Ausstellung im Franz Marc Museum in Kochel Der Maler Anselm Kiefer im Dialog mit Literat*innen

Wie spricht ein bildender Künstler mit Gedichten? Und wie antworten Schriftsteller*innen darauf? Alexander Kluge, Sibylle Lewitscharoff u.v.a. haben für die Ausstellung "Opus Magnum", die gerade in Kochel gezeigt wird, Texte zum Werk von Anselm Kiefer verfasst. Wir präsentieren exklusiv eine Auswahl der Texte.

Stand: 10.07.2020 | Archiv

Vitrine der Ausstellung "Anselm Kiefer. Opus Magnum" des Franz-Marc-Museums in Kochel | Bild: Presse

Künstler erzählen uns die Mythen und Legenden, die wir zum Leben brauchen. Anselm Kiefer ist ein Alchemist, der Leben schaffen will aus Dreck und Feuer. “Kunst ist weder maßlos noch monumental. Nicht maßlos, denn ohne Maß gibt es keine Schönheit. Monumental auch nicht, denn ich mache keine Monumente, bei mir ist alles immer im Fluss”, sagt Kiefer über seine Kunst. Immer wieder umkreisen seine Werke, seine Bilder und Installationen, große Literatur.  

“Es ist nicht nur eine Widmung, eine Widmung wäre zu schwach, sondern ein Resultat meiner – nicht nur Beschäftigung, sondern meiner Kommunikation. Ich lege meine Arbeit diesen Dichtern zur Kritik vor.” Im Franz Marc Museum in Kochel bedanken sich jetzt Autor*innen, indem sie zu den ausgestellten Werken Texte geschrieben haben. Ein pulsierendes Gespräch entsteht so - über die Grenzen von Kunst und Literatur hinweg.  

Anselm Kiefer gehört neben Georg Baselitz und Gerhard Richter zu den international renommierten Künstlern, die sich in ihrem Werk intensiv mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen, mit den Traumata und dem kollektiven Schweigen: "Ich lebte unter Leuten, die alle dabei waren und nicht darüber reden wollten. Diese Zeit war ein leerer Raum."

In 23 Vitrinen zur jüngsten deutschen Vergangenheit und zu Mythen der Antike zeigt das Franz Marc Museum in Kochel bis zum 21. Februar 2021 "Anselm Kiefer. Opus Magnum" und bat Autor*innen über eine Vitrine ihrer Wahl zu schreiben. Nora Bossong, Gert Heidenreich, Alexander Kluge, Gila Lustiger, Marion Poschmann dichten und lesen für Anselm Kiefer. Sibylle Lewitscharoff und andere preisgekrönte Autoren*innen spinnen Kiefers verborgene Erzählungen weiter. Christoph Ransmayr und Alexander Kluge ließen sich von seinen Exponaten poetisch beflügeln.

Wir präsentieren exklusiv und als virtuelle Vorschau fünf dieser Texte mit den entsprechenden Bildern der Kunstwerke.

"Antäus"

von Alexander Kluge

In einem der Bände des Kapitals von Karl Marx finde ich im Index das Wort Antäus. Das ist ein Sohn des Meeresgottes Poseidon. Er hat diesen Dämon, diesen Gottessohn, diesen "seßhaften Geist" mit Gaia gezeugt, der Mutter Erde.

Liest man den Text, auf den sich der Index bei Marx bezieht, so geht es um die Verteidigung des eigenen Landes, die Kraft des "Eigentümers der Ware Arbeitskraft", den eigenen Boden zu bewirtschaften und lebenslänglich zu hüten. Antäus ist unüberwindbar, solange er die Verbindung zu diesem Eigentum: seiner eigenen Krume Erde, nicht verliert. Antäus ist der "Gott der Bodenhaftung".

Der einzige Held, dem es gelang Antäus zu überwinden, bewegte ihn durch List, Sprünge zu machen. Sobald Antäus' Füße und Hände keine Verbindung mehr zum Boden hatten, war er verloren.

Noch in der späteren antiken Sage vom Goldenen Vlies gibt es Verteidiger aus dem Geiste des Antäus. Das Goldene Vlies ist das Fell eines Widders. Auf der Innenseite dieser Haut ist eine Landkarte zu sehen. Auf ihr sind die Fundplätze aller verborgenen Schätze eingezeichnet, die es auf dem antiken Erdkreis rund um das Mittelmeer und das Schwarze Meer gibt. Auf diese Karte waren die griechischen Räuber scharf, die unter Führung des Helden Jason in das Land der Medea eindrangen. Die Küste dieses Landes wurde bewacht von bis zur Brust in die Erde eingegrabenen Kämpfern. So eingegraben sind sie unbesiegbar. Sie sind unfähig zur Flucht. Allerdings sind sie auch ziemlich unbeweglich. So gelingt es Jason und seinen Gefährten, durch eine Lücke zwischen den Erdkämpfern nach Kolchis, in das Land der Medea, einzudringen.

