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Ein medizinischer Mitarbeiter impft mit einer Spritze einen Mann in einem thüringischen Kongresszentrum (Symbolbild).

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

Viele wollen sich gerade gegen das Coronavirus impfen lassen. Zum ersten Mal, um einen Impfschutz zu bekommen, oder um diesen mit einer Booster-Impfung aufzufrischen. Dazu gibt es jedoch viele Fragen. Ein Überblick zu den wichtigsten Antworten.

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Jan-Claudius HanikaJan-Claudius HanikaMoritz PomplMoritz PomplJeanne TurczynskiJeanne Turczynski
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Ist die Impfung von Kindern eigentlich sinnvoll? Hat die Booster-Impfung Nebenwirkungen? Lohnt es sich, auf einen Totimpfstoff zu warten? Oder auf einen Impfstoff gegen die Omikron-Variante?

Diese und weitere Fragen zur Corona-Impfung beantworten wir hier.

Bringt Impfen nichts, da Geimpfte auch andere anstecken können?

Tatsächlich können auch Geimpfte andere Menschen anstecken - allerdings viel seltener, als das Ungeimpfte tun. Geimpfte erkranken deutlich seltener, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen positiven PCR-Test haben, sinkt signifikant. Falls sie sich dennoch infizieren, können sie zwar genauso viele Viren ausscheiden wie Ungeimpfte. Die Zeit der Virusausscheidung ist aber bei Geimpften deutlich kürzer. Wie stark die Impfung die Übertragung des Virus tatsächlich reduziert, lässt sich laut Robert Koch-Institut (RKI) derzeit nicht genau in Zahlen bestimmen.

All das spricht dafür, dass Geimpfte sich selbst und auch andere vor einer Infektion schützen - letztlich auch die eigenen Eltern oder Großeltern. In Ländern mit höherer Impfquote zeigt sich, dass die Infektionszahlen und die Krankenhauseinweisungen deutlich unter denen in Deutschland liegen. Das entlastet die Intensivstationen, die bei uns derzeit teilweise am Limit arbeiten. Und: Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto geringer wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Virus-Varianten bilden können. Trotz Impfungen sind aber Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln wichtig, um Neuinfektionen zu vermeiden.

Fazit: Geimpfte können andere anstecken - allerdings in einem viel geringeren Maße als Ungeimpfte. Jeder, der sich impfen lässt, trägt damit zur Entlastung der Krankenhäuser bei.

Bringt Impfen nichts, da Geimpfte auch erkranken können?

Dass auch Geimpfte erkranken können, zeigt sich auf den Intensivstationen: Dort liegen derzeit, neben vielen jüngeren, meist Ungeimpften, auch ältere, meist geimpfte Personen. Sie sind trotz Impfung erkrankt, haben also einen sogenannten "Impfdurchbruch". Trotzdem haben die Impfungen dazu geführt, dass deutlich weniger Menschen schwer an Covid-19 erkranken. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass die Infektionszahlen derzeit viel höher sind als jemals zuvor - gleichzeitig sind aber deutlich weniger Menschen intensivpflichtig geworden. Die bisher zugelassenen Impfungen schützen also auch bei der Delta-Variante vor einem schweren Verlauf, und viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass das auch für Omikron gelten wird.

Trotzdem machen die Erkrankungen auch unter Geimpften klar: Die Schutzwirkung der Impfung lässt mit der Zeit nach - je nach Immunsystem bei dem einen schneller, beim anderen weniger schnell. Deshalb ist die einhellige Meinung der Wissenschaft: Es muss zügig geboostert werden. Dass bei Infektionskrankheiten nach einer zweimaligen Impfung nicht unbedingt für immer ein vollständiger Schutz besteht, zeigen andere Beispiele, etwa Hepatitis B oder Tollwut: Auch hier wird dreimal geimpft.

Je nachdem, wie sich der Erreger im Lauf der Zeit verändert, können auch regelmäßige Impfungen nötig werden, wie bei der Grippe. Das Beispiel Israel zeigt, dass die dritte Impfung die Zahl an Erkrankungen deutlich senken und eine Infektionswelle brechen kann.

