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Verschiedene Firmen haben inzwischen Medikamente für die Behandlung von Covid-Erkrankten vorgestellt. Noch ist keines von ihnen in der EU offiziell zugelassen. Doch welche Möglichkeiten bieten die neuen Präparate vielleicht schon bald?

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Corona-Medikamente: Was Paxlovid, Molnupiravir und Co. können

Mehrere Medikamente gelten im Kampf gegen Covid-19 derzeit als vielversprechend: Paxlovid von Pfizer und Molnupiravir von Merck. Außerdem verschiedene Antikörper-Therapien. Remdesivir von Gilead ist in der EU schon länger zugelassen. Ein Überblick.

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Veronika BräseVeronika Bräse
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Bei einer Covid-19-Infektion können im Laufe der Erkrankung verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen. Zu Beginn helfen antivirale Wirkstoffe, die Virusvermehrung im Körper einzuschränken. Später können Entzündungen durch Cortison-Präparate wie Dexamethason abgemildert werden.

Der erhöhten Blutgerinnsel-Bildung, die bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 auftritt, setzt man blutgerinnungshemmende Medikamente entgegen. Auch für die Lunge gibt es Mittel, die einer Vernarbung der Lunge entgegenarbeiten. Auch ein Asthmaspray zeigt gute Wirkung. Derzeit sind vor allem antivirale Wirkstoffe im Gespräch.

Pfizer-Pille Paxlovid schützt am besten vor schwerem Verlauf

Den größten Erfolg bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten verspricht bisher das antivirale Medikament des US-Pharmakonzerns Pfizer. Laut einer vom Unternehmen durchgeführten Studie reduziert die Einnahme des Medikaments das Risiko einer Krankenhauseinweisung oder eines Todesfalls um 89 Prozent. An der Studie waren mehr als 1.200 Erwachsene beteiligt, die sich mit dem Coronavirus infiziert und aufgrund von Vorerkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hatten.

Die Kombinationsbehandlung mit Paxlovid besteht aus drei Tabletten, die zweimal täglich eingenommen werden müssen. Das Medikament ist ein sogenannter Polymerase-Hemmstoff. Das heißt, "es hemmt ein spezifisches Enzym in Coronaviren, das benötigt wird, um Coronaviren zu vermehren", sagt der Münchner Infektiologe Christoph Spinner in der Podcast-Reihe des Bayerischen Rundfunks. Pfizer hat für Paxlovid am 16. November 2021 eine Notfallzulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt.

Antivirale Tablette Molnupiravir von Merck halbiert das Risiko

Molnupiravir gibt es ähnlich wie Paxlovid in Tablettenform. Molnupiravir verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren und bremst damit die Weiterentwicklung von Covid-19 ab. Einer klinischen Studie des Herstellers Merck Sharp & Dohme zufolge halbiert das Medikament bei infizierten Patienten das Risiko einer Krankenhauseinlieferung und eines tödlichen Krankheitsverlaufes.

Zugelassen wurde das Medikament für Menschen, die mindestens einen Risikofaktor für die Entwicklung eines schweren Krankheitsverlaufs aufweisen, darunter ein unterdrücktes Immunsystem, Übergewicht, hohes Alter, Diabetes und Herzerkrankungen. Molnupiravir wurde bereits am 11. November 2021 in Großbritannien zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA begutachtet das Medikament derzeit. "Im Idealfall sollte dieses Medikament in wenigen Wochen zugelassen werden", sagt Spinner.

Remdesivir von Gilead verkürzt Krankenhausaufenthalt

Remdesivir wurde bereits am 3. Juli 2020 in der EU zugelassen. Laut einer US-Studie mit rund 1.000 Covid-Patientinnen und Patienten konnten diejenigen, die Remdesvir per Spritze erhalten hatten, das Krankenhaus nach durchschnittlich elf Tagen verlassen. Die Kontrollgruppe, die ein Placebo bekam, verließ die Einrichtung erst nach 15 Tagen.

Auch die Sterblichkeit verringerte sich durch das Medikament. "Für schwer Erkrankte macht diese Studie Hoffnung, schneller und sicherer von der Infektion genesen zu können", so Kölner Infektiologe Gerd Fätkenheuer.

Notfallzulassung für Antikörper-Therapie Ronapreve und Regkirona

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am 12. November 2021 den Weg für die Zulassung von zwei neuen Medikamenten gegen Covid-19 frei gemacht: die Antikörper-Therapie Ronapreve des Schweizer Pharmaunternehmens Roche sowie das Mittel Regkirona des Herstellers Celltrion aus Südkorea.

Ronapreve eignet sich für Corona-Infizierte ab dem Alter von zwölf Jahren, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Damit wurde im Oktober 2020 auch der frühere US-Präsident Donald Trump nach seiner Corona-Infektion behandelt. Das Mittel Regkirona sollen Erwachsene mit einem hohen Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf bekommen, die an Covid-19 erkrankt sind, aber noch keinen Sauerstoff benötigen. In den USA und in Europa gibt es für diese Fälle schon eine Notfallzulassung der Arzneimittelbehörden. Auch die WHO empfiehlt die Antikörper-Cocktails zur Vorbeugung gegen schwere Verläufe.

Antikörper-Therapie von Astrazeneca mildert schwere Covid-Verläufe

Seit 14. Oktober 2021 prüft die EMA die Zulassung eines Antikörper-Cocktails von Astrazeneca. In einer klinischen Studie zeigte sich, dass er das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf um die Hälfte reduziert, wenn das Mittel innerhalb von sieben Tagen nach Beginn der ersten Symptome mit einer Spritze verabreicht wird.

Das Medikament besteht aus zwei Antikörpern, die sich gegen das Sars-CoV-2-Virus richten. Im Gegensatz zu einer Impfung sind die Antikörper vor allem für Menschen wirksam, deren Immunsystem nicht so gut funktioniert.

Fazit: Die Zahl der vielversprechenden Medikamente bei Covid-19 steigt. Dennoch seien sie kein Ersatz für Impfungen oder fürs Boostern, warnen Experten. Verhaltensregeln, Impfungen und Medikamente sollten beim Kampf gegen die Pandemie Hand in Hand gehen.

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