"Riesen der Besonderheit"

Der Philosoph Hegel nennt diese Verteidiger – und auch ihr Vorbild Antäus – "Riesen der Besonderheit". Der Gegenpol dazu sei, urteilt Hegel, die Abstraktion: der Ehrgeiz von Eroberern, die Hochkunst des absoluten Überblicks, das Gegenteil der Verteidigung des eigenen Ackers – das Beutemachen.

Die russische Verteidigung im Jahr 1941 gegen die deutschen Panzerarmeen, die das Land überfielen, hatte anfangs Ähnlichkeit mit dem Verhalten der ortsfesten Erdkriegern in der Art der Wächter des Kolchis und des Antäus. Dann aber setzen sich diese "Erdenbürger" in Bewegung. Ihre Panzer vom Typ T-34 waren robuste Dieselfahrzeuge: Sie erinnerten an Ackerfahrzeuge, an für Kriegszwecke umgebaute Traktoren. Wie elegant denen gegenüber, am Ende aber für die Sümpfe und weiten Gelände Russlands ganz unpassend, die deutschen Panzerwagen, benzingetrieben. Fahrzeuge, die eher aus dem Rennwagensport zu kommen schienen. Zuletzt dann, mit immer mehr neuen Konstruktionen überfrachtet, unter dem Namen Königstiger, zu schwer für fast jede Art von Erdboden. Man bekam die Fahrzeuge über keine Brücke, keinen Bach mehr hinweg.

"Ich denke, indem ich male"

Daß Antäus im Index bei Marx mir sofort ins Auge fiel, liegt nicht nur an dem Buchstaben A. An diesem Sohn des Poseidon und der Erde kann man die zwei Zangen, welche die Zivilisation ausmachen, gut erkennen: einerseits hochfliegende Artistik, wie sie für den Fortschritt und zum Beispiel die Algorithmenwelt von Silicon Valley charakteristisch ist, sozusagen die Kunst auf dem Hochseil in der Zirkuskuppel. Auf der anderen Seite oder besser noch im Unterbau die menschliche Gegenwehr gegen den Höhenflug der Börsen, der Investoren, der Pensionskassen und der Bombengeschwader. Wenn eine Schraube im System fehlt, stürzt das in der Höhe fliegende Gebilde zu Boden. Das ist dann schon der Buchstabe I wie Ikarus. Die Dramatik unserer Zeit bewegt sich zwischen Artistik in der Höhe und Bodenhaftung. Die Kunst arbeitet mit beidem. Anselm Kiefer ist ein poeta doctus, ein gelehrter Dichter. Was der antike Mythos von Antäus berichtet und was Marx an diesem antiken Gott oder Dämon so interessant und spitzfindig findet, das steckt verschlüsselt in Kiefers Bildern. Kiefer argumentiert nicht mit Worten. Kiefer sagt von sich: "Ich denke, indem ich male".

"Die Tagebücher der Könige von Juda"

von Gila Lustiger

Niemand / zeugt für den / Zeugen

Paul Celan

Unter den 613 Geboten und Verboten der Tora verpflichtet das 122. Gebot dazu, Zeugnis abzulegen. Daher setzten die Könige von Juda den Bleistift immer wieder an. Die Könige von Juda schrieben, wohl wissend, dass sie die Kluft zwischen der Sprache, über die sie verfügten, und den Erfahrungen, die sie am eigenen Leib spürten, nicht würden überwinden können. Sie schrieben dennoch, weil es ihnen oblag zu schreiben. Wie hätten sie sich damit abfinden können, ihrer Toten nicht zu gedenken? Wie hätten sie darauf verzichten sollen, davon zu berichten, was ihnen widerfahren war?

Die Könige von Juda schrieben die Chronik der Stadt im Ghetto von Wilna.

Und im Warschauer Ghetto sammelten sie im Untergrund Zeugnisse.

Selbst auf der Todesinsel Auschwitz führten sie Buch. Durch eine besonders geschickte Hantierung gelang es ihnen, mit dem gewöhnlichen Bleistift Goldbuchstaben zu erzielen. Sie schrieben und jeder Buchstabe erschien rein und schön, tief geritzt und in vollkommenem Gold:

Tagebucheintrag Alisa Ehrmann Shek, Theresienstadt, 5.11.44

Morgen und übermorgen ist noch ein Tag, an dem man leben, denken, fühlen, aufwachen (sich freuen sogar? - über kleine Sachen) weitermachen muss - das ist so schwer… Ohne Hast mein Leben zu Ende zu leben, ohne Hast und ohne Resignation, nicht eilen, vergebens der Zeit etwas zu entreißen, denn die Zeit ist unerbittlich und all das so unbekannt und die Tage so gezählt und ihre Zahl so verschlossen. Es ist so schwer - vielleicht zu schwer.