Fazit: Geimpfte können zwar noch erkranken, allerdings deutlich seltener und in der Regel weniger schwer.

Warum soll ich mich impfen lassen, es gibt doch Medikamente gegen Covid-19?

Es stimmt: Parallel zu den Impfstoffen wird an neuen Corona-Medikamenten geforscht. Zwei Hoffnungsträger sind zuletzt vorgestellt worden: Paxlovid von der US-Firma Pfizer und Molnupiravir von der US-Firma Merck. Sie bekämpfen das Virus auf unterschiedliche Art. In Studien haben sie gezeigt, dass sie das Risiko für schwere oder tödliche Verläufe senken können. Dasselbe gilt für künstlich hergestellte Antikörper, die sich - als Infusion verabreicht - an das Virus dranheften und es unschädlich machen.

Allen Medikamenten ist allerdings gemein: Sie müssen in einer sehr frühen Phase der Erkrankung gegeben werden, im Idealfall in den ersten drei Tagen nach Symptombeginn. Viele Patienten gehen da noch gar nicht zum Arzt. Nur wenige Tage später hat die Verabreichung schon keinen Sinn mehr, weil dann nicht mehr die Virusvermehrung im Vordergrund steht, sondern eine überschießende Reaktion unseres Immunsystems.

Gleichzeitig sind für einige Präparate mögliche seltene Nebenwirkungen noch nicht ausreichend erforscht. Molnupiravir etwa gilt als fetotoxisch, also schädlich für ein ungeborenes Kind. Außerdem hat es im Tierversuch die Knochenbildung beeinträchtigt. Zudem gehen neuere Studien von einer deutlich geringeren Wirksamkeit aus.

Die Impfungen dagegen sind inzwischen milliardenfach erfolgreich angewendet worden - ihr Nutzen überwiegt bei weitem die möglichen, seltenen Nebenwirkungen.

Fazit: Die Medikamente ersetzen die Impfung nicht! Allzu schnell kann der richtige Moment für die Medikamenteneinnahme verpasst werden - bei gleichzeitig womöglich höheren Nebenwirkungen.

Sind die Impfstoffe ausreichend erprobt?

An der mRNA-Technik wird seit dreißig Jahren geforscht. Vor zehn Jahren wurden erste klinische Studien mit mRNA für die Krebstherapie durchgeführt. Die Sorge, die Impfstoffe könnten nicht ausreichend untersucht sein, ist unbegründet. Im Gegenteil, kein Impfstoff wurde so gründlich erprobt wie die Covid-19-Impfstoffe, die derzeit in Deutschland zugelassen sind. Bei jedem einzelnen Impfstoff nahmen Zigtausende Probanden an den Zulassungsstudien teil.

Viele der Teilnehmer zeigten Impfreaktionen wie Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle. Diese Reaktionen können aber bei jeder Impfung auftreten. Schwere Nebenwirkungen traten hingegen sehr selten auf. Sie wurden erst nach der Zulassung entdeckt, als sehr viele Menschen ihre erste Dosis erhalten hatten. Um solche Nebenwirkungen zu finden, werden die Impfstoffe auch nach ihrer Zulassung weiter beobachtet und mögliche Nebenwirkungen gesammelt.

Schwere Nebenwirkungen traten jedoch unmittelbar oder spätestens wenige Wochen nach einer Covid-19-Impfung auf. Es wurden aber keine Nebenwirkungen entdeckt, die erst nach Monaten auftraten. Nebenwirkungen, die erst Monate oder gar Jahre nach einer Impfung plötzlich auftreten, sind extrem unwahrscheinlich. Eine Impfung kann zwar in sehr seltenen Fällen einen Schaden anrichten, der lange anhält. So eine Nebenwirkung lässt sich aber auch ohne eine Langzeitstudie entdecken, denn sie tritt kurz nach der Impfung auf, nicht erst Monate oder Jahre später. Sicher ist aber schon heute, dass eine Covid-19-Erkrankung ein viel größeres Risiko für die Gesundheit ist als eine Impfung dagegen.

