Music, Makers & Machines Den Synthesizer ins Wohnzimmer holen

Das digitale Museum "Music, Makers & Machines" widmet sich der elektronischen Musik. Man kann Studio-Spaziergänge unternehmen, mit historischen Videos in die Pionierzeit des Genres reisen – und sich selbst ans Instrument stellen.

Von: Quentin Lichtblau

Stand: 10.03.2021 | Archiv

Elektro-Pionier Isao Tomita am Synthesizer | Bild: picture alliance / AP

Es ist der 29. Dezember 1874 in einer kleinen Kirche im US-Staat Illonois, als elektronische Töne erstmals vor Publikum erklingen. Der Erfinder Elisha Gray präsentiert seine neueste Entwicklung, er sitzt an einer kleinen Klavier-Tastatur, hinter die er ein Dutzend Spulen montiert hat. Das Ganze nennt er "The Musical Telegraph". Und tatsächlich, wenn Gray die Tasten drückt, produziert das Gerät Töne, etwas schief, aber durchaus zuzuordnen, erzeugt nicht durch Saiten, Felle, oder Luftströme, sondern aus der elektrischen Schwingung der Spulen. Der Synthesizer ist geboren. Und auch wenn das Prinzip der schwingenden Oszillatoren danach erstmal wieder in Vergessenheit gerät, ist es dann 100 Jahre später das dominante Prinzip für innovative, futuristische Musik.

Für alles, was zwischen den Erfindungen von Menschen wie Elisha Gray, Elektro-Pionieren wie Karlheinz Stockhausen oder Daphne Oram, dem Synthpop der Achtziger und der heutigen Allgegenwärtigkeit elektronischer Sounds in Pop, Rap oder Techno passiert ist, gibt es jetzt ein digitales Museum: "Music, Makers & Machines" nennt sich die Website, ein Google-Projekt, erstellt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem WDR, dem Musikmagazin Groove und verschiedensten Leihgebern und "echten" Museen – wie dem Stadtmuseum Berlin, das die "coolste Tür" der Techno-Geschichte in 3D beisteuert.

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Tresor Door in 3D | Bild: Google Arts & Culture (via YouTube)

Tresor Door in 3D

Ballroom bis Berghain

Die Fülle erschlägt den Besucher zunächst einmal, ist aber dann doch in für jedes Alters- und Nerdigkeits-Niveau geeignet: Neben Schautafeln und Videos zu sämtlichen Pionierinnen der elektronischen Musik, die übrigens auffällig häufig Frauen waren, kann man hier etwa digital durch die Studios von Legenden wie der Krautrock-Formation CAN wandeln. Oder die elektronisch geprägten Clubszenen zwischen den Soundsystemen von Jamaika bis zur queeren Ballroom-Szene New Yorks oder der Berliner Club-Institution Berghain erkunden. Oder sich einfach direkt per Augmented Reality einen Synthesizer ins Wohnzimmer holen und ihm ein paar Melodien entlocken – wie etwa den Arp Odyssey, mit dem zum