Tagebucheintrag Victor Klemperer, 20.8.1942

Beim Waschen, Brausen, Rasieren: Wohin mit der Seife, wenn ‚sie‘ jetzt kommen. Dann Frühstück: alles aus den Verstecken holen, in die Verstecke zurücktragen. Dann das Klingeln der Briefträgerin. Ist es die Briefträgerin oder sind ‚sie‘ es? Und was bringt die Briefträgerin? Dann die Arbeitsstunden. Tagebuch ist lebensgefährlich; Buch aus der Leihbibliothek trägt Prügel ein, Manuskripte werden zerrissen. Irgendein Auto rollt alle paar Minuten vorbei. Sind ‚sie‘ es? Dann der Einkauf. In jedem Auto, auf jedem Rad in jedem Fußgänger vermutet man ‚sie‘.

Tagebucheintrag Viktor Slatkes, Arbeitskommando Kladno, 10.3.1942

Als ich am Fahrstuhl stehe, erscheint ein mir unbekannter Bergmann und sagt: ‚Greif in meine Tasche und nimm!‘ Er hatte da etwas in Zeitungspapier eingewickelt. Unten habe ich festgestellt, dass es zwei mit Fett bestrichene Brotscheiben waren. So sind die Bergleute! Deswegen fühlen wir uns unter ihnen wie Menschen.

Zeugenaussage Ruta Salpeter, Tochter von Naftali und Estera

Dann wurde Papa krank und konnte nicht mehr aufstehen. Einen Arzt gab es nicht. An diesem Tag brachte mir Papa bei, wie ich mich im Waisenhaus verhalten müsse. Er sagte, ich solle erzählen, mein Vater sei Schlosser gewesen und in den Krieg gezogen und nicht wiedergekehrt. Ich solle Halina heissen. Ich sagte, dass Lala auch ein guter Name sei. Und Papa erwiderte: nur reiche Leute würden ihrem Kind diesen Spitznamen geben. Bei Schlossern sei das ungewöhnlich.

Zeugenaussage Miklos Nyiszli, Auschwitz Sonderkommando

Der Kanada-Müllhaufen war ein ständig brennender Hügel. Auf ihm wurden Diplome, Urkunden über militärische Auszeichnungen, Reisepässe, Eheurkunden, Fotos, Gebetbücher, Gebetsgürtel, Toras, die die Deportierten von zu Hause mitgebracht hatten, (…) als unbrauchbarer Müll verbrannt. Die Bilder von Ehegatten, alten Eltern, niedlichen Kinderchen, schönen Mädchen verbrannten hier. Oft nahm ich eins der Fotos oder der Gebetbücher in die Hand, fast in jedem Buch fand ich Angaben über die Todestage der verstorbenen Eltern, gepresste Blumen.

Tagebucheintrag Béla Weichherz, vor Deportation nach Lublin/Majdanek, 6.6.1942

Am 1. April habe ich meine Stellung bei Rosenfeld verloren. Da ich nun das Hotelzimmer nicht mehr bezahlen konnte, übersiedelte ich zu Gabi ins Mansardenzimmer. Zum 15. November wurde Gabi die Wohnung gekündigt. Da zog ich zu Jozefin um. Nun muss ich aber auch von hier weg, denn auch hier wurde die Wohnung gekündigt. Seit März wohne ich bei Kalman – wieder in einem Mansardenzimmer. Es ist sehr klein, aber das Allernotwendigste habe wir: Vier Wände und ein Dach über uns.

Zeugenaussage Pola Szytz, geboren in Lwow

Eines Tages wollte jemand in unsere Erdhütte eindringen. Auf Deutsch rief er: ‚Herauskommen‘. Wir hatten Angst und regten uns nicht. Aber plötzlich hörten wir, dass die zwei über uns miteinander Russisch sprachen. Wir sprangen hinaus. Das Licht blendete. Zwei Jahre hatte ich in der Erdhütte verbracht. Ich war verdreckt, halbnackt und barfuss.

Zeugenaussage Edward Königsberg, Schüler der Grundschule NR 155, vierte Klasse, Lodz

Bei uns zu Hause wohnte der jüdische Maurer Trembowolski. Mama und Papa baten ihn, uns den Kaminschieber zu reparieren, weil er kaputt war. Ich fragte sie, was man mit dem Schieber macht. Und Mama sagte, dass wir einschlafen werden, sobald der Schieber repariert ist. Ich fragte sie, was geschehen wird, wenn wir einschlafen. Und Mama sagte, wir wachen nicht mehr auf. Ich fragte Mama, warum wir nicht mehr aufwachen. Und sie antwortete nicht. Da dachte ich, dass wir sterben. Ich fing an zu schreien, dass ich leben will. Als ich aufgehört hatte zu weinen, sagte Trembowolski, dass er den Kaminschieber nicht repariert und dass es vielleicht noch besser wird.

