Contra Einfamilienhäuser Warum ich gegen Eigenheime bin

Wie sollen die 9,7 Milliarden Menschen, die bis 2050 nach Schätzungen die Erde bevölkern werden, einmal wohnen? Sicher nicht in Einfamilienhäusern in den Vororten der Städte. Es gibt aber längst gute Alternativkonzepte.

Stand: 26.02.2021 | Archiv

Neues Einfamilienhaus mit Garage | Bild: MEV/Karl Holzhauser

Wer will denn schon in einem Hochhaus leben? In einem Wolkenkratzer in Manhattan ist das wahrscheinlich ziemlich cool. Das muss man sich allerdings leisten können. Aber in den Pariser Banlieus? In Berlin Marzahn? Das lieber dann doch nicht. Warum ich trotzdem gegen Einfamilienhäuser bin? Ganz einfach, wir müssen das Problem der begrenzten Fläche auf unserem Planeten lösen, im Kleinen und natürlich im Großen.

Wir brauchen andere Wohnformen

Im Jahr 2050 ist die Erdbevölkerung laut Studio der Vereinten Nationen auf 9,7 Milliarden angewachsen. Wie wollen wir dann wohnen? Sicher nicht in den Einfamiliensiedlungen in den Vororten der Städte, in denen sich der sogenannte Mittelstand ein Kleinhäuschen im Toskanastil baut mit Vorgarten, Trampolin und einer Tujahecke, um sein Familienidyll gegen das der Nachbarn abzugrenzen. Ein Überflug über die Vororte der Städte zeigt die individuelle Eintönigkeit solcher Bebauung: Ideenlose Häuser, Flächenfraß ohne Ende. Klimafreundlich, ökologisch, vernünftig ist das nicht.

Eigenheim mit Solardach | Bild: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening zum Artikel Meinung Pro Einfamilienhäuser Warum der Bau von Eigenheimen wichtig ist

Ist die Generalkritik am Eigenheim unfair und verkürzend? In der zeitgenössischen Architektur finden sich auch Modelle für ein künftiges Bauen, Wohnen und Leben, die Ökologie und Ökonomie versöhnen. [mehr]

Wir brauchen andere Wohnformen angesichts von Wohnungsmangel und Klimakrise. Und die liegen nicht im Haus mit Walmdach am Waldrand, am See oder einfach nur in einer Schlafsiedlung. Die gute Nachricht: es gibt sie die tollen Konzepte für große Wohnanlagen mit, ja mit Hochhäusern. Wohnungsgrundrisse, in denen man Räume an die jeweilige Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner anpassen kann, Mehrgenerationenkonzepte, die privates wohnen mit gemeinsam leben verbinden. Man kann Wohnkuben stapeln wie Tinyhäuser , gegeneinander verschieben und dadurch Freiräume schaffen. Man kann Grünflächen und Gärten schaffen. Ein Beispiel: WOHA, ein Architekturbüro in Singapur zeigt in seinen Bauten wie man Fassaden öffnet, vertikal und horizontal grün gestaltet, Balkonterrassen schwingt und versetzt, wie man grüne Dächer plant. Das ist nicht nur schön und gut fürs Klima.

Ein Punkthochauskonzept für München

Das Punkthochauskonzept des japanischen Architekten Kazunari Sakamoto.

Solche Hauskonzepte bieten Platz für viele. Sogar in der bayerischen Hauptstadt gab es einst einen kühnen Entwurf des japanischen Architekten Kazunari Sakamoto. Er gewann 2006 mit seinem Punkthochauskonzept den Wettbewerb für die Werkbundsiedlung Wiesenfeld auf dem Grund der ehemaligen Luitpoldkaserne. Sein Motto: designing the distance. Es war "der Entwurf des Zwischenraums, eine Insel inmitten eines öffentlichen Feldes" - flexibel, mit verschiedene Ebenen, mit Gemeinschafts- und Privatgarten, veränderbar und nachhaltig. Einfach toll!  So würde ich wohnen wollen. Das ist die Zukunft. Natürlich ist das Projekt von der Stadt München nie verwirklicht worden.