The Notwist "Vertigo Days" Die schweigsamen Indie-Stars

Nach sieben Jahren endlich eine neue Platte: "Vertigo Days". The Notwist finden, dass es auch einen Grund geben muss, warum eine Band ins Studio geht. Micha und Markus Acher haben Capriccio erklärt, was neu an diesem Album ist.

Von: Andreas Ammer

Stand: 29.01.2021 | Archiv

The Notwist beim Berliner Festival Pop-Kultur 2020 | Bild: Camille Blake

Die aus Weilheim stammende Band The Notwist ist die schweigsamste unter den deutschen Indie-Größen. 7 Jahre brauchen The Notwist im Schnitt für ein Werk … jetzt ist ein schwindelerregend Neues erschienen: "Vertigo Days". Eine Notwendigkeit, erklärt einer der Bandgründer Markus Acher: "Wir wollen ja nicht eine Platte machen, bloß weil man eine Platte machen muss, sondern es muss dafür auch eine Berechtigung geben."

The Notwist ist immer schon mehr als eine Band. Es ist das künstlerische Gravitationszentrum einer ganzen Szene, die jetzt auch über Europa hinaus gewachsen ist. "Das war diesmal der Grundgedanke, dass wir ganz viel Kolaborationen machen", erklärt Micha Acher ihre Herangehensweise, "und man die Zusammenarbeit mit ganz vielen Leuten auch mal auf einer Platte festhält."

So melancholisch, freundlich sich The Notwist geben, so konsequent sind sie. Eine Legende ist ihre freche Weigerung, für einen sechsstelligen Betrag Werbung für einen Telefonkonzern zu machen. Große Kunst verkauft sich nicht einfach so. So arbeitet man jahrein, jahraus, bis plötzlich aus dem Nichts etwas Wichtiges entstanden ist. "Wir haben 2015 schon angefangen und waren mit der ganzen Band im Studio", erinnert sich Micha Acher. "Man fängt an und hat eine Idee, merkt dann aber, dass die Idee nicht so aufregend ist. Irgendwann entsteht daraus dann eine echte Idee, ein roter Faden."

Musik als soziales Ereignis

Die rettende Idee lag für Notwist auf der Straße. Seit 2016 veranstalten die Gebrüder Acher in den Münchner Kammerspielen jährlich die "Alien Disko". Eine Festivalreihe, zu der sie befreundete Musiker aus allen Erdteilen einladen. Man spielt im Theatersaal, aber auch auf Münchens Straßen – und nächtens in der Kantine feiern alle ein Fest. Musik als soziales Ereignis.

All die beglückenden Kollaborationen mit japanischen, süd- und nordamerikanischen Musikerfreunden, finden sich nur auf der Platte. Man mailte sich Dateien um den Globus und zusammen ergeben sie einen vielsprachig musikalischen Bewusstseinsstrom, der dem Jetzt immer einen Takt voraus ist. "Dass das, was um einen rum passsiert unmittelbar in die Platte einfließt, hatten wir noch nie", sagt Markus Acher. "Trotzdem ist das keine Corona-Platte. Hoffe ich!"

Hier, hoffentlich als Vorgeschmack auf diesen Konzert-Sommer, noch eine Live-Session, die The Notwist für die digitale Ausgabe des Festivals PopKultur 2020 gegeben haben:

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The Notwist (Session) | Pop-Kultur 2020 | Bild: Pop-Kultur Berlin (via YouTube)

The Notwist (Session) | Pop-Kultur 2020