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Junger Mann bei der Corona-Schutzimpfung

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Was Sie über die Corona-Auffrischungsimpfung wissen müssen

Was Sie über die Corona-Auffrischungsimpfung wissen müssen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die dritte Corona-Impfung jetzt allen Menschen ab 18 Jahren. Neu ist auch: Der Booster kann jetzt bereits drei Monate nach der Grundimmunisierung erfolgen.

Redaktionelle Anmerkung (1.9.2022): Dieser Artikel ist inhaltlich veraltet. Neue Informationen zur Auffrischungsimpfung:

Rund 28 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits eine Corona-Auffrischungsimpfung erhalten. Studienergebnisse belegen die Notwendigkeit gerade bei älteren Menschen und Risikopatienten. Aufgrund der immer noch hohen Infektionszahlen und der sehr ansteckenden Omikron-Variante des Virus wollen sich auch immer mehr Jüngere das dritte Mal gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 impfen lassen. Dagegen spricht nichts, sagen Experten, auch wenn bei jüngeren Menschen der Impfschutz wegen der guten Immunantwort oft noch ausreicht. Doch für viele, die eine Auffrischungsimpfung haben wollen, sind noch einige Fragen offen. Hier wichtige Antworten zur Booster-Impfung.

Für wen ist eine Auffrischungsimpfung sinnvoll und wann?

Seit 18. November 2021 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen Personen ab 18 Jahren die Covid-19-Auffrischimpfung. Und seit 21. Dezember 2021 können über 18-Jährige laut Stiko die Booster-Impfung schon ab dem vollendeten dritten Monat nach Abschluss der Grundimmunisierung erhalten. Einzige Ausnahme: Wer bei der Erstimpfung den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen hat. Hier empfiehlt die Stiko eine Optimierung der Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff ab vier Wochen nach der Erstimpfung. Diese zweite Impfung reicht allerdings noch nicht, um den Status "geboostert" zu bekommen. Das heißt: Bei einer Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson ist die Grundimmunisierung erst nach einer weiteren Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gegeben. "Geboostert" ist man dann erst nach einer dritten Impfung, die - wie sonst auch - mit einem mRNA-Impfstoff erfolgt.

Die Bayerischen Impfzentren können nach BR-Informationen bereits jetzt Booster-Impfungen ab drei Monaten nach der zweiten Impfung anbieten. Bei freien Kapazitäten können Bürgerinnen und Bürger demnach einen Termin für eine Auffrischimpfung mindestens drei Monate nach der Zweitimpfung im Impfzentrum vereinbaren. "Um dort nicht abgewiesen zu werden, ist es wichtig, dass der Bürger bei der Terminvereinbarung auf die Einhaltung des zeitlich empfohlenen Impfabstandes achtet", so ein Ministeriumssprecher.

Ab wann ist in Bayern die Booster-Impfung gültig?

Mit anderen Worten: Ab wann entfällt die Testpflicht für Geboosterte? Immerhin haben die Gesundheitsminister der Länder beschlossen, dass sich Geboosterte nicht mehr testen lassen müssen, beispielsweise wenn sie Konzerte oder Theateraufführungen besuchen. Aber ab wann gilt das? Schon ab dem Tag der Impfung? Denn an diesem Tag kann man ja das Zertifikat bereits in die App hochladen.

Klares "Nein". Man muss 15 Tage warten. Das hat Gesundheitsminister Holetschek (CSU) erklärt. Denn nach rund zwei Wochen besteht erst der volle Impfschutz. Also gilt: Die Testpflicht entfällt erst 15 Tage nach der Boosterimpfung. Diese Testbefreiung greift allerdings nicht in allen Bereichen. In Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen medizinischen Einrichtungen müssen sich auch dreifach Geimpfte weiter testen lassen.

Wird die Booster-Impfung für Schwangere und Stillende empfohlen?

Die Stiko empfiehlt Schwangeren und Stillenden die Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff. Seit 18. November 2021 gibt es in der aktuellen Beschlussvorlage der Stiko auch die Empfehlung zur Auffrischimpfung für Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel.

Warum ist eine Auffrischungsimpfung sinnvoll?

Die Auffrischungsimpfung schützt noch besser vor einem schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung als die bloße Grundimmunisierung. Zahlen einer Studie aus Israel machen das deutlich: Von über 700.000 doppelt Geimpften, die an der Untersuchung teilnahmen, kamen 231 Menschen trotz Impfung mit einer SARS-CoV-2 Infektion ins Krankenhaus. Von der gleichen Anzahl an Studienteilnehmern, die eine Auffrischungsimpfung erhalten hatten, kamen hingegen nur 29 Menschen ins Krankenhaus.

