Das 40. Erlanger Poetenfest noch bis zum 30.8. Bücher unter Bäumen

Endlich einmal keine Absage! Das Erlanger Poetenfest gibt es auch in diesem Jahr. Es war schon immer ein Alleinstellungmerkmal: Ein Literaturfestival, das sich vor allem draußen abspielt. In diesem Jahr ist die Open-air-Tradition ein Glückfall, auch wenn diesmal das Festival dezentral stattfinden muss.

Stand: 27.08.2020

Das Erlanger Poetenfest im Schlossgarten vor der Orangerie (Archiv) | Bild: Helmut Meyer zur Capellen/Imagebroker/pa

Ade, ihr alten Bäume des Schlossgartens. In diesem Jahr souffliert euer Rauschen nicht das Umblättern während der Lesungen. In 40 Jahren hat sich das Poetenfest zu einer der wichtigsten und sehr gut besuchten Literaturveranstaltungen gemausert. Die Jubiläumsausgabe wird anders, diesmal gibt es viele kleine dezentrale Veranstaltungen. Die Lesungen und Gespräche finden überall in der Stadt statt, unter anderem im Skulpturengarten Heinrich Kirchner am Burgberg, im Innenhof des Stadtmuseums, auf Wiesengrundstücken in den Stadtteilen und auf der Kulturinsel Wöhrmühle sowie im Garten des E-Werks. Egal an welchen Ort auch immer, das Erlanger Poetenfest ist und bleibt eine tolle Gelegenheit, um Autor*innen und ihre neuen Bücher live zu erleben! Und – nicht zu vergessen – auch ein tolles Publikum, das wirklich aufmerksam zuhört. In diesem Jahr treten unter anderem auf: Marcel Beyer, Svenja Flaßpöhler, Ulrike Guérot, Leif Randt, Ulrike Almut Sandig, Lutz Seiler. Alle Autorinnen finden Sie hier.

Große Poesie zur Eröffnung

Zwei Highlights steuert die Kultur des Bayerischen Rundfunks bei: die Eröffnung mit der Bayern 2 – Nacht der Poesie und den Live-Diwan.

Wie seit Jahren eröffnete gestern die Lyrik-Nacht das diesjährige Poetenfest, das ein kleines Jubiläum feiert: schon zum 40. Mal findet es statt. Lyrik hat sich in den letzten Jahren aus der Nische befreit und ein junges Publikum gefunden. Viel dazu beigetragen haben die Poetry Slams, aber auch eine junge Generation von Autorinnen, die eine frischen Ton in die Lyrik hineingetragen haben. "Das macht die Sprache – die Macht der Sprache", sagt Bas Böttcher. Er trat zusammen mit dem Trompeter Frank Braun auf und zeigte, was Poesie in Verbindung mit einer Trompete vermag. Außerdem mit bei der Nacht der Poesie dabei: die vielfach preisgekrönte Esther Kinsky, Marion Poschmann mit ihrem neuen Gedichtband "Nimbus" sowie Yasmo, eine politisch-feministische Spoken Word Künstlerin. Eine Stunde lang Lyrik! Mit Publikum, Musik und live. Und hier können Sie die Veranstaltung nachhören.

Diwan mit prominenten Gästen und Büchern

Am Sonntag, um 14:05 Uhr dann eine Live-Ausgabe des Diwan, unseres Büchermagazins. Die Gäste diesmal: Der Wahl-Dresdner Marcel Beyer, die Schweizerin Zora del Buono und die Österreicherin Sandra Gugić aus Berlin und Nell Zink, die Amerikanerin in Brandenburg. Das Büchermagazin sendet auch im Corona-Jahr live und mit Live Musik und vier Schriftsteller*innen vom Erlanger Poetenfest, diesmal nicht aus der Orangerie, sondern open air von der Kulturinsel Wöhrmühle. Und wer die Münchner Musikerin Michaela Dietl noch nicht kennt, wird überrascht sein, was die Stimmkünstlerin, Akkordeonistin, Performerin und Komponistin alles kann.

Die Marschallin von Zora Del Buonos

Zora Del Buonos Roman führt tief in die eigene Familiengeschichte, nach Slowenien und Süditalien, zur resoluten Großmutter Zora, einer überzeugten Kommunistin im Widerstand gegen Mussolini. "Die Marschallin" ist Dreh- und Angelpunkt im gleichnamigen Roman der Schweizerin. - In "Zorn und Stille" folgt die Österreicherin Sandra Gugić der Fotografin Billy, einer modernen Nomadin, die als Gastarbeiterkind nach Wien kam und sich später mit den Eltern entzweite. Was wurde aus den Träumen der Eltern? Welche Rolle spielen Freiheit und Verantwortung, Liebe und Verlust?

Das hohe Lied von Nell Zink

Nell Zink wuchs im ländlichen Virginia auf, promovierte als Medienwissenschaftlerin in Tübingen und lebt heute in Bad Belzig. Ihr neuer Roman, "Das hohe Lied", erzählt lakonisch und mit trockenem Witz, von einem Musiker-Paar, ihrer Tochter, den Eltern und dramatischen Ereignissen. Ein Drei-Generationen-Porträt, das die Gesellschaft der USA spiegelt, vom Punk der 90er Jahre, über 9/11 bis zur Umweltbewegung und der Polarisierung des Landes heute.

Dämonenräumdienst von Marcel Beyer

Genau vierzig Zeilen und zehn Strophen lang ist jedes der neuen Gedichte von Büchner-Preisträger Marcel Beyer, ein "Dämonenräumdienst" der Stimmungen, Personen, Szenen in Poesie fasst."Der Mensch lebt von seinem Wahrnehmungswahnsinn und von Vitaminen", schreibt Beyer, spürt die Geister in der "Bude" auf und mäandert von Farnen über Hildegard Knef 1974 bis ins "milde München" zu Rudolf Moshammer - "Ein Wort wie Baggerblut".

Und hier gibt es das gesamte Programm des Erlanger Poetenfests.