Corleone Shut Down Radio Lebenszeichen und Überlebenskampf

Seit dem Shutdown streamt die DJ-Community aus dem Dunstkreis des Corleone täglich eine Stunde Musik – um die Bar am Leben zu erhalten. Jetzt auch als Kiosk.

Stand: 15.05.2020 | Archiv

Shut Down Radio Corleone - Kiosk | Bild: DJ Explizit

"Das Corleone ist ein sehr wichtiger Ort für mich. Nicht nur für mich. Wir kennen alle die Betreiber schon ziemlich lang. Da hängen wir alle mit Herzblut drin," sagt Maurizio, der mit der Coronakrise das Shut Down Radio für die kleine Bar in der Nähe vom Sendlinger Tor initiiert hat und mit dem befreundeten DJ-Dunstkreis den Laden seitdem am Leben erhält – ehrenamtlich.

Mit alle meint er die "Familiy" rund um das Corleone. Die beiden Betreiber Michaela Schembari und Uli Gansloser haben in den letzten 20 Jahren zahlreiche Kulturorte (L*aim, Neuland, Die garagen) in München bespielt und entsprechend viele Leute betrachten das Corleone heute als ihr zweites Wohnzimmer: ein Treffpunkt für Künstler*innen, Kreative und alle die dran Interesse haben. Deshalb findet auch Maurizio: "Nach der Krise brauchen wir mehr denn je so Ort wie das Corleone."

Maurizio ist in München besser bekannt als DJ Explizit von der Oldschool Rapcrew Main Concept und weil auch ihm alle Jobs weggebrochen waren, hat er sich für das Corleone eingesetzt, zusammen mit Betreiber Uli Gansloser und Thorsten König die Idee des Shut Down Radios entwickelt, angeleihert und organisiert. Seit Montag vor Beginn des Shutdowns in Bayern streamt Maurizio täglich die einstündigen DJ-Sets ins Netz, bewirbt sie auf Social Media und sammelt damit Spenden für das Corleone. Anfangs lief das noch über Paypal, mittlerweile haben sie eine eigene Kampagne ins Leben gerufen, um die Einnahmen damit auch transparenter zu machen.

Mittlerweile ist so viel zusammengekommen, dass die Kosten für die Infrastruktur für etwa zweieinhalb Monate gedeckt sind. Wenn die Kampagne ihr Ziel erreicht und die staatlichen Hilfen noch ankommen, ist der Laden bis Ende August "safe", wie er sagt. "Wir geben nicht auf, da sind andere ganz anders gestraft." Zumachen könne man immer.

Jetzt geht es aber erstmal weiter. Seit den aktuellen Lockerungen ist das Corleone zum Kiosk-Betrieb übergegangen, die Livestreams finden nicht mehr hinter verschlossenem Vorhang statt und werden jetzt auch nach außen auf die Straße getragen – unter Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen und Abstandsregeln natürlich. Ein Lebenszeichen nach draußen.

Über 60 DJ-Sets sind bereits zusammen gekommen. Die Auswahl der Sets gibt einen guten Einblick in die musikalische Vielfalt der Münchner Szene und hält einige Perlen parat: Tom Zwotausend ist beispielsweise in der elektronischen Musikszene in München sehr umtriebig, organisiert die Partyreihe Alternative Fakten und wird deutschlandweit gebucht:

DJ Tigra ist als Teil der Vitamin-Bass-Crew in der Drum&Bass-Szene Münchens lange und fest verankert.