Netflix-Alternativen Streaming, aber abseits des Mainstreams

Mubi, Sooner und Kino on demand, so heißen drei Streamingangebote mit ungewöhnlicher Filmauswahl. Alle drei sind gute Alternativen zu Netflix, Amazon Prime und Co – und bei einem der Anbieter fließt sogar Geld ans lokale Kino. Unser Kinoexperte Markus Aicher stellte die besonderen Plattformen vor.

Stand: 21.01.2021

Der frischgewählte Papst (gespielt von Michel Piccoli) und die Kardinäle im Spielfilm "Habemus Papam" | Bild: picture-alliance/dpa PROKINO Filmverleih

Filmische Delikatessen: MUBI

Mubi verhält sich zu Netflix, Disney und Co wie der inhabergeführte Delikatessladen zum Supermarkt. Gegründet wurde der Streamingdienst von dem türkischstämmigen Unternehmer Effe Tschakarel, einem echten Filmfan. Alleinstellungsmerkmal ist das umfangreiche Angebot an internationalen arthouse Filmen, die in kuratierter Form wie das zusammengestellte Programm in einem Programmkino angeboten werden. Diese Woche etwa gibt es von der Mubi Redaktion Nanni Morettis "Habemus Papam", Jean-Jacques Beineix* 1986 entstandenen Klassiker "Betty Blue" mit Beatrice Dalle  oder die erfrischende Coming of Age Geschichte "Mid 90s" von Jonah Hill. Daneben widmet sich Mubi in zusammengestellten Reihen großen Meistern des Kinos, bietet zu einzelnen Regisseurinnen und Regisseuren Werkschauen an oder zeigt Festival Highlights aus Cannes und von anderen Filmfestivals. In Deutschland sind momentan über 1.000 Filme in der MUBI Library verfügbar. Die Filme gibt es soweit vorhanden in der deutschen Fassung und immer auch in Originalsprache.

Arthouse, aber auch Theaterproduktonen: SOONER

Ebenfalls an ein arthouse interessiertes Publikum richtet sich Sooner, ein deutsch-französisches Streaming Portal. Neben der japanischen Serie "Junichi" von  Hirokazu Koreeda etwa ist hier auch das estländische Drama "The Bank" oder eine chilenische Agentenserie im Programm. Auffällig sind die große Auswahl von Produktionen aus der LGBTIQ+ -Community, Partnerschaften mit Filmhochschulen wie der DFFB Berlin sowie eine Festivalkooperation mit der Dok Leipzig. Eine Besonderheit ist das Genre Performing Acts: SOONER hat auch Bühnenproduktionen aus den Bereichen Theater, Konzert und Ballett im Angebot. Zum Programm gehört außerdem der Zugang zum Archiv der DEFA und somit zu zahlreichen Filmen aus der DDR. Noch bis Mitte Februar ist auf Sooner das renommierte MyFrenchFilmFestival, das von der französischen Filmpromotions-Agentur Unifrance initiiert wurde, zu sehen. Das Festival bietet einer jungen Generation französischsprachiger Regisseuren, Regisseurinnen und Schauspielern und Schauspielerinnen eine Plattform. In diesem Jahr etwa mit dem Dokumentarfilm "Adolescentes" von Sébastien Lifshitz über die Freundschaft zweier junger Frauen sowie dem Sozialdrama "Freudenmädchen" ("Filles de joie") von Frédéric Fonteyne über zwei Mütter, die ein heikles Doppelleben führen, um über die Runden zu kommen.

Kinos vor Ort unterstützen: KINO ON DEMAND

Wer den immer noch geschlossenen Kinos helfen möchte (und dabei Filme nachholen will, die man im Kino versäumt hat), kann das auf "Kino on Demand" tun. Dieses deutsche Streamingportal unterstützt zusammen mit den jeweiligen Verleihern Arthauskinos in ganz Deutschland. Ein Filmabruf für 48 Stunden etwa kostet 5 Euro. Bei 5 Filmen fließen 5 Euro direkt an ein Kino, das man auswählen kann. Die Bandbreite der Filme ist groß, kommerzieller orientiert als bei MUBI und SOONER und umfasst einen großen Zeitraum. So kann man sich zum Beispiel durch alle bayerischen Rita Falk Verfilmungen vom "Schweinskopf al dente" bis zum "Leberkäsjunkie" klicken, mit Woody Allen einen "Rainy day in New York" verbringen, Kinderfilme schauen aber auch interessante und tolle Programmkinohighlights wie "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" streamen. Oder endlich den 2003 erschienenen klasse Thriller "Memories of Murder" des koreanischen Oscargewinners Bong Joon Ho nachholen, der bei den kommenden Filmfestspielen in Venedig im September dieses Jahres die Jury leiten wird. Am besten in der koreanischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Es müssen also nicht immer Netflix und Co sein.