Ruth Bader Ginsburg Notorious: Warum wir alle mehr sein sollten wie R.B.G.

Notorius R.B.G. wurde sie genannt. Entstanden ist der Spitzname für die verstorbene Juristin Ruth Bader Ginsburg im Netz – angelehnt an den Rapper Notorious B.I.G. Was man tun muss, um als 80-Jährige zur Kultfigur des Internets zu werden.

Von: Simone Stern

Stand: 21.09.2020

Ein Bildnis von Juristin Ruth Bader Ginsburg mit dem Spruch "I dissent" versehen und von Blumen umgeben | Bild: picture-alliance/dpa

Ruth Bader Ginsburg war "notorious" – also berüchtigt. Weil sie so hartnäckig widersprochen hat. Sie setzte sich für Gleichberechtigung und gegen Geschlechterdiskriminierung ein und das mehr als 60 Jahre lang. Damit begonnen hat sie in einer Zeit, als die Diskriminierung noch so offensichtlich war, dass nicht mal der missgünstigste Mann hätte sagen können: "Hört auf zu jammern, ihr habt doch schon alles und das bisschen Unterschied ist doch auch nicht so schlimm." Eine (paraphrasierte) Aussage mit der sich junge Feminist*innen gerne mal rumschlagen dürfen, weil: Ist ja schon super viel erreicht worden.

Ziemlich allein unter Männern

Stimmt auch, aber natürlich nicht wegen solcher Mansplainer. Danken müssen wir dafür Vorreiterinnen wie Ruth Bader Ginsburg. Die hat 1954 begonnen als eine von neun Frauen Jura in Harvard zu studieren – mit knapp 500 Männern. Sie hat einen Top-Abschluss gemacht und auch nicht aufgegeben, als niemand eine Frau einstellen wollte – mochte sie noch so qualifiziert sein. Ruhig, aber bestimmt zeigte sie Haltung und kämpfte für die Rechte von Frauen und Minderheiten, ab 1993 auch als Richterin am Obersten Gerichtshof. Erst die zweite, die es in diesem Amt bis dato gab.

R.B.G. war #inspo

Aber erklärt das, warum junge Menschen weltweit wissen, wer sie ist? Vor allem, wenn die wenigsten deutschen Millennials und Generation Y und Zler wohl auch nur eine Richterin am Bundesverfassungsgericht namentlich nennen könnten? Klar, ein Hollywoodfilm ("Die Berufung", 2018) und eine Oscar-nominierte Doku ("RGB - ein Leben für die Gerechtigkeit", 2018) über die Biografie Bader Ginsburgs halfen dabei.

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the.spinsters "When I'm sometimes asked 'When will there be enough (women on the Supreme Court)?' and my answer is: 'When there are nine.' People are shocked. But there'd been nine men, and nobody's ever raised a question about that."⁠ ⁠ RIP Ruth Bader Ginsburg, a true icon 👊🏻⁠ ⁠ …………………..⁠ To receive our intelligent WOMENSLETTER bursting at the seams with deliberately selected media that’s empowering, inspiring, engrossing, humourous, or incredibly useful for women who live alone - go to Link In Bio and sign up 👆🏿 We’d love to have you 🤝⁠ .⁠ Love Katy & Hannah

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Love Katy & Hannah | Bild: the.spinsters (via Instagram)

Aber vielleicht ist die Antwort auch einfach: Wir kennen sie, weil sie cool war und mit ihrem Image und späten Internet-Ruhm kokettierte. Den Vergleich mit Rapper Notorious B.I.G., den eine Studentin ab 2013 über einen Blog etablierte, fand sie toll: "Wir kommen ja beide aus Brooklyn", sagte sie. Bader Ginsburg machte ihre Spitzenkragen zum Trend und hat mit über 80 Jahren noch ein krasseres Fitness-Programm durchgezogen als die meisten von uns mit Mitte 20. Sie war #inspo in allen Belangen.

Gleichzeitig übergab sie der jüngeren Generation Ziele, die jetzt als markige Zitate im Netz geteilt werden:

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The Female Lead “When I'm sometimes asked when will there be enough women on the Supreme Court and I say, 'When there are nine,' people are shocked. But there'd been nine men, and nobody's ever raised a question about that.” #RBG 💙💙 https://t.co/E8AbQHF1sH

“When I'm sometimes asked when will there be enough women on the Supreme Court and I say, 'When there are nine,' people are shocked. But there'd been nine men, and nobody's ever raised a question about that.” #RBG 💙💙 https://t.co/E8AbQHF1sH | Bild: the_female_lead (via Twitter)

Opernfan und Opernstar

Mich hat die Richterin am meisten mit etwas anderem beeindruckt: 2015 las ich einen Artikel über die komische Oper "Scalia/Ginsburg" von Derrick Wang. Sie handelt von Ruth Bader Ginsburg und ihrem Kollegen am Supreme Court, Antonin Scalia, der 2016 verstarb. Die beiden waren eine personfizierte Antithese: die eine von einem Demokraten (Bill Clinton) ins Amt geholt, der andere von einem Republikaner (Ronald Reagan), die eine klein, zurückhaltend, der andere groß und laut. Ruth Bader Ginsburg sagte über die Verfassung: "Denken Sie an 1787 zurück. Wer waren 'Wir, das Volk'? Sicherlich waren es keine Frauen, es waren sicherlich keine Menschen, die in Knechtschaft gehalten wurden. Das Geniale an unserer Verfassung ist, dass sich das 'Wir' in mehr als 200 turbulenten Jahren immer mehr erweitert hat." Scalia war hingegen ein Vertreter des Originalismus, also der wortwörtlichen Auslegung der Verfassung. Kurz: sie liberal, er konservativ. Beide waren aber auch große Opernfans. Und Freunde.

Haltung statt Hass

Man könnte es natürlich eine kitschige Binse nennen. Aber wenn wir heute etwas brauchen, sind es meiner Meinung nach mehr Menschen mit Haltung UND der Fähigkeit sich nicht in Differenzen zu verbeißen. Wozu das führt, sieht man nämlich wiederum im Netz: Filter-Bubbles links und rechts, viel Geschrei, Hass und null Diskurs. Eines der vielen RBG-Zitate, die bei Instagram zum Gedenken geteilt wurden, war: "Fight for the things that you care about, but do it in a way that will lead others to join you." Also für die Dinge kämpfen, die einem wichtig sind. Aber so, dass es andere zum Mitmachen motiviert. Würden wir uns alle doch mal an diese Inspiration zur Handreichung halten.