Howard Arman und seine Corona-Komposition "Der Bildhauer" Melodram mit Mundschutz

Der Komponist Howard Arman und der BR-Chor blicken zurück auf die großen Pestepidemien. Hygienekonzepte der venezianischen Gesundheitsämter im 17. Jahrhundert etwa sahen wie heute "Quarantenen" vor – die Erkrankten wurden also 40 Tage isoliert. Die Online-Uraufführung des Auftragswerks für den BR Chor.

Stand: 30.10.2020

Howard Arman neuer künstlerischer Leiter des BR-Chores | Bild: BR

In der Diskussion um Auftrittsverbote wegen Ansteckungsgefahren und im Ringen nach Möglichkeiten einer sängerisch-künstlerischen Entfaltung unter Pandemiebedingungen hat der Chor des BR das Experiment gestartet, Kompositionsaufträge zu vergeben, die sich künstlerisch mit dem Singen mit Mundschutz und Aufstellung in großen Abständen auseinandersetzen. Nach der digitalen Uraufführung von Rupert Hubers Werk U+1F637 (= Zahlencode für Emoji mit Mundschutz) folgt nun das zweite Auftragswerk: "Der Bildhauer" - ein Melodram für Sprecher/Schauspieler, drei Sängerinnen mit Mund-Nasenschutz und Klavier, komponiert und getextet von Howard Arman. 

Parallelen zur Gegenwart

In dem Melodram mit halbszenischen Elementen blickt Howard Arman zurück auf die europäische Geschichte und findet bilderreiche Texte aus Zeiten der großen Pestepidemien, in denen es um Hilflosigkeit, Stigmatisierung und Aberglaube geht. Zitate aus dem Italien des 17. Jahrhunderts weisen verblüffende Parallelen zur Gegenwart auf: Hygienekonzepte der damaligen Gesundheitsämter im fortschrittlichen Venedig sahen wie heute "Quarantenen" vor – man wurde also 40 Tage isoliert. Die Sprecherpartie des jungen Mediziners, der auf einen von Krankheit gezeichneten Bildhauer trifft, wird auch von Chormitgliedern ausdrucksstark gestaltet.

Besetzung:

Leitung, Komposition und Text: Howard Arman  
Schauspieler/ Sprecher: Michael Mantaj (Hauptrolle)  
Sängerinnen: Barbara Fleckenstein, Ruth Volpert, Mareike Braun
Klavier: Max Hanft