Smart Cities Das traute Heim als Datenkrake

Die eigene Wohnung denkt mit dank Sensoren und Künstlicher Intelligenz. Das war aber nur der erste Schritt. Überall auf der Welt entstehen erste vernetzte Stadtteile. Ein Fluch oder ein Segen?

Stand: 07.08.2020 | Archiv

Aus dem Film A Space Odyssey - in einem futuristischen Setting liegt ein halbnackter Mann, der TV schaut | Bild: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Der Journalist und Architekturkenner Niklas Maak hat einen Roman geschrieben über den Ingenieur Turek, der Smart Cities verwirklichen soll: "Technophoria". Darin schildert er Szenen von technischem Größenwahn und menschlichem Kontrollverlust. "Der Umbau all unserer Städte in Smart Cities ist eigentlich das größte ökonomische Programm seit Erfindung des Kapitalismus", sagt Maak. "Man kann sagen, am Ende all dessen, was der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, der Industriekapitalismus, ökologisch angerichtet hat, kommt jetzt der ökologische Umbau der Städte. In dem alles rausgerissen wird aus den Städten, was da verbaut wurde. Von Fassaden, Dämmungen, Straßen, Autos – alles, was in den letzten 100 bis 200 Jahren hineingestellt wurde, muss raus und wird ersetzt durch eine Palette von neuen Produkten. Das ist natürlich ein absurd großer Markt." 

Beispiel Toronto: Ein Stadtteil sollte von Google ökoeffizient gebaut werden. Die Bürger hätten mit ihren Daten bezahlen müssen. Das Projekt wurde im Mai 2020 gecancelt. Sind wir demnächst Gefangene in unseren smarten Häusern. Das einst so traute Heim wird zur alles erfassenden Datensammelmaschine. "Das Ziel der ganzen smarten Technologien ist ja, dass man den Menschen, wenn man es freundlich sagt, seine Wünsche von den Augen oder aus den Gedanken abliest. Unfreundlicher oder realistischer müsste man sagen: Das Ziel ist, ihn komplett vorausberechenbar zu machen. Die Internetkonzerte wollen schon wissen, was wir übermorgen wollen – und erzählen uns dann auch, was wir wollen. Das heißt der Preis dieser ganzen Komfort- und Sicherheitstechnologien ist, dass wir in unserer freien Entscheidung immer mehr gehindert werden." 

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Niklas Maaks fantastischer Roman "Technophoria" | ttt | Bild: ttt - titel thesen temperamente (via YouTube)

Niklas Maaks fantastischer Roman "Technophoria" | ttt