DJ Anna Reusch in Passau Hartz IV – oder von der Altersvorsorge leben

Stand: 12.02.2021 | Archiv

Als DJ muss man im Corona-Lockdown vom Ersparten leben, weil die staatlichen Hilfen nicht ankommen: Das sagt Anna Reusch. Zusammen mit Charnaux legt sie für GEMEINSAM LAUTER in Passau auf. Für die Kunst und gegen den Frust.

GEMEINSAM LAUTER: Anna Reusch legt im Institut für Spaß und Gesellschaft in Passau auf | Bild: BR

Clubs on hold Institut für Spaß und Gesellschaft in Passau

"Im Prinzip hat man uns schon neun Monate im Regen stehen lassen", sagt Anna Reusch, die für die BR Support-Initiative GEMEINSAM LAUTER im Passauer Club Institut für Spaß und Gesellschaft auflegt. Die gebürtige Hessin hat schon als Jugendliche mit dem Auflegen angefangen und ist als DJ längst so weit etabliert, dass sie davon leben kann – bis Corona kam.

Die November-Hilfe ist die erste staatliche Unterstützung, die nicht für Betriebskosten, sondern auch zur Finanzierung des täglichen Bedarfs verwendet werden darf. Aber: Die zwei Hälfte davon habe sie, Stand Anfang Februar, bis jetzt noch nicht erhalten, dasselbe gelte für die Dezember-Hilfe. "Ich habe jetzt im Prinzip fast ein Jahr lang auf eigene Kosten leben müssen, und die meisten Kollegen, die ich kenne, sind schon Hartz IV oder leben von dem Geld, was sie für die Altersvorsorge zurückgelegt haben."

GEMEINSAM LAUTER: Charnaux legt im Institut für Spaß und Gesellschaft in Passau auf | Bild: BR

Ihrem Kollegen, dem DJ und Produzenten Charnaux aus Deggendorf, geht es da nicht besser. Er habe schon Förderanträge gestellt, aber als Soloselbstständiger bisher nichts bekommen, null Euro. Natürlich müsse man in der Selbstständigkeit auch Rücklagen bilden, sagt Anna Reusch. Aber dass man ein Jahr faktisch nicht arbeiten dürfe, damit kann keiner rechnen. "Die Szene ist sich einig: Wir stecken zurück", sagt sie. Das sei in der Pandemie schon klar. "Aber wenn die Veranstaltungsbranche ein Jahr lang bluten gelassen wird für das Wohl aller, dann muss auch das Wohl aller jetzt für diese Szene da sein."

Video Anna Reusch & Charnaux im Institut für Spaß und Gesellschaft, Passau

GEMEINSAM LAUTER WIR GEBEN BAYERNS MUSIKSZENE EINE STIMME

Keine Konzerte, keine Festivals, geschlossene Clubs: Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungsbranche besonders hart getroffen. Unzählige Beschäftigte in der Musik- und Kulturszene kämpfen seit Monaten um ihre Existenz.

Um auf die schwierige Situation während der Corona-Krise aufmerksam zu machen und der heimischen Kultur- und Musikszene eine Bühne zu bieten, schließen sich
PULS, BAYERN 3, Bayern 2 und die BR KulturBühne zur gemeinsamen Support-Initiative “GEMEINSAM LAUTER” zusammen.

Alle zwei Wochen präsentieren wir neue Künstler*innen, Live-Clubs, Betreiber*innen und Initiativen aus ganz Bayern in den BR Programmen. Lasst uns #GemeinsamLauter sein, damit es ohne die Kulturschaffenden nicht still wird!

Frage Neugierig geworden? Sollten wir zu diesem Thema öfter berichten?