Meinung Brauchen wir neue Namen für unser Wetter?

Goran und Ahmet sollen in Zukunft neben Anna und Franz als Namensgeber für Tiefs und Hochs auftreten. So die Forderung des Netzwerks "Neue deutsche Medienmacher*innen. Auf Twitter (Überraschung!) tobt schon ein Empörungssturm. Eine neue deutsche Posse?

Von: Martin Zeyn

Stand: 05.01.2021

Gewitter mit Blitzen in der Region München | Bild: Damian Warmula

Ach, wie schön ist Empöristan! Nachbarstaat von Früherwarallesbesserland. Früher, da buchstabierten wir ein germanisches Alphabet. Früher, da hießen die Tiefs noch Klara und die Hochs noch Maximilian. Jetzt wagt es doch eine Gruppe sehr eifriger Neuer deutscher Medienmacher*innen, an diesen heiligen Hain deutscher Kultur die Axt anzulegen wie weiland der Missionar Bonifatius: Sie fordert, in Zukunft ein Tief oder gar ein Hoch auch mal Goran oder Ahmet zu nennen, denn "unsere Gesellschaft ist divers".

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Neue deutsche Medienmacher*innen Wir kapern das Wetter und hören nicht auf Wirbel zu machen, bis bei allen ankommt: unsere Gesellschaft ist #divers! #wetterberichtigung mehr Infos: https://t.co/rmSHh5cz4S https://t.co/JOHLcY21wu

Wir kapern das Wetter und hören nicht auf Wirbel zu machen, bis bei allen ankommt: unsere Gesellschaft ist #divers! #wetterberichtigung
mehr Infos: https://t.co/rmSHh5cz4S https://t.co/JOHLcY21wu | Bild: NDMedienmacher (via Twitter)

Bei Twitter schlugen prompt die Empörungswellen hoch ob solch artfremder Wetterbenamsung. Warum den Wetterbericht, diese zutiefst deutsche Angelegenheit, das Thema über alle Standesgrenzen hinweg, WARUM NUN BITTE AUCH NOCH DAS VERÄNDERN?!1!!?

Es gibt sie noch, die guten alten Dinge – aber eben nur, wenn man sie auch so belässt, wie sie sind. Allerdings: Kann sich noch jemand von den Lordsiegelbewahrern der Wettervorhersage daran erinnern, dass einst die Tiefs nur Frauennamen hatten? Nun, das Weibsvolk sei eben wechselhaft, dieses männliche Urwissen wollten die Traditionalisten gerade noch ins Spiel bringen, da war diese Regel schwuppdiwupp schon abgeschafft. Tja, heute weiß kaum noch jemand von diesem Untergängchen des Abendlandes.

Zum Donnerwetter!

Vermutlich wird es uns mit den welschen, invasiven Namen auch bald so ergehen. Nebenbei: Anna, Maria, Pius, Lara, Daniel, Elias, Martin, Alexander, Leonie oder Maximilian sind so urgermanisch auch nicht. Alles Importware aus fremden Sprachen. Wobei wir ja alle wissen: Eigentlich müssen wir das niemandem erklären, denn der gebildete Germane spricht schließlich fließend den ein oder anderen europäischen Dialekt und erfreut sich an Exoten (alias Fremdwörter), die ihm Zunge und Gaumen verwöhnen.  

Ansonsten, ihr Streithansel, gilt die alte hanseatische Regel: Lieber ein schlechtes Wetter als gar keins. Oder anders: Lieber ein upgedateter Wetterbericht als dass wir auch nur einen Tag auf unser 20:14-Uhr-Ritual verzichten müssen: "Und nun: das Wetter."