"Richard III" in Regensburg "Warum haben solche Scheusale immer ihre Mitarbeiter?"

Erst mordet er, dann greint er, und das auch schon auf vielen tausend Bühnen. Wer Shakespeares Richard den Dritten inszeniert, braucht also einen eigenen Zugang – so wie Regisseur Georg Schmiedleitner am Theater Regensburg.

Stand: 11.11.2021

Theater Regensburg zeigt populäres Shakespeare-Stück | Bild: Martin Sigmund/Theater Regensburg

Sein Winter des Missvergnügens muss wirklich ziemlich grauslich gewesen sein, denn König Richard III. erweist sich nach diesem Winter als ziemliches Monster: Er mordet und schändet sich bis ganz nach oben und jammert dann am Ende, weil er kein Pferd findet, das ihn aus dem Schlachtengetümmel rettet. Düster, dieses Shakespeare-Drama "Richard III" – Georg Schmiedleitner hat es jetzt am Theater Regensburg inszeniert.

Peter Jungblut: Am Ende ist er ja ein Jammerlappen, der Richard. Aber vorher lässt er es ganz schön krachen…

Georg Schmiedleitner: Ja, das ist ja so bei den Herrschern und Diktatoren, dass sie nicht loslassen können. Viele Herrscher, viele Despoten können ja nicht zurücktreten, auch in unserer Zeit. Wir kennen das aus der Literatur, aber auch aus der tatsächlichen Politik, dass der Abschied von der Macht so schwierig ist.

Er ist ein großer Demagoge, dieser Richard. Eigentlich ist er ein Scheusal – aber er kann so charmant und raffiniert sein, dass er buchstäblich jeden um den Finger wickelt. Das muss man sich erst mal draufschaffen.

Das beschreibt es ganz gut. Wichtig ist ja bei Richard, dass wir nicht eine Scheusal-Show machen. Das ist ja keine Zombie-Show, die man da inszenieren soll, sondern man sollte natürlich auch die Hintergründe und die Mechanismen der Macht zeigen. Wieso sagen irgendwann alle zu? Warum arbeiten alle mit ihm und wollen mit ihm die Macht anstreben? Das ist ja das Verwunderliche. Warum haben solche Scheusale eigentlich immer zum richtigen Augenblick ihre Mitarbeiter – das versuchen wir rauszukitzeln. Wie alle irgendwie doch zustimmen, obwohl es ganz klar ist, dass er ein Scheusal ist, obwohl er am Anfang ganz klar sagt, was er will.

"Man muss die Kunst schon wieder anders disponieren, damit man die Realität nicht nachmacht" - Regisseur Georg Schmiedleitner

Sie werden das Stück sicherlich nicht im Mittelalter spielen lassen. Welche politische Ära schwebt Ihnen vor?

Wir haben eigentlich ein großes Kind vor uns. Ein Kind, das sich dauernd verändert, dass sich dauernd so kleidet, wie es ihm am besten scheint. Wir haben eine grelle, bunte Welt, eigentlich eine überzogene Welt. Wir heben uns ein bisschen ab von der Realität, denn eines muss man auch sagen: Die Realität ja so nahe an den Richard gerückt, dass man eigentlich kaum mehr aktualisieren kann. Ich als Österreicher weiß das jetzt ganz besonders. Viele Dialoge und Situationen haben sehr mit dem Chatverlauf von Herrn Kurz zu tun. Wenn man die österreichische Politik anschaut, mit welcher Chuzpe und Brutalität da Politiker abserviert worden sind, da bleibt einem der Atem stocken. Es gibt da ganz ähnliche Dialoge bei Richard!

Man kann wirklich sagen: Die Realität holt fast die Kunst ein – und man muss die Kunst schon wieder anders disponieren, damit man die Realität nicht nachmacht. Wir wissen es von Herrn Trump und anderen, die haben schon das Mittel der Groteske gewählt. Da muss man sich etwas einfallen lassen – und wir übersteigern‘s. Wir zeigen ein Kind. Wir zeigen aber auch das Grelle in einer ganz unangenehmen Form, das ist unser Zugang.

„Richard III“ am Theater Regensburg – Premiere am 13.11.21, zehn weitere Aufführungen bis Anfang Januar. Das Gespräch haben wir geführt für unsere Sendung "kulturLeben" auf Bayern 2.