Machen die Impfstoffe unfruchtbar?

Seit Monaten kursiert im Internet das Gerücht, die mRNA- und Vektor-Impfstoffe gegen das Coronavirus könnten unfruchtbar machen. Das ist falsch, haben etliche Studien gezeigt. Während der Zulassungsstudie für den Impfstoff von Biontech zum Beispiel wurden 23 Teilnehmerinnen schwanger. Zwölf Frauen waren geimpft, elf hatten eine Placebo-Spritze bekommen. Eine Studie in Israel begleitete 36 Paare, die sich in einer Kinderwunschbehandlung befanden. Die Wissenschaftler verglichen die Zahl der Eizellen und Spermien und weitere medizinische Werte vor und nach der Impfung. Unterschiede konnten sie nicht feststellen. Auch sonst gab es weder vor noch nach der Zulassung der Impfstoffe Hinweise darauf, dass diese Unfruchtbarkeit auslösen könnten.

Begründet wird das Gerücht, die Impfstoffe könnten unfruchtbar machen, mit der Behauptung: Nach der Impfung würden Antikörper entstehen, die sich nicht nur gegen das Spike-Protein des Coronavirus wenden, sondern auch gegen das Protein Syncytin-1, das an der Bildung der Plazenta in der Gebärmutter beteiligt ist. Das ist falsch: Jede angebliche Ähnlichkeit zwischen dem Spike-Protein und dem menschlichen Protein Syncytin-1 wurde vollständig widerlegt, ist beim Robert Koch-Institut nachzulesen.

Außerdem müsste mit dieser Begründung auch eine Infektion mit dem Coronavirus unfruchtbar machen, denn auch dann bildet der menschliche Körper Antikörper gegen das Spike-Protein. Das wurde aber bisher noch nie beobachtet. Den Mythos "Unfruchtbar durch Impfen" gibt es übrigens schon lange und wird immer wieder verbreitet, zum Beispiel von Gegnern der Polio-Impfung in Nigeria und Pakistan. Doch auch bei anderen Impfungen ist die Angst, danach keine Kinder mehr bekommen zu können, unbegründet.

Wie wirkungsvoll sind Kreuzimpfungen?

Eine Kreuzimpfung erhält, wer bei der ersten und der zweiten Dosis unterschiedliche Impfstoffe bekommt. Bereits im Juli hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) zum Beispiel empfohlen, dass Menschen, die als erstes den Impfstoff von Astrazeneca erhalten hatten, als zweites einen mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna bekommen sollten.

Studien hatten gezeigt, dass der Schutz bei einer Kombination der Impfstoffe höher war als nach zwei Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca. Auch wer den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten hat, soll als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff erhalten. Die Europäischen Arzneimittelagentur EMA gibt derzeit keine definitive Empfehlung zur Kombination von Covid-19-Impfstoffen. Es gebe aber gute wissenschaftliche Gründe für die Annahme, dass so eine "heterologe Impfstrategie" sicher und wirksam ist. Das habe sich auch bei anderen Impfstoffen gezeigt.

Die Stiko empfiehlt für die Booster-Impfung einen der beiden mRNA-Impfstoffe. Wer also zuerst mit den Vektor-Vakzinen von Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde, bekommt bei der Auffrischungsimpfung eine Dosis von Moderna oder Biontech. Wer bereits die ersten Male einen der mRNA-Impfstoffe erhalten hat, soll laut Stiko wieder den gleichen Impfstoff bekommen. Pflicht ist das aber nicht: Falls der entsprechende Impfstoff nicht verfügbar ist, kann also auch der andere mRNA-Impfstoff benutzt werden. Die Impfstoffe bieten in allen Kombinationen einen guten Impfschutz. Dieser lässt mit der Zeit aber nach, deshalb sind Auffrischungsimpfungen notwendig.

Soll man besser auf einen Totimpfstoff warten?

