Kommentar von Peter Jungblut Funktioniert der Rettungsschirm für Bayerns Kultur?

200 Millionen für die Kultur hat die bayerische Staatsregierung gestern versprochen. Aber braucht es neben Geld nicht klare Vorgaben für Besucher*innen?

Stand: 15.05.2020

Das Wort "Soforthilfe" ist mit Scrabblesteinen auf rosa Untergrund gelegt | Bild: picture alliance / Andreas Franke

Jetzt ist er also aufgespannt, der "kulturelle Rettungsschirm" der Bayerischen Staatsregierung. Die 200 Millionen Euro werden dringend gebraucht, von Kinos, Theatern, Musikschulen, Filmproduzenten, Kreativen in allen Sparten. Und manche Zahl, die vielleicht bescheiden klingt, wird bei näherem Besehen dann doch ganz ansehnlich.

Für viele Künstler sind jeweils tausend Euro Soforthilfe über drei Monate hinweg viel Geld, es gibt ja nicht nur Stars und Festangestellte. Ganz im Gegenteil: Kreative verdienen durchschnittlich nicht mal 18.000 Euro im Jahr, hat die Künstlersozialkasse ausgerechnet. All denen geht finanziell schnell die Puste aus, und wenn die sich dauerhaft andere Berufe suchen müssen, können kleine Theater, unabhängige Filmproduzenten, Galeristen und Konzertveranstalter einpacken.

Reicht das Geld?

Es ist also erfreulich, dass Geld fließt, aber wird es auch reichen? Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis überhaupt der bisher nur angekündigte Antrag auf Soforthilfe online steht, und wann dann endlich die ersten tausend Euro überwiesen werden. Skepsis ist angebracht, aus der Wirtschaft wird berichtet, dass Anträge vom März bis Anfang Mai immer noch nicht bearbeitet wurden.

"Sofort" ist demnach also ein sehr dehnbarer Begriff. Und mit Geld allein ist es leider nicht getan: Welcher Kinobetreiber macht auf, wenn international keine attraktiven Filme starten? Welches Theater spielt, wenn es nur jeden dritten oder vierten Sitzplatz belegen darf, womöglich sogar nur unter freiem Himmel? Das Düsseldorfer Schauspielhaus kann es sich offenbar leisten, wie angekündigt vor nur noch 128 Zuschauern zu spielen und ganze Sitzreihen auszubauen, private Theater wohl kaum. Welches Ballett spielt nur noch Solo-Stücke? Welcher Filmproduzent lässt wieder drehen, wenn er sich nicht gegen Ausfall-Risiken versichern kann und nicht weiß, wann der nächste Lockdown kommt? Welcher Konzertveranstalter kann Abstände zwischen den Blechbläsern von acht Metern garantieren?

Ein Gefühl wie im Hochsicherheitstrakt

Diese Unsicherheiten, diese teils wirklichkeitsfremden, teils absurden Vorschläge sind am gefährlichsten für Kunst und Kultur, und da hat die überaus vorsichtige Staatsregierung leider noch nicht für viel Klarheit gesorgt: Was genau ist eine Großveranstaltung, wann können die Theater mit Proben beginnen, wie sollen die oft völlig veralteten Buchungssysteme fit gemacht werden für personalisierte Eintrittskarten oder Zeittickets, ist die Maskenpflicht in weitläufigen Ausstellungsräumen wirklich nötig? Kein Wunder, dass der Andrang des total verunsicherten Publikums zum Beispiel in Museen bis jetzt sehr gering ist.

Wenn Lust auf Kultur aufkommen soll, dann dürfen sich die Besucher eben nicht ständig fühlen, als ob sie einen Hochsicherheitstrakt betreten. Mitte Mai wollen die Kunstminister der Länder auf Bundesebene einen gemeinsamen Fahrplan präsentieren. Hoffentlich ist der dann deutlich konkreter und realistischer als das, was die Politiker bis jetzt ankündigten.