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Fürs Klima mit Holz heizen? Aiwangers Tipp im Faktencheck | BR24

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Abgesägte Äste und Stämme (Symbolbild)

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    Fürs Klima mit Holz heizen? Aiwangers Tipp im Faktencheck

    Erst stehen Holzöfen in der Kritik, weil viel Feinstaub anfällt. Jetzt empfiehlt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Holz für die "Wärmegewinnung" besser zu nutzen – aus CO2-Gründen. Doch wäre das wirklich gut fürs Klima? Ein #Faktenfuchs.

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    Der CO2-Kreislauf bei Holz funktioniert nach folgendem Prinzip: Wenn ein Baum wächst, nimmt er CO2 aus der Atmosphäre auf. Wenn er verrottet oder verbrannt wird, gibt er genau diese Menge an Kohlendioxid wieder ab.

    Seit Wochen plädiert Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) für eine intensivere Nutzung von Holz als Energieträger - weil das in Bezug auf CO2 sinnvoll sei. "Wir nutzen Holzabfälle oder dürre Bäume, um Energie zu erzeugen. Das haben die Menschen bereits vor 10.000 Jahren gemacht", sagte er beispielsweise in seiner Regierungserklärung am Mittwoch. "Wir haben Wälder, in denen dürre Bäume herumstehen und vor sich hingammeln sowie CO2 freisetzen. Diese Bäume gehören verheizt, damit wir Energie erzeugen können, anstatt Öl zu verheizen."

    Auch auf Twitter bekäftigte er seine Position - und löste damit in dem sozialen Netzwerk eine kontroverse Debatte aus.

    Wie sinnvoll ist das Heizen mit Holz in puncto Klimaschutz?

    Betrachtet man den CO2-Kreislauf von Holz isoliert, dann stimmt ein Teil von Aiwangers Tweet, nämlich dieser: "Wenn Holz ungenutzt verfault, setzt es genauso viel #CO2 frei, als wenn es zur Wärmegewinnung verbrannt wird." Aber nur unter einer Bedingung, wie Horst Fehrenbach, Diplombiologe beim ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, erklärt: "Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. CO2-neutral ist der Verbrauch nur dann, wenn er nicht über dem liegt, was in derselben Zeit nachwächst". Deswegen ist das Heizen mit Holz nicht automatisch klimafreundlich.

    So einfach, wie die Rechnung bei Aiwanger klinge, sei sie nicht, heißt es beim Umweltbundesamt (UBA). Die Zusammenhänge seien sehr komplex. Grundsätzlich ist es laut UBA besser, Holz nicht energetisch zu nutzen. Als Schrank zum Beispiel speichert Holz dauerhaft CO2 - und es entweicht eben nicht wieder in die Atmosphäre. Wesentlich besser sei es, weniger Energie zu verbrauchen.

    Wie viel Holz kann dem Wald entnommen werden?

    Die Frage, wie viel Wald man stehen lässt und wie viel für Holzscheite, Papier oder andere Nutzung geschlagen wird, entscheidet die Forstwirtschaft. Fehrenbach verweist auf eine Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die ein mit dem Naturschutz verträgliches Maß an Energieholz für Deutschland ermittelt hat. "Die Verwendung von Holz als Energieträger hat in den letzten zehn Jahren und insbesondere seit der 2008 von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende stark zugenommen. Dadurch ergeben sich potentielle Zielkonflikte zwischen Energiepolitik und Naturschutz", heißt es darin. Die Menge Holz, die zur Energiegewinnung aus deutschen Wäldern entnommen wird, ist demnach fast doppelt so hoch, wie für den Natur- und Umweltschutz empfehlenswert wäre. "Wir sind hier schon über das Limit hinaus", so der Experte vom ifeu-Institut.