Nein, auf einen Totimpfstoff zu warten lohnt sich nicht. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft zwar derzeit einige, die so bezeichnet werden. Wann sie aber zugelassen werden und in welchen Mengen sie dann tatsächlich zur Verfügung stehen, ist ungewiss. Das Warten kann also noch monatelang dauern. "Totimpfstoff" ist für diese Vakzine zudem eine sehr unscharfe Bezeichnung, denn sie unterscheiden sich stark voneinander. Die Impfstoffe von Novavax und Sanofi-GSK sind Peptid-Impfstoffe. Sie sind ganz anders aufgebaut, als die Ganzvirus-Impfstoffe von Valneva und Sinovac.

Es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass diese Impfstoffe sicherer, zuverlässiger oder in anderer Hinsicht besser sein könnten als die Impfstoffe, die bisher in Deutschland verwendet werden. Bei ihnen ist auch unklar, wann der Impfschutz eintritt, wie lange er anhält und wann Auffrischungsimpfungen notwendig sind. Bei den mRNA- und Vektor-Impfstoffen ist das hingegen bereits bekannt, denn sie wurden bereits milliardenfach verimpft. Deshalb wurden auch die Nebenwirkungen entdeckt, die nur einmal unter hunderttausend oder einer Million Menschen auftreten. Bei den noch nicht zugelassenen Impfstoffen stehen diese Erfahrungen noch aus.

Kommt ein Totimpfstoff für eine Booster-Impfung in Frage?

Auch die Impfstoffe, die bei der EMA vor der Zulassung stehen, erinnern bei einer Auffrischungsimpfung das Immunsystem an das Coronavirus. Im Normalfall spricht also nichts gegen Totimpfstoffe oder Peptid-Impfstoffe als Booster-Impfstoff. Allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt, denn es kann noch Monate dauern, bis sie tatsächlich verfügbar sind.

Warum wird vor der Impfung kein Antikörper-Wert bestimmt?

Antikörper-Werte sagen aus, ob der Körper mit einer Immunreaktion auf den Impfstoff reagiert hat. Hohe Werte sprechen für einen guten Impfschutz. Bei der Corona-Impfung gibt es noch keinen festen Antikörper-Wert, ab dem ein Impfschutz besteht. Das wird derzeit noch erforscht. Antikörper sind zudem nur ein Teil der Abwehr gegen das Coronavirus. An einem Antikörper-Wert lässt sich also nicht ablesen, ob eine Impfung notwendig ist oder nicht.

Was bedeutet es, wenn Antikörper deutlich weniger gegen die Omikron-Variante wirken?

Die neutralisierenden Antikörper, die nach einer Impfung gebildet werden, sind gegen die Omikron-Variante anscheinend deutlich weniger wirksam als gegen die Varianten, die bisher kursierten. Das zeigen erste Forschungsergebnisse, die heute (08. Dezember) veröffentlicht wurden. Die Mutationen der Omikron-Variante waren schon bekannt und ließen vermuten, dass die Impfungen wahrscheinlich zu einem schlechteren Schutz gegen die Infektion führen könnten.

In Experimenten zeigte sich, dass ein vielfach höherer Antikörperspiegel notwendig war, um die Omikron-Variante zu neutralisieren. Aber: "Die Ergebnisse zeigen ganz klar, dass auch die neutralisierenden Antikörper von Geimpften in der Lage sind, Omikron zu binden und zu neutralisieren. Die Impfungen sind also nicht nutzlos", sagt der Virologe Carsten Watzl. "Da dieser Schutz nicht nur auf den Antikörpern beruht, gehe ich aktuell davon aus, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung auch bei Omikron noch vergleichsweise hoch ist." Nun sei es aber notwendig, die Impfstoffe an die neue Variante anzupassen. Bei mRNA-Impfstoffen ginge das vergleichsweise schnell, bei den anderen Impfstoffen könne es aber deutlich länger dauern.

Biontech hat bereits angekündigt, falls nötig bis März einen Impfstoff gegen die Omikron-Variante verfügbar zu haben. Laboruntersuchungen hätten aber auch gezeigt, dass eine dritte Dosis des Biontech-Impfstoffs die Zahl der Antikörper deutlich erhöht. Selbst zwei Dosen würden noch Schutz vor schweren Erkrankungen bieten.

