Kottmüller Allee in Murnau Fotoausstellung in Naturkathedrale

Das letzte geöffnete Museum ist die Natur. Dachte sich Christian Kolb und stellt nun bei Murnau seine Fotos im Freien aus. Kunst und Natur führen dabei aber weit mehr als eine Zweckbeziehung.

Von: Flora Roenneberg

Stand: 15.12.2020 | Archiv

Großes Foto von Hut abseits der Kottmüller Allee | Bild: Flora Rönneberg

Die Kottmüller Allee ist nicht irgendeine Allee. 150 Jahre ist es her, da wurden hier zwischen Münterhaus und Murnauer Moos 200 Eichen gepflanzt. Von dem Bierbrauer und Reichstagsabgeordneten Emeran Kottmüller. Bauern, Wandersleute, Künstler durchschritten sie seitdem und sogen dabei ihre besondere Wirkung auf. "Auf einer Länge von ungefähr 1000 Meter, sind die Eichen rechts und links ganz eng gepflanzt," sagt der Fotograf Christian Kolb. Durch die Allee zu gehen fühle sich an, als beschreite man " das Mittelschiff einer Kathedrale. Und wenn man hier rechts und links geht, die ausladenden Äste sind die Seitenschiffe."

Fotografien von Mensch und Natur

Seit langem ziehe die Kottmüller Allee wie ein Magnet viele Besucher an. Diese Naturkathedrale. Christian Kolb nutzt sie nun für eine Fotoausstellung: "Meine Bilder sind quasi ein Seitenaltar. Abends in der Dämmerung sogar beleuchtet." Vor einem halben Jahrhundert ging Kolb zum ersten Mal hier spazieren, mit seiner Tante. Sie war es, die ihm seinen ersten Fotoapparat schenkte. Seitdem hält er Farben, Licht, die Schönheit der Natur und der Menschen in seinen Bildern fest. Jetzt stehen einige davon als große Abzüge zwischen den Bäumen.

Besonderheit der Allee: die enge Bepflanzung mit Eichen

 Bunte Steine markieren den Anfang des Weges, sie wurden als "Pandemiesteine" in der Krise von Kindern bemalt, und sind auch auf einem der großen Fotos festgehalten. Die Farben auf den Steinen sind inzwischen verwaschen, auf Kolbs Foto dagegen leuchten sie weiter. Seine Bilder sind auf Bauzäune montiert, flankieren die Allee und folgen dabei einer bestimmten Logik: "Auf der rechten Seite sieht man die Alleebilder im Lauf der Jahreszeiten. Vom Frühjahr bis zum Winter. Auf der linken ist es das Gesellschaftliche und vielleicht auch etwas Abstrakte."

 Charade aus Betrachten und Erleben

Kontrast der Jahreszeiten: Winter im Herbst.

Kolbs Fotos bewegen. Etwa die sanft blickenden Augen einer alten Bäuerin oder bunte, an Wäscheklammern aufgehängte Eicheln, die in Schwarz-Rot-Gold an einer Leine baumeln. Bilder von Handwerkerinnen auf der Walz und kostümierten Gestalten, die  durch Landschaft streifen. Und am Ende das Bild einer Hexe, die den Winter aus der Allee fegt.

Gegenüber, auf der Seite der Jahreszeiten, ziehen selbige in Naturaufnahmen an einem vorüber. Die Pfütze, in die man tritt, findet sich auf dem Bild neben einem wieder. Ein Bild gerade aufblühender Bäume steht zwischen steht hingegen zwischen kahlem Geäst. Alles umringt von Bergen und Seen - das blaue Land.

 Tausendgesichtige Naturbilder

Von Fern grüßen der Wetterstein, das Ammergebirge, das Skigebiet von Garmisch und die Albspitze. "Man wohnt ja quasi in der Natur, und wenn man hier steht und den Blick genießt – ob das jetzt morgens oder abends ist – das ist schon erbauend," sagt Kolb. "Auch ein bisschen Demut hat bei diesem Blick."

Der Blick des Fotografen Kolb entdeckt in jedem Stein, in jeder Baumrinde und jedem Blätterhaufen Muster und Gestalten und manchmal davon mehr als nur eine. Etwa im Bild einer vergrößerten Baumrinde: "Es sind insgesamt 46 Gesichter. Hier ein Affe. Hier Marx. Hier eine Frau mit Hut und weißem Haar. Und das Bild heißt die Ahnentafel. Meine Murnauer Ahnentafel."  Die führt Kolb den Besuchern mit seinen Bildern vor Augen. Seine Ausstellung schärft dabei auch den Blick für die eigenen Bilder, die es zu entdecken gilt. Jeder durchläuft diese Allee mit anderen Augen, und immer wieder sieht sie anders aus. Denn ganz besonders ist das Licht, das hier durch die Bäume fällt, das sich zu jeder Stunde verändert, und das schon die berühmten Maler an diesem Ort einfingen.

Ich kam, sah und komme wieder

"Die Allee hat eine Magie. Ob mit Bildern oder ohne Bilder. Aber sie hat eine Magie, die sicherlich durch diese gewaltigen Bäume entsteht, aber auch durch diese Lichtschächte, wo man überall durchgucken kann. Die sich jetzt total verändert haben. Vor ein paar Wochen war hier noch was Grünes, da verdeckt, da ganz dunkel, da war was Helles. Man erlebt hier ganz viel, und deswegen kommen die Leute auch immer wieder. Die Leute, die das erste Mal hier waren, die haben alle gesagt: Wir kommen wieder", erzählt Kolb. "Und sie waren alle schon wieder da." 

Der Rundgang auf der Kottmüller Allee beginnt am Münter-Haus in Murnau. Kostenlos und selbstredend rund um die Uhr geöffnet.

Hier mehr zu den Fotos von Christian Kolb.