Die zuletzt veröffentlichten Studien zeigten, "dass Booster-Impfungen vor allem bei Älteren, also über 60-Jährigen, die Wahrscheinlichkeit schwerer Covid-Verläufe, also auch Krankenhausaufnahmen, um über Faktor 10 reduzieren", bestätigt auch Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum rechts der Isar, im BR-Podcast.

Wo bekomme ich meine Auffrischungsimpfung?

Die Auffrischungsimpfung kann man beim Hausarzt bzw. bei der Hausärztin oder in Impfzentren sowie bei mobilen Impfteams durchführen lassen.

Muss ich mich für die Auffrischungsimpfung anmelden?

Sowohl für eine Auffrischungsimpfung beim Hausarzt bzw. der Hausärztin als auch für eine Impfung im Impfzentrum ist eine vorherige Anmeldung sinnvoll. Für einen Termin zur Auffrischungsimpfung in den kommunalen Impfzentren empfiehlt das Bayerische Gesundheitsministerium ausdrücklich, "zur besseren Planbarkeit und zur Vermeidung von Wartezeiten" diesen unbedingt vorher online unter www.impfzentren.bayern oder telefonisch unter der bundeseinheitlichen Telefonnummer 116 117 - täglich erreichbar von 8.00 bis 22.00 Uhr - zu vereinbaren.

Das Bayerische Gesundheitsministerium verweist aber gleichzeitig auf die Sonderaktionen "Impfen ohne Termin" der Impfzentren, bei denen ein Impfen auch ohne Termin möglich ist.

Muss ich für die Auffrischungsimpfung zahlen?

Nein. Die Auffrischungsimpfungen sind - wie alle anderen Corona-Schutzimpfungen - kostenlos.

Ist ein Antikörpertest vor der Auffrischungsimpfung sinnvoll?

Geimpfte haben in der Regel mehr Antikörper als Genesene, stellte Ralf Wagner, Professor am Institut für Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Regensburg, in einem jetzt veröffentlichten Interview mit dem BR klar. Und trotzdem gibt es derzeit noch nicht genügend Studien, die belegen, ab welchem Antikörper-Wert ein ausreichender Schutz gegen das Coronavirus vorhanden ist und wann nicht mehr, kritisierte unter anderem Andreas Bobrowski, erster Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, Anfang November2021 in einem BR-Interview.

Generell einen Antikörpertest vor einer Auffrischungsimpfung zu machen, ist daher nach Ansicht der meisten Experten viel zu aufwendig und wegen der spärlichen Datenlage wenig sinnvoll.

Welchen Impfstoff erhält man bei der Auffrischungsimpfung?

Verimpft wird bei der Auffrischungsimpfung entweder der Impfstoff von Moderna oder der von Biontech, also ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Das gilt auch für Impflinge, die vorher das Vakzin von Astrazeneca oder Johnson & Johnson bekommen haben.

Unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde, soll für die Auffrischimpfung ein mRNA-Impfstoff verwendet werden, so die Stiko in ihrer Stellungnahme vom 18. November 2021.

Ab wann wirkt die Booster-Impfung?

Die Auffrischungsimpfung entfaltet nach derzeitigem Kenntnisstand laut Paul Ehrlich-Institut (PEI) den vollen Schutz fünf bis sieben Tage nach der Impfung.

Treten bei der Auffrischungsimpfung neue Nebenwirkungen auf?

Bisher sind bei den Auffrischungsimpfungen keine neuen Nebenwirkungen bekannt. Lokale Reaktion, wie etwa Schmerzen bei der Einstichstelle, sollen nach derzeitigen Erkenntnissen aus der Impfkampagne in den USA bei der Auffrischungsimpfung etwas häufiger auftreten als bei den Impfungen zur Grundimmunisierung.

"Tatsächlich sind die Nebenwirkungen im Bereich dessen, was man von den ersten Impfungen kennt", so Christoph Spinner im BR-Podcast.

Wie häufig ist die Booster-Impfung notwendig?

Ärzte gehen derzeit davon aus, dass nach der Boosterung ein sehr viel längerer Impfschutz einsetzt. Da es sich bei SARS-CoV-2 aber um eine Atemwegserkrankung handelt, werden sehr wahrscheinlich Auffrischungen nötig sein. Allerdings "hoffentlich nicht alle sechs Monate, sondern jedes Jahr oder später", sagt Christoph Spinner im BR-Podcast "Corona-News" vom 23. November 2021.

Bildrechte: picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Dr. Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie / Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

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