Lohnt es sich, jetzt auf den Omikron-Booster zu warten?

Nein. Die Omikron-Variante hat aber viele Mutationen, die sie von den Varianten unterscheidet, die bisher kursierten. Einige dieser Mutationen befinden sich am Spike-Protein des Virus, gegen den die derzeit zugelassenen Impfstoffe eine Abwehr aufbauen. Es ist daher möglich, dass die Impfstoffe gegen die Omikron-Variante nicht mehr so gut wirken wie gegen den Wildtyp und die späteren Varianten. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass die Impfstoffe nun völlig wirkungslos wären. Wahrscheinlich schützen die Impfstoffe weiterhin gut oder nur wenig schlechter vor schweren Erkrankungen und der Einweisung ins Krankenhaus.

Welche Wirkung die Omikron-Variante auf den Impfschutz hat, wird gerade erforscht. Möglicherweise werden die Impfstoffe tatsächlich an die Omikron-Variante angepasst. Dann kann es aber noch einige Wochen oder Monate dauern, bis diese tatsächlich verfügbar sind. Warten auf einen angepassten Impfstoff lohnt sich also nicht. Im Gegenteil: Eine Booster-Impfung erinnert das Immunsystem nochmal an das Coronavirus. Das bringt die Immunabwehr erneut in Stellung, auch gegen eine etwas andere Variante

Was ist bekannt über Nebenwirkungen bei Booster-Impfungen?

Für die Covid-19-Auffrischungsimpfung sind die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna zugelassen. Die Impfreaktionen nach der Booster-Impfung waren vergleichbar mit denen nach der zweiten Dosis, zeigten die Studien zur Zulassung der Auffrischungsimpfung. Dazu zählten Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen oder Schwellungen an der Einstichstelle, Fieber, Muskelschmerzen, Schüttelfrost.

Dieses Impfreaktionen traten in der Regel wenige Tage nach der Booster-Impfungen auf und hielten ein bis zwei Tage an. Schwere Nebenwirkungen zeigten sich nicht, auch keine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen. Dafür regt der Booster die Produktion von Antikörpern stark an und sorgt für deutlich mehr Schutz als nach den ersten beiden Dosen.

Muss ich mich jedes Jahr neu boostern lassen?

Das kann im Moment niemand sagen. Ob und wann Auffrischungsimpfungen notwendig sind, hängt unter anderem davon ab, wie lange die Pandemie noch anhält und ob sich neue Virusvarianten ausbreiten, bei denen die Impfstoffe weniger gut wirken. Möglicherweise reichen aber auch drei Impfstoffdosen für einen langjährigen Impfschutz, so wie bei FSME oder Hepatitis A. Es kann aber auch sein, dass, ähnlich wie bei der Grippe, saisonale Auffrischungsimpfungen notwendig sein werden, wenn sich eine neue Variante ausbreitet. Möglicherweise brauchen dann aber nur Menschen aus Risikogruppen eine weitere Impfung.

Ab wann wirkt die Corona-Impfung?

Ein erster Impfschutz tritt schon wenige Tage nach der ersten Impfdosis ein. Komplett ist der Impfschutz aber erst nach der zweiten Dosis.

Ist Alkohol nach der Impfung erlaubt?

Nach der Impfung sollte man mindestens einen Tag auf Alkohol verzichten. Wenn das Immunsystem damit beschäftigt ist, Antikörper zu bilden, sollte man es nicht zusätzlich mit Giftstoffen belasten. Der Alkohol kann auch die Wirkung des Impfstoffs reduzieren.

Ist Sport nach der Impfung erlaubt?

Moderater Sport ist nach der Covid-19-Impfung möglich und hängt vom eigenen Befinden ab. Auf intensives und/oder stundenlanges Training sollte man aber verzichten, weil dies Nebenwirkungen der Impfstoffe hervorrufen oder verstärken kann.

Kann man sich wegen der Impfung krank schreiben lassen?