Zeugenaussage Szymon Slodowski, Ghetto Litzmannstadt

Das einzige Lachen im Ghetto war das von uns geschaffene. Es gab das Theater und das florierte im Ghetto. Da standen zum Beispiel zwei Schauspieler auf der Bühne.

Der eine dreht sich hin und her und sagt: ,Moshe, siehst Du eine Blume?’

Erwidert der andere, ihren Duft einatmend: ‚Ja. Ich sehe sie auch nicht.‘

Solche Dinge existierten trotz allem noch immer. Solche Blumen.

Tagebucheintragung Mois Pasi, Vidin, Bulgarien, 4. September 1944

Gestern, am Sonntag, sind wir in den Park gegangen, der an der Donau liegt. Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit sie uns verboten haben, den Park zu besuchen. Wir sitzen auf den Bänken, blicken auf die Donau und betrachten den Mond! Ein fantastischer Anblick, welch Schönheit!

Tagebucheintrag eines jüdischen Jungen im Ghetto Wilna, Donnerstag, 22. Oktober 1942

Die Bewohner geben unterschiedliche Antworten, aber an jedem Ort hören wir denselben, traurigen Ghetto-Refrain: Eigentum, Ausweise, Verstecke. Man hat Verwandte verloren, man hat Besitz verloren. Ich sitze am Tisch, stelle Fragen und notiere trocken und sachlich die größten Qualen. Ich schreibe, stochere in den Details herum und begreife gar nicht, dass es Wunden sind, in denen ich wühle. Die Frau, die mir antwortet, sagt ganz abgestumpft: ‚Man hat mir zwei Söhne und den Mann genommen – die Söhne am Montag, den Mann am Donnerstag…' Und all dieses Grauen, diese Tragödie, ist bei mir mit ein paar Wörtern abgehakt, kalt und trocken. Ich versinke in Gedanken, und die Wörter starren aus dem Papier, voller Feuer, voller Blut.

Tagebucheintragung Etty Hillesum, Durchgangslager Westerbork, Juli 1942

Gut, diese neue Gewissheit, dass man unsere totale Vernichtung will, nehme ich hin. Die eine Gewissheit darf durch die andere weder geschwächt noch entkräftet werden. Ich arbeite und lebe weiter mit derselben Überzeugung und finde das Leben sinnvoll, trotzdem sinnvoll.

"Thor und Mjöllnir"

von Gert Heidenreich

Nicht die geringste der Sünden,
die widerwärtigste, scheint mir,
ist jene, gewachsenen Mythos
in Dienst zu stellen eigener Macht;
die in den Gehirnen seit Urzeit
eingewachsenen Fäden, das
uns vertraute Rhizom, das eine
Ordnung war frühester Nachdenklichkeit:
dies zur Erhöhung zeitgenössischer
Herrschaft überzustreifen als eigenes
Kleid, sich darin mythisch zu recken.

So wird aus
den gewaltig hallenden Räumen
ungeheurer Gestalten und Taten,
aus wilder Erklärung der Welt und Angst
und Ehrfurcht vor dem Allesbeginn und
dem Allzerfallen der Welt,
so wird aus unserer tiefen Verbindung
mit denen, die den Anfang besangen,
angemaßte Verwandtschaft und
tödliche Willkür.

Thor. Sohn des Göttervaters Odin,
Blitzeschleuderer, Riesenbezwinger;
sein Hammer Mjöllnir, von den Zwergen
Sindri und Brokkr geschmiedet, kehrt nach dem Wurf
zurück in die Faust; im Himmelswagen
stürmt der Donnerer hin, gezogen von Böcken,
Tanngrisnir und Tanngnjóstr mit Namen,
wirft den Stern Aurvandill hinauf ins Gewölbe
und entgeht doch nicht dem Schicksal
der Welt und der Götter:

Die Endzeit dämmert auch ihm: Ragnarök.
Ewigem Fimbulwinter folgt
Weltenbrand: Sutr, der schwarze Riese,
entfacht ihn. Die Midgardschlange peitscht
den Ozean auf, will die Erde ertränken.
Thor tritt ihr entgegen, besiegt sie.

Doch erliegt er dem Gifthauch ihres Verröchelns,
der Hammer fliegt zurück in die kraftlose Faust,
entgleitet ihr, fällt. Der Fenriswolf
reißt sich los aus den Fesseln,
öffnet den vielzähnigen Rachen und
frisst die Sonne vom Himmel.
Der Mythos geraubt; missbraucht
von erbärmlichen selbsternannten Germanen.

Ein Weltuntergang reicht ihnen nicht.
Wieder schmückt das schwarzgewandete Pack sich
mit Thor, Odin und Freya; wieder
stehlen sie Runen und fühlen sich nordisch.
Wehrt euch, Götter und Riesen und
schreckliche Schlangen und Wölfe! Wer
sich erdreistet, den Hammer Mjöllnir zu werfen,
wird von ihm getroffen.

