albert Osterhaus, Mitentdecker der SARS- und MERS-Coronaviren, sagte in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass China aus der SARS-Epidemie vor 18 Jahren gelernt und viel effektiver reagiert habe.

"Ob das jetzt ethisch oder moralisch alles richtig ist, darüber kann ich mir kein Urteil erlauben. Aber sie haben das Problem auf jeden Fall dieses Mal ernst genommen und nicht wie bei SARS zu lange ignoriert." Albert Osterhaus, Virenexperte

Allerdings könne man Quarantäne-Maßnahmen wie in China nicht in Deutschland oder den Niederlanden umsetzen. Man könne Berlin oder Hannover nicht einfach abriegeln. Osterhaus weist darauf hin, dass es deshalb umso wichtiger sei, sich vorzubereiten und weiter an Medikamenten und Impfstoffen zu arbeiten.