Wer wegen Impfreaktionen oder Nebenwirkungen vorübergehend nicht arbeiten kann, erhält von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Was kann ich bei Nebenwirkungen tun?

Wenn nach der Impfung gesundheitliche Probleme auftreten, die über die erwartbaren Impfreaktionen hinausgehen, kann man sich an das Paul Ehrlich-Institut wenden. Auf dessen Webseite können Nebenwirkungen der Covid-19-Impfung gemeldet werden:

Ist die Impfung von Kindern eigentlich sinnvoll?

Impfungen trainieren das Immunsystem. Der Körper lernt Krankheitserreger so kennen und baut eine Abwehr gegen sie auf. Das funktioniert mit Impfungen besser als bei der Erkrankungen selbst, denn es treten weniger Komplikationen auf.

Bei der Coronavirus-Impfung sind zwei Aspekte zu berücksichtigen: der individuelle Schutz des einzelnen Kindes und der Schutz der Allgemeinheit.

Einerseits erkranken Kinder selten schwer an Covid-19. Weniger als ein Prozent der erkrankten Kinder muss ins Krankenhaus, von diesen wiederum nur fünf Prozent auf die Intensivstation. Allerdings ist noch vollkommen unklar, welche langfristigen Folgen eine Infektion bei Kindern haben kann. Zu diesen sogenannten Long Covid-Folgen zählt etwa das Entzündungssyndrom PIMS, von dem bisher jedoch nur wenige Fälle auftraten. Gerade sind die Inzidenzen bei Kindern aber extrem hoch. Daher gibt es die Sorge, dass auch die Zahl schwerer Verläufe zunimmt.

Auf der anderen Seite können Kinder das Virus übertragen und damit andere Menschen gefährden. Das bedeutet: Impfungen von Kindern schützen auch andere Menschen, besonders Risikopatienten. Das können zum Beispiel auch die eigenen Großeltern sein.

Es gibt auch die Argumentation: Bevor wir Kinder impfen, die persönlich nicht so viel davon haben, sollten wir erst einmal die Impflücken bei den Erwachsenen schließen, die sich impfen lassen könnten. Das ist in den vergangenen Monaten aber nicht gelungen.

Welche Daten gibt es über Impfungen bei Kindern?

Der Impfstoff von Biontech seit Ende November 2021 in der EU auch für Kinder von fünf bis 11 Jahren zugelassen. Grundlage für diese Entscheidung waren unter anderem die Ergebnisse einer Studie, an der rund 2.300 Kinder aus dieser Altersgruppe teilnahmen (und weiterhin teilnehmen). Sie erhielten im Abstand von 21 Tagen zwei Dosen des Impfstoffs oder zwei Placebo-Spritzen. Die tatsächlich geimpften Kindern bekamen ein Drittel der Impfstoff-Dosis für Erwachsene oder Jugendliche. In dieser Gruppe kam es danach zu drei nachgewiesenen Covid-19-Erkrankungen.

In der Placebo-Gruppe gab es 16 Fälle. Der Impfstoff zeigte damit eine Wirksamkeit von über neunzig Prozent. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht festgestellt. Es traten aber Reaktionen wie Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen auf. In den USA ist der Biontech-Impfstoff seit Ende Oktober 2021 für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Seitdem wurden dort bereits Millionen Kinder geimpft. In Israel ist das Vakzin seit Mitte November für Kinder ab fünf Jahren freigegeben. In Deutschland sollen die Impfdosen für Kinder ab 13. Dezember 2021 verfügbar sein. Bis dahin will auch die Stiko ihre Beurteilung verkünden.

Wer kann nicht geimpft werden?

Es gibt kaum Erkrankungen, die einer Corona-Impfung im Wege stehen. Wer gerade akut krank ist und Fieber hat, sollte sich nicht impfen lassen, sondern bis zur Genesung warten. Es gibt zwei sehr seltene Vorerkrankungen, bei denen von einer Impfung mit dem Vakzin von Astranzeneca abgeraten wird, nämlich ein Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) oder ein Kapillarlecksyndrom. In diesen Fällen soll ein mRNA-Impfstoff verwendet werden, so wie sie aktuell in Deutschland zur Booster-Impfung eingesetzt werden.

