Theater Regensburg Funktioniert Demokratie im virtuellen Raum?

Ist während der Pandemie der virtuelle Raum der bessere Ort für eine demokratische Meinungsfindung? Das Theater Regensburg setzt sich im hochaktuellen Mitmach-Recherche-Projekt "Auftritt Demokratie" mit dieser Frage auseinander.

Stand: 04.07.2020

Aufnahme von den Proben zum Stück "Auftritt DEMOKRATIE" des Theaters Regensburg | Bild: Theater Regensburg

Eigentlich war der Abend mit dem Titel „Auftritt Demokratie“ des Theaters Regensburg wegen Corona schon abgesagt, erzählt Michael Lindner, Mitverantwortlicher des Projektes und Ausstattungsleiter in Regensburg. Doch eine Aufführung über die aktuelle Lage der Demokratie war dann eben doch zu brisant – gerade wegen Corona, um zu entfallen. Deshalb hat sich das Team um Regisseurin Mia Constantine eine neue, digitale, äußerst vielschichtige Form für das Rechercheprojekt ausgedacht. Im „Demokratiewürfel“ im Netz kann jeder User mit Texten und Bildern seine Gedanken zum Thema posten. Aber weil Demokratie – genau wie Theater – nun mal nicht ohne Begegnung und den zeitgleichen Austausch zwischen Menschen funktioniert, gibt es noch mehr: Live-Aufführungen im Netz. "Deswegen haben wir auch nicht einfach eine Aufzeichnung gemacht und das ins Netz gestellt, sondern uns war sehr wichtig, dass wir alle gemeinsam zum gleichen Zeitpunkt an dieser Vorstellung arbeiten. Aus ganz unterschiedlichen Orten, jeder bei sich zu Hause, was nochmal total verrückt ist, aber eben eine Gleichzeitigkeit und am gleichen virtuellen Ort", erzählt Michael Lindner

Es beginnt mit dem Flug auf eine Insel. Fünf Schauspieler*innen stellen sich in verschieden Rollen vor, werben als Reisebegleiter um die Gunst des Zusehenden, wollen für ihre politischen Überzeugungen gewählt werden. Frau D. meldet sich auch hier zu Wort. Historische Exkurse über den Ursprung der demokratischen Idee und ihre Weiterentwicklung folgen, visuelle Tricks und Songs begleiten Diskussionen über Immunitätsausweise, die Corona App oder Verschwörungstheorien. Ein medial fulminanter Ritt durch eine komplexe soziale Gemengelage ist „Auftritt Demokratie“. Eine Mischung aus Computerspiel, Heldenreise und Reflexionsraum, in dem Feedback, ganz wie im Theater, nicht fehlen darf. Michael Lindner: Wir haben während der Vorstellung wie so kleine Werbepausen, wo wir Texte aus dem Würfel vorlesen. Das wäre eine Feedbackschleife, die direkt in der Vorstellung geschieht. Was wir auch machen//, dass wir diesen Würfel als Spielstätte nutzen und unsererseits eben Beiträge rauf laden, mit denen dann Zuschauer oder andere Künstler oder andere Theater dann umgehen können und dann ihrerseits die Ergeb-nisse wieder hochladen.

Dabei stellt sich das Produktionsteam von "Auftritt DEMOKRATIE!" die Frage: Wie kann dieser virtuelle und somit ebenfalls ein hochkomplexer, von Manipulation geplagter Raum überhaupt zu einem Ort der Demokratie werden? Und wie könnten die Theaterschaffenden die Demokratie in ihrem Wesen ausreichend differenziert abbilden?

Der vorerst letzte Termin ist der 11. Juli, ab 19:30 Uhr und mit einem Nachgespräch auf Zoom.

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„Auftritt DEMOKRATIE!“ Kollektives Recherche-Projekt im virtuellen Raum | Bild: TheaterRegensburg (via YouTube)

„Auftritt DEMOKRATIE!“ Kollektives Recherche-Projekt im virtuellen Raum