Gamification des Terrors Wie die Netzkultur rechtsextreme Attentate verändert

Die rechten Attentäter von Halle und Christchurch streamten ihre Taten live ins Netz, das Publikum auf den rechten Plattformen war ihnen so wichtig wie die Tat selbst. Es ging ihnen darum, Nachfolger zu rekrutieren.

Stand: 28.07.2020 | Archiv

Gamifizierter Terrorismus | Bild: BR

Terror funktioniert heute anders als früher, Attentäter radikalisieren sich anders, vernetzen sich anders, handeln anders. Sie tun so, als wäre das Ganze ein Spiel und kommentieren den Fortschritt oder belohnen sich für den hohen body count.

In Spielen wie "Ethnic Cleansing" kann man einstellen, welche Minderheit man auslöschen will. Schwarze, Mexikaner, Juden. Und nach jedem live gestreamten Attentat tauchen Modifikationen der Tätervideos als Computergame auf, so dass man die Taten nachspielen kann und für jeden ermordeten Menschen Punkte bekommt.

"Die große Gefahr ist das Problem nicht als das zu erkennen, was es ist, indem man eben von einzelnen Wölfen oder von Einzeltätern spricht", sagt die Extremismusforscherin Julia Ebner dem ARD-Kulturmagazin ttt. "Es ist de facto so, dass es sich um eine Community handelt, die dieselben Verschwörungstheorien teilt, dieselben Ideologien und auch diese Gewaltbereitschaft":

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ttt - titel thesen temperamente

Gamifizierter TerrorismusMorden für den Highscore: Rechtsradikale Gamer teilen auf Imageboards Spiele wie "Hatred" oder "Stormer Doom". Doch es bleibt nicht beim Spielen – immer häufiger werden Fantasien in reale Taten umgesetzt.Gepostet von ttt - titel thesen temperamente am Donnerstag, 23. Juli 2020

Auch der Podcast "1 Thema, 3 Köpfe" untersucht, was die Strukturen dieses "anders" ausmacht, um herauszufinden, wie wir dagegen vorgehen können. Zum Beispiel die Polizei mit mehr Personal auszustatten, dass im Darknet nach Menschen fahndet, die dort von ihren Attentatsplänen berichten. Mit dabei Thies Marsen, der seit Jahren über rechten Terror berichtet, der Netzexperte Christian Schiffer und die Moderatorin Christine Auerbach.

Auerbach verweist auf den erschreckenden Vortrag "Let's play Infokrieg" von Arne Vogelgesang, der auf dem CCC-Hackerkongress 36C3 analysiert, wie die radikale Rechte ihre Aktionen gamifiziert.

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36C3 -  Let’s play Infokrieg | Bild: media.ccc.de (via YouTube)

36C3 - Let’s play Infokrieg