"Karfunkelfee" (3. Variante)

von Sibylle Lewitscharoff

Das Reich der Feen ist für gewöhnlich dem Reich der Kindheit zuzuordnen, in dem es von guten und bösen Damen märchenhafter Art nur so wimmelt. Feen sind eigentlich ätherische Wesen, ein wenig schwankend in ihrer Erscheinung, aber sie können zeitweilig auch die habhafte fleischliche Präsenz eines Menschen vortäuschen. Dass Anselm Kiefer ein besonders kindlicher oder kindverhafteter Künstler wäre, lässt sich allerdings nicht von ihm behaupten, dazu siedelt sein Werk viel zu sehr in einer opulenten Düsternis, gespickt mit Winken, die man als geschichtsversessen bezeichnen kann, insbesondere im Hinblick auf die deutsche Geschichte, auf die Katastrophen der beiden Weltkriege und die Ermordung der Juden. Nicht umsonst hat er einen Narren an altmodischem Kriegsgerät wie etwa ausrangierten und verrosteten Flugzeugen gefressen.

Seine Karfunkelfee ist weder eine gute oder böse Fee, denn sie ist vor allem eine höchst einsame oder entwichene Fee, von der nur das starre Brautkleid übrig ist. Korrekt müsste es heißen: Eine kurzärmelige, den Bildraum beherrschende Robe kündet von der vormaligen Existenz einer Fee, der Titel des Gemäldes nennt ihren Namen. Die Fee selbst ist aus dem Kleid entwichen. Wir sind also auf das Spurenlesen angewiesen. Tja, schwierig! War die Fee eine gute Fee, und ist sie gestorben? War sie eine böse, bräutlich gestimmte Verführerin und ist ebenfalls gestorben? Oder hat man sie umgebracht? Vergast, verbrannt, auf einen toten Feenhaufen der schmutzigen Geschichte geworfen? Oder ist das edle, feine Wesen es einfach leid, sich unter die nichtsnutzigen Menschen zu mischen und hat sich für immer und ewig hinwegbegeben in das von nun an für die Erdengeschöpfe verschlossene Reich der sublimen Geister?

Ach, muss man klagen, immer so viel Totgewirk auf den Bildern von Anselm Kiefer! All die Erdfarben, das Lehmverschmierte, die rostigen Überbleibsel, das Verbogene, die zu Schanden gekommenen Reste einer vormaligen Existenz, der vor sich hin rottende Technikkram aus geborstenen Maschinenteilen, welcher die Insignien des Todes mit sich führt, Landschaften, die öfter der abgeernteten Leere hingegeben sind als dem Blütenzauber (doch ja, es gibt sie auch in seinen Bildern, die Blühwiesen einer unverdrossen nach dem Leben gierenden Natur, die sich durchaus liebreich und schön ins Herz des Betrachters schwindeln). Aber das Stumme und Verlassene waltet vor. Ich finde die Bildtrauer einer vornehmlich menschenabwesenden Natur mit den Spuren einer untergegangen Kultur, die rätselhaften Schrott hinterlassen hat, höchst anziehend. Von einem Außerirdischen wären diese Reste im Übrigen schwer zu deuten, auch wir müssen uns fragen, von welcher Art des Lebens sie zeugen. Sprechen die Bilder die Sprache der gewesenen Menschheit?

Und was machen wir nun mit dem Brautkleid einer entwichenen Fee? Ihr nicht vorhandener, schön gelockter Kopf ist ersetzt durch ein schwerlastentes, querliegendes Objekt, etwa einem Buch – na ja, vielleicht keines von Anselm Kiefer, aber, wer weiß das schon und erkennt bei näherer Betrachtung vielleicht einen alten Himmels- und Sternenfolianten? Oder ist’s eine Schachtel gefüllt mit roten Edelsteinen, Blutsteinen, die einst die entwichene Karfunkelfee zierten? Edles Geschmeide, kündend von einer Welt, die ungleich größer und berauschender ist, als ein armes Menschlein von ihr denkt?

Wohl eher nicht. Auf den Bildern von Anselm Kiefer findet man eine sich selbst entleerenden Welt, obwohl, salopp gesagt, viel drauf ist. Blicke von fern und nah überkreuzen sich. Das will in weite Höhen hinauf und will hinab in den beengenden Untergrund der Erde. Mir ist natürlich unbekannt, wovon Anselm Kiefer in seiner Jugend geträumt hat und welche Traumtapfen sich davon auf seinen Bildern als anspielungsreiche Reste manifestiert haben. Sein Herzensstoff ist jedenfalls die Trauer angesichts des Zerstörten, Versunkenen und Angefressenen.

