"Traumhäuser" – Staffel 6 So nachhaltig können Einfamilienhäuser sein

Dem flächenfressenden Einfamilienhaus etwas entgegensetzen und nachhaltig bauen: Die neue Staffel von "Traumhäuser" zeigt spannende Wohnprojekte abseits des Mainstreams.

Stand: 23.02.2021

Traumhäuser: Ein Haus wie eine Kirche  | Bild: www.corneliusbierer.de

Das Einfamilienhaus wird oft verdammt: Als sinnlos bodenversiegelnd und flächenfressend, als einfallsloses Fertighaus im Neubaugebiet. Doch es ist entgegen aller Unkenrufe nicht grundsätzlich schlecht. Es kommt, wie so oft, darauf an, wie und wo man baut. Es sind gerade die städtebaulich sensiblen und nachhaltigen Projekte, die einen Kompromiss aufzeigen zwischen dem Wohnen im "Arbeiterregal" oder der Mietskaserne und dem immer noch virulenten Traum von der Villa mit Garten. Die sechste Staffel der "Traumhäuser" zeigt, wie alternatives Bauen funktionieren kann.

"Ein Haus wie eine Kirche": Gleichberechtigung, Familienplanung, Architektur

Da sind etwa Maria Horejschi und ihr Mann Tom, die mutig die Haus- und Familienplanung parallel geschaltet haben. Praktisch hieß das, mit dem Kleinkind auf dem Arm und hochschwanger auf der Baustelle mit anzupacken. Die beiden jungen Allgäuer repräsentieren eine neue Architektengeneration. Nicht nur privat, auch im Job sind sie vollkommen gleichberechtigt.

Und so haben sie Entwurf, Planung, Kinderbetreuung, Ausführung und Haushalt gemeinsam gestemmt. Ihr Handwerk haben sie bei Holzbaupapst Hermann Kaufmann gelernt. Und das sieht man dem sehr gelungenen Erstlingswerk auch an.

Ein Haus aus Granit: Architekturpreise für Peter Haimerl

Etwas, das es so noch nie gegeben hat, zeigt Star-Architekt Peter Haimerl: Ein Haus fast ganz aus Granit. Mit einem riesigen Schwimmbecken aus tonnenschweren Granitplatten. Und zwar dort, wo es niemand erwartet hätte: In Obersteinhausen. Bei Auerbach. Bei Deggendorf. Tiefstes Niederbayern. Und obwohl das Haus extrem innovativ ist, ging es ihm um die regionale Bautradition.

Glaskuben in Scheunen, gestaffelte Betonwürfel und kurvige Stahlfassaden

Von der modernen Sanierung eines historischen Einödhofs in Niederbayern über ein kleines Holzhaus an einem Allgäuer Steilhang bis hin zur Stadtvilla mit Pool in München: Bauen im Bestand oder Neubau, Bauen um eine Familie zu gründen oder um sich einen bedürfnisgerechten Alterssitz zu schaffen, Bauen mitten in der Stadt oder weit draußen auf dem Land, Bauen als Nachverdichtung oder Revitalisierungsmaßnahme – der Traum vom perfekten Wohnen kann viele Formen annehmen.

Bauhaus im Frankenwald, Holzskulpturen im Allgäu

Die Traumhäuser dieser Staffel eint daher nicht nur die Leidenschaft, mit der Bauherren und Architekten sie entworfen und gebaut haben. Jedes einzelne der gezeigten Bauprojekte ist absolut einzigartig und erfüllt seine ganz eigene gesellschaftlich relevante Bauaufgabe. Das spießige Vorort-Elternhaus aus den 70er Jahren in Unterfranken, das die Erben radikal modernisieren anstatt es abzureißen. Oder das Bauen auf schwierigen Grundstücken am Ortsrand: wuchtige Granitkuben mit Schindeldach im tiefsten Niederbayern, in den Hang geschobene Betonwürfel im Frankenwald, gedrehte Firstlinien oder konsequent schlichte Holzfassaden im Allgäu – für jeden spezifischen Standort und die verschiedenen Bedürfnisse der Bauherren wurde eine individuelle Lösung gefunden. Das Einfamilienhaus ist nicht tot. Aber es muss sich ändern und anpassen, um zu überleben.