Meist ist eine Impfung jedoch möglich, zum Beispiel bei:

  • banalen Infekten, auch bei erhöhter Körpertemperatur
  • Krebserkrankungen
  • Rheumatologische Erkrankungen
  • Allergien (außer bei einer Allergie gegen einen Bestandteil oder mehrere Bestandteile des Impfstoffs)
  • Behandlung mit Antibiotika oder Kortisonpräparaten
  • Blutungsneigung oder Einnahme von Gerinnungsmedikamenten
  • Neurologische Erkrankungen wie etwa Multipler Sklerose
  • Chronische Erkrankungen wie Chronisch-Entzündliche Darmerkrankungen oder Nierenerkrankungen

In vielen Fällen ist die Impfung möglich, aber eventuell weniger wirksam. Das betrifft zum Beispiel Menschen mit einem unterdrückten Immunsystem. Aber auch Krebspatienten, die gerade eine Chemotherapie erhalten, oder Menschen mit einem transplantierten Organ sprechen auf die Impfung sehr unterschiedlich an. Bei manchen wirkt sie gut, bei anderen weniger

Behauptung: "Die Impfstoffe haben keine richtige Zulassung, sondern nur eine Notfallzulassung"

Die in der EU verwendeten Impfstoffe haben eine bedingte Zulassung. Laut der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA ist das eine Zulassung mit Auflagen. So gelten etwa strengere Überwachungsverfahren für die Produktion. Auch ist festgelegt, bis wann der Hersteller welche Daten an die EMA liefern muss. Darüber hinaus gibt es Pläne, in denen mögliche Risiken und Unsicherheiten analysiert werden, sowie monatliche Sicherheits-Updates.

Was steckt in den Impfstoffen drin?

Die Impfstoffhersteller müssen alle Inhaltsstoffe angeben, wenn sie ihr Vakzin bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zur Zulassung einreichen. Für den Impfstoff von Biontech steht die Liste der Bestandteile bei der EMA im "Beipackzettel" Auf Seite 15 unter Punkt 6, Pharmazeutische Angaben:

Sind die Nanopartikel der mRNA-Impfstoffe gefährlich?

Nein. Es gibt Nanopartikel zum Beispiel aus Kunststoff, die nichts in unserem Organismus zu suchen haben und Schaden anrichten können. Die Lipid-Nanopartikel, die als Transportmittel für die mRNA dienen, sind aber biologische Nanopartikel. Sie sollen in die Zellen eindringen, andernfalls wären die Impfstoffe nicht wirksam.

Kann das Coronavirus gegen die Impfstoffe resistent werden, so wie Keime gegen Antibiotika?

Nein. Antibiotika wirken ganz anders als Impfstoffe. Antibiotika sind Stoffe, die Krankheitskeime abtöten. Wenn sie nicht richtig oder zu kurz eingenommen werden, überleben die widerstandsfähigsten Keime und werden gegen ein oder mehrere Antibiotika resistent. Ein Impfstoff löst dagegen eine Immunreaktion im menschlichen Körper aus.

Er bildet also selbst die Stoffe, die gegen den Krankheitserreger wirken, zum Beispiel Antikörper. Es kann aber sein, dass sich ein Virus so verändert, dass ihn das Immunsystem nicht mehr erkennt. Dann muss mit einem angepassten Impfstoff neu geimpft werden. Ein Beispiel dafür ist das Grippevirus, gegen den jährlich neu geimpft werden muss.

Entstehen durch das Impfen neue und gefährlichere Virusvarianten?

Eine hohe Impfrate übt tatsächlich Druck auf das Coronavirus aus, sich zu verändern. Bei der ersten oder zweiten Welle ist es für ein Virus von Vorteil, möglichst ansteckend zu sein. Wenn aber ein großer Teil der Bevölkerung geimpft oder genesen sind, wird es für das Virus immer schwerer, ungeschützte Menschen zu finden, die es infizieren kann.