In einer etwas umständlichen Abwandlung des genialen Satzes von Gert Jonke Käme Herr Jesus, wäre er unser Gast ließe sich von den Bildern des Künstlers sagen: Würden die Antlitze der Menschen von den Funken der Erleuchtung strahlen, lebten wir in traulicher gottgewollter Schönheit und Harmonie. Auf unseren Gesichtern tut sich aber nichts dergleichen. Deshalb kann man auf das Abbild des Menschen weitgehend verzichten. Hut ab, Monsieur Kiefer, mir gefällt das!

Schutzpatronin aller LSD-Adepten meiner Generation?

Herrjeh! Um ein Haar hätten wir den Mohn vergessen. Den lieben roten Klatschmohn mit seiner stupenden Leuchtkraft und den interessanten Kernlein im Inneren der Blüte, aus denen sich halluzinogenes Hirnfutter für uns Menschen gewinnen lässt. Den Mohn, den Paul Celan in seinen Gedichten auf intrikate Weise feiert, weil er uns dem Tode näherbringt und damit die Scherereien, die das Leben bietet, verscheucht, indem er uns als halblebige Schwachmattikusse träumen oder bis in alle Ewigkeit entschlafen lässt. Auf einigen Bildern des Künstlers hat der Mohn seine volle Leuchtkraft bewahrt, der Karfunkelfee sind sie jedoch als tote, aufrechte Starrgebilde an der unteren Hälfte des Kleides befestigt. Der Mohn leuchtet nicht mehr, seine Samen sind womöglich schon aus der rissigen Hülle herausgefallen, um in einem sehr entlegenen Frühjahr in der staubtrockenen Erde eines Bildes zu keimen.

Oder hat die Fee sie in einer Schürze gesammelt und sie allesamt verputzt? Mit dem geheimen Ziel, zur Schutzpatronin aller LSD-Adepten meiner Generation zu werden? Feen wollen schließlich verehrt werden, wollen in blümeranten Phantastereien gewiegt werden, sonst kümmern sie dahin und verschwinden irgendwann auf immer und ewig.

O weh, jetzt müssen wir ein Thema ansprechen, dass dem Künstler und noch weniger seinen Sammlern gefallen dürfte, die Bilder von ihm zu Höchstpreisen erworben haben. Die Kunstwerke sind dem schnellen Verfall preisgegeben. Das merkt man am Geriesel der Partikel, die sich nach einem langen Museumstag unter den Bildern gesammelt haben. Schwer auf den Riesenflächen zu halten sind die Teilchen, schwer konservierbar, weil organische und anorganische Stoffe unter dem Aspekt eines traulichen Miteinanders über die Jahrhunderte hinweg nun mal nicht aneinander haften wollen. Das lebt und west und verdrängt seinen aus anderem Stoff gebildeten Nachbarn. Aus Sicht des Künstlers dürfte das wenig schlimm sein, weil er an das Fortleben der Menschen vermutlich ohnehin nicht glaubt. Vielleicht fasziniert ihn sogar der Gedanke, dass seine Bilder eine interessante zweite, dritte, vierte Schönheit preisgeben, während sie vor sich hin rotten und rieseln, längst nachdem die einstigen Käufer und ihre Nachfahren verstorben sind und sich die Natur in ihren edlen Gemäuern breit gemacht hat, während die Reste der Mauern sich dachlos gen Himmel recken. Ein Piero de la Francesca, ein Raffael, ein Giorgione, sie alle wären entsetzt gewesen bei der Vorstellung, dass ihre Werke nur wenige Generationen überdauern würden, sie setzten ihr technisches Können auch darein, möglichst haltbare Bildwerke zu schaffen, denn sie waren ja Gott höchstpersönlich zugeeignet, dazu da, Ihm bis in alle Ewigkeit zu gefallen.

Anselm Kiefer sucht nach den Spuren der Korrespondenz vertrockneter, verstaubter, verrosteter Gebilde mit der Welt – und findet sie: in den Häuten der Oberflächen, im Erdkrumenhaften, im faulenden Laub, in allem, was Rost ansetzen und sich verbiegen kann. Nicht wenige seiner Bilder haben allerdings den bestirnten Himmel zum Thema, einen von Sternen besäten, ja, fast zugewucherten Himmel, durch den eine vertrocknete Pflanze fliegt, oder dem sich schüttere Halme zurecken, die so ins Bild gesetzt sind, als würden sie mit letzter Kraft nach dem großen Oben Ausschau halten. Ich bin versucht zu sagen: Auch ein vertrockneter Stängel strebt nach Erlösung, zumindest in den Werken dieses Künstlers.