    Anders sieht das Herbert Borchert von der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising: "Wir haben jetzt auf jeden Fall noch einen Zeitraum von gut 20 Jahren, wo wir aus dem Vollen schöpfen können, weil wir so viel Holz in den Wäldern haben. Dann gehen die Nutzungsmöglichkeiten zurück." Allerdings würden dann auch Häuser saniert sein, Dämmungen besser und der Energieverbrauch insgesamt geringer. "Also, als eine Brückentechnologie sollte man Holz nicht verdammen, sondern durchaus hernehmen", sagte Borchert in der BR-Sendung "Gut zu wissen" zum Thema Heizen. Denn das Ende der Ölheizung ist beschlossene Sache: Ab 2026 dürfen keine neuen mehr installiert werden.

    Totholz hat ökologische Funktion

    Aiwangers Aufforderung, Holz besser zu nutzen, könnte im Kontext des gesamten Tweets so ausgelegt werden, dass nur Totholz fürs Heizen benutzt wird, das sonst "ungenutzt verfault".

    In einem Hintergrundpapier des UBA steht hingegen ganz eindeutig: "Die direkte energetische Nutzung von Waldholz (Starkholz) bietet unter dem Aspekt Klimaschutz keine Vorteile." Aber auch: "Wald-Restholz, das nicht effizient stofflich nutzbar ist, geeignetes Altholz, Landschaftspflegeholz usw. können durch den Ersatz (die Substitution) fossiler Brennstoffe einen gewissen Beitrag zum Klimaschutz leisten."

    In den vergangenen Jahren haben sich laut Bundesamt für Naturschutz die Totholzmengen in deutschen Wäldern von 11,6 auf 13,7 Kubikmeter pro Hektar Wald erhöht. Wenn man die Veränderung der Totholzdefinition bei der Bundeswaldinventur 2012 gegenüber 2002 berücksichtigt, so hat sich der Totholzanteil fast verdoppelt. Das sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen aus der Bundeswaldinventur.

    Doch inwiefern diese Menge von Totholz ausreicht, um Ölheizungen zu ersetzen, ist offen. Zudem kann auch beim Heizen mit Holz zusätzliches CO2 entstehen - anders als Aiwanger behauptet. "Man sollte generell darauf achten, Holz aus der Region zu verwenden - denn je länger der Transportweg ist, desto mehr Treibstoff wird auch verbraucht, was wieder schädliche Umweltwirkungen mit sich bringt", heißt es beim UBA.

    Zum anderen ist die Entnahme von Totholz ein ökologischer Eingriff. Denn auf Totholz siedeln sich zum Beispiel Pilze oder Moose an, und langfristig wird das alte Holz zu Humus zersetzt. Es ist Teil des Wald-Ökosystems. Nicht nur das Bundesamt für Naturschutz, sondern auch Forstexperten warnen vor dem Konflikt zwischen Nutzung und Förderung von Totholz.

    Holzheizen produziert Feinstaub

    Heizen mit Holz produziert zudem Feinstaub. "Pelletöfen habe zwar noch vergleichsweise gute Werte", sagt Fehrenbach, "aber gerade Scheitholzöfen verursachen eine massive Belastung mit Feinstaub." Dieser kann schädlich für die Gesundheit sein, wie zum Beispiel das UBA hervorhebt. Dass es gesund sei, Holz zu verbrennen, wie Aiwanger behauptet, ist also nicht haltbar.

    Holz könne Kohle, Gas oder Öl nur zu einem Teil ersetzen, erklärt Fehrenbach. Für den Umstieg auf regenerative Energie müssten eher Wärmepumpen und Solarthermie in Betracht gezogen werden.

    Fazit

    Es stimmt, dass Holz, wenn es verrottet oder verbrannt wird, genauso viel CO2 freisetzt, wie es während seines Wachstums aufgenommen hat. Damit das Heizen mit Holz klimaneutral - im Sinne von Treibhausgasen - ist, dürfte der Verbrauch aber nur so hoch sein, wie das Wachstum an Holz in der gleichen Zeit ist.

    Bei den Experten gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie viel Holz dem Wald entnommen werden kann, ohne dass das Gleichgewicht gestört wird. Sonst nicht verwertbares Restholz energetisch zu nutzen, kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dabei kommt es jedoch darauf an, welches Holz und wie viel davon genutzt wird. Ein großer Minuspunkt beim Heizen mit Holz, vor allem bei Scheitholzöfen, ist der hohe Ausstoß an Feinstaub.