Dann sind Varianten im Vorteil, die der Antwort der Immunsystems möglichst gut ausweichen können. Das ist aber kein Argument gegen das Impfen, sondern dafür. Je mehr das Coronavirus in der Bevölkerung zirkuliert, desto mehr Gelegenheit hat es, zu mutieren und Varianten zu entwickeln. Wenn eine sehr große Zahl der Menschen geschützt ist, findet das Virus kaum noch Möglichkeiten, sich auszubreiten, und die Pandemie erlischt.

Warum soll ich mich als Genesener impfen lassen?

Wer eine Coronavirus-Infektion überstanden hat, gilt für sechs Monate als geschützt. Danach muss er oder sie sich einmal impfen lassen, um diesen Status zu behalten. Es gibt zwar Hinweise, dass eine durchgemachte Infektion etwas länger vor einer erneuten Infektion oder Erkrankung mit den bisher kursiernden Varianten schützt. Bei der Omikron-Variante könnte dies aber anders sein, darauf deuten aktuelle Daten hin.

Zudem waren Genesene bisher sehr unterschiedlich geschützt: Manche hatten noch lange nach der Erkrankung hohe Antikörperwerte, bei anderen waren diese niedrig oder gleich null. Antikörper sind zwar nur ein Teil des Immunsystems, geben aber einen Hinweis darauf, wie stark dessen Antwort ausgefallen ist. Wegen dieser individuellen Unterschiede sollte man sich nach einer gewissen Zeit wieder impfen lassen. Laut einer in der Fachzeitschrift Nature erschienenen Studie bietet die Kombination von Infektion und Impfung anscheinend sogar einen besonders hohen Schutz. Ähnliches wird aktuell auch bei Omikron vermutet.

Warum gibt es die Booster-Impfung erst nach sechs Monaten?

Zwischen den ersten beiden Dosen liegen bei der Corona-Impfung nur wenige Wochen. Die dritte Dosis, die Booster-Impfung, soll nach Rat der Stiko erst sechs Monate nach der zweiten Dosis stattfinden. Nur Menschen mit schwerer Immunschwäche werden innerhalb weniger Wochen zur Grundimmunisierung dreimal geimpft.

Trotz steigender Infektionszahlen ist es für die meisten Menschen nicht sinnvoll, wenn die Booster-Impfung schon nach deutlich weniger als sechs Monaten kommt. Das Immunsystem braucht nach der zweiten Impfung eine gewisse Zeit, um nachzureifen und seine Abwehr anzupassen. Kommt die Booster-Impfung zu früh, wird dieser Reifungsprozess unterbrochen und ihre Wirkung ist geringer. Es ist also besser, die sechs Monate Zeitabstand ungefähr einzuhalten. Auf ein paar Wochen kommt es dabei nicht an. Falls aber die bisherigen Impfungen wie befürchtet gegen die Variante Omikron deutlich weniger wirksam sind, sollte man möglichst bald zum Boostern gehen. Besonders diejenigen, die zu einer Risikogruppe gehören.

Sollen Schwangere sich impfen lassen?

Die Stiko empfiehlt Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel eine Impfung mit dem Impfstoff von Biontech. Das gilt auch für die Booster-Impfung. Die Schwangerschaft ist laut Robert Koch-Institut bereits an sich ein relevanter Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Die Impfung schützt vor schweren Verläufen und generell vor symptomatischen Coronavirus-Infektionen. Enge Kontaktpersonen von Schwangeren sollten sich ebenfalls impfen lassen.

Vielen Dank für Ihr großes Interesse und Ihre Fragen zum Thema Corona-Impfung. Wir hoffen, dass möglichst viele davon beantwortet werden konnten. Einige, die im Text oben nicht vorkamen, finden Sie möglicherweise nochmal unten im Mitschnitt unserer Sendung, in der viele weitere Fragen von Experten beantwortet wurden.

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Unter dem Motto "Gemeinsam gegen Corona" setzt der Bayerische Rundfunk am Mittwoch, 8. Dezember, einen Thementag rund um alle Fragen zur Impfung.

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