Würde man die Bilder von Anselm Kiefer ins Literarische übersetzen, müsste man von trockenen Luftwirbeln sprechen, die übers brache Land fegen, von quietschendem Gestänge, an denen Lappen oder verdreckte, mit Vogelschiss übersäte Brautkleider hängen, von Tälern, in denen das Dunkel haust, von unerbittlichen Todeszonen, in denen alles, was irgendwie noch zu sein scheint, nicht mehr auflebt, sondern zerbröselt und mit stummem Mahngeschrei unaufhaltsam vergeht, geknickt wird oder in Fetzen gerissen durch die Gegend fliegt, etwa Kleidchen und Jäckchen von Kindern, die bei Kiefer manchmal am Himmel entlangsegeln, nicht kitschig bunt, nicht frisch bunt, irgendwie schön, obwohl sonderbarerweise in grau gehaltener Sträflingsmanier, damit ja kein Gedanke mehr keimt, diese Kleidchen könnten alsbald die Körper lebendiger Kinder bedecken, die übermütige oder herzzerreißende Schreie gen Himmel senden. So viel Tod findet man selten im Werk eines Künstlers. Nach einigem Auf- und Niederschauen können wir allerdings entdecken, dass eine geduldige, langbemessene Lebensenergie darin steckt. Nein, nicht steckt, sondern in alle Winde verfliegt.

"Der Ungeborene oder Die Himmelsareale des Anselm Kiefer"

von Christoph Ransmayr

1

Der Friede, die Stille der Nacht… Friedlich! Als ob die über Lichtjahre und Lichtjahrmilliarden hinweg tobenden Gasorkane und atomaren Feuersäulen dort oben, dort unten, dort draußen!, diese elektromagnetischen Strahlenfluten und rotierenden Höllenöfen aus einer namenlosen Vergangenheit und in alle Richtungen davonjagenden, von Kernfusionen durchpulsten Wolkenfäuste aus sich verdichtender und wieder zerstäubender Materie…, als ob dieser ungeheuerliche Raum, durch den Spiralnebel und Sternhaufen wirbeln als kaum aufblitzende und schon wieder erlöschende Staubpartikel in einem eisigen Abgrund…, als ob dieses ganze rasende Schauspiel von der illusorischen Größe und Dauer einer Ewigkeit irgend etwas mit Geborgenheit, mit Frieden und Stille zu tun haben könnte!

2

Sonnen, Sternhaufen, Kometen durchschweben die Finsternis auf seinen Bildern, Asteroidenschwärme und kollidierende Galaxien - mit Emulsion auf das geölte Blei geschleudert, gesprengt, gemalt mit dem Gestus eines Schöpfers, Wasserfarben und Terpentinöl, unvermischbare, einander abstoßende Elemente auf bleiernem Grund zusammengeworfen und so zur Nachahmung jener chaotischen Kräfte gezwungen, die in der Tiefe des  Raumes die Hieroglyphen der Materie in die Unendlichkeit brennen.

3

Er begann mit dem Leichtesten und Schwersten, mit dem Entsetzen und mit dem Lachen in kleinsten und größten Maßstäben - zu spielen und malte nicht nur deutsche Wohnzimmer und Galeriewände sprengende Formate, sondern verstrickte auf seinen Fußböden auch miniaturisierte Armeen und bleierne Panzermodelle in wirre Feldzüge, ließ geschrumpfte Flotten in Zinkbadewannen zur Seeschlacht auffahren und zwischen Tischen und Stühlen Kriege ausbrechen als Karikaturen der ziellosen, endlosen Grausamkeit jenes Dramas, das er Geschichte nannte.

4

Er durchbohrte seine Gemälde mit Zweigen und Rosen, bewarf sie mit Sonnenblumenkernen, organischem Material, das Milben zum Fraß wurde und in den Höfen manchmal auch den Ratten. Auf die Leinwand geschleuderte Samenkörner, Milchstraßen, wurden von Käfern ausgehöhlt und regneten als schwarze, erloschene Sterne vom schwarzen Himmel. Dauer? Beständigkeit? Die Fragen verzweifelter Restauratoren ließ er unbeantwortet, lachte, wenn einer von ihnen einen Bilderzyklus in Gaskammern von Milben und anderen Parasiten befreien wollte oder Rosen zu züchten begann, um die aus den Gemälden schneienden Blüten zu ersetzen. Er wollte einen unfertigen, wartenden Himmel oder eine im Schnee versunkene Landschaft höchstens von Katzen gegen Ratten und Mäuse verteidigen lassen und bestand darauf, daß selbst eine Darstellung des Meeres immer auch eines zeigen sollte: den alles vernichtenden, alles fressenden Lauf der Zeit.

5

Er erschuf Bücher, ganze Bibliotheken aus Blei, Flotten aus Blei, bleierne Flugzeuggeschwader, Jagdbomber in naturnahen Größen, die mit hängenden Tragflächen als melancholische Vögel auf kahlen Museumsböden hockten. Und er ließ schwarz verhängte Säle mit bleiernen Betten möblieren, blaugrauen Schlafstätten, in deren Kuhlen nur Wasserlachen ruhten, die kaltes Licht in den Raum spiegelten.

6

Ein Freund des Bleis, gewiß. Blei überall, in seinen Lagern, seinen Ateliers, seinen Höfen, seinem Leben. Er brachte Kessel voll Blei zum Kochen und warf Felsbrocken in die brodelnde Suppe, um Steine im flüssigen Metall - schwimmen zu sehen. Schwimmende Steine! Blei, überall Blei, lateinisch plumbum, Symbol Pb, Ordnungszahl 82 in der Gruppe 14 des periodischen Systems, Schmelzpunkt 328 Grad Celsius, Siedepunkt 1744 Grad, Symbol des Saturn und der Melancholie. Und in der Menschheitsgeschichte eines der ersten, zum Töten und Schmücken gebrauchten Metalle.

7

Bleierne Rohre, Leitungen, Adern, Arterien, Sträuße aus Blei: Er erinnert sich an Kindheitsjahre, in denen in geborstenen Häusern alles bis dahin Behütete, Verborgene sichtbar wurde - rußgeschwärzte Tapeten, Betten voll Schutt, bodenlose Wohnzimmer, Treppenhäuser ohne Treppen und vor allem diese Leitungen, diese Rohre, die wie Adern, zerrissene Kapillargefäße aus den Mauerklüften zu quellen schienen. Die frischen Riß- und Schnittflächen hatten einen Silberton, der im Verlauf der Oxidation ins Grau, dann in die Farbe des Bleis und schließlich ins Blau härterer Metalle spielte.

8

Wie schön es war zwischen Ruinen: Der Maler, ein Kind, errichtete im umgepflügten Grund eines in Schutt liegenden Straßenzuges Gärten, erbaute Verstecke, Zufluchten  und Dämme aus gesplitterten Ziegeln und Scherben, speiste winzig Stauseen in Granattrichtern aus Regen- und Grundwasserrinnsalen und sah in Miniaturkatastrophen, Schlammlawinen, Muren, die über Bruchholz und verkohlte Balken sprangen, wieder alles zuschanden werden. Was für eine großartige Ausstellung der wirklichen Welt.

9

Wir alle, sagt er, setzen doch immer nur fort, was wir irgendwann früh, in unseren ersten Jahren begonnen haben, schachten Brunnen aus oder Tunnels, errichten Dämme und Häuser, graben Höhlen, deren Vorbilder wir tief in der eigenen Vergangenheit wiederfinden könnten, ziehen Gräben, Kanäle, fluten Senken, verwandeln Täler in Seen und werfen und würfeln alle Bauklötze irgendwann wieder durcheinander und beginnen von vorn und spielen und spielen immer weiter. Und leben doch im Ernst unserer Möglichkeiten, mitten im Drama unserer gewalttätigen Natur.

10

Über euren Städten wird Gras wachsen, so hat er eines seiner bleiernen Bücher überschrieben; und Gras wohl auch über sein Werk und über die Fundamente seiner Ateliers. Aber im Grün der Zukunft werden keine Schritte und keine menschlichen Stimmen zu hören sein. Über alles unter diesem Himmel, alle diese Wege, Straßen, schließlich in Trümmer und Scherben gefallenen Städte und in die Erde zurückgesunkenen Wälder wird Gras wachsen, bis nach dem Verschwinden der letzten Mauerreste alles wieder sein wird, wie es ohne uns war.

11

In den Gewölben unter seinem Atelier lagern Regalfluchten voll Kisten und Zinkschachteln mit Beschriftungen wie Trompetenbaumblüten, Braunes Menschenhaar, Wildschweinhufe, Hairachen, Gebrochenes Sägeblatt, Stechnelken, Disteln, Roßhaar, Kolibri, Säbelzahnfisch, Falsche Korallenotter, Steinbeißer, Lavendel… Hunderte und Aberhunderte Namen von Dingen, verdorrten Pflanzen und ausgestopften oder mumifizierten Tieren, Steinen, Muscheln - Material, das irgendwann zum Bestandteil eines Gemäldes, einer Skulptur wurde oder noch werden könnten oder frei von jedem Zweck im unablässigen Strom der Bilder in seinem Kopf dahintreibt, Strandgut, Flaschenpost aus der Unendlichkeit.

12

Auf einem seiner meterhoch, haushoch aufragenden Gemälde des Himmels erscheinen bleierne Hemdchen als ob sie im Wind einer fernen Sonne flatterten, manche kaum größer als die Finger einer Mädchenhand, andere in den Maßen von Neugeborenen oder Puppen, Hunderte bleierner Talare ans Firmament geheftet. Und inmitten zahlloser Namen von Himmelskörpern und Sternbildern, leuchtet auch der Titel derer in der Finsternis, für die diese Hemdchen genäht wurden: Die Ungeborenen. Die Vielfalt und Größe der Wirklichkeit, sagt er, verschwindet doch beinah vor den unendlichen Kolonnen der bloßen Möglichkeit; selbst die Zahl der Toten und der Geborenen - verschwindend, gemessen an der Zahllosigkeit der Ungeborenen und allem, was seine Gestaltung, Verwirklichung und Vollendung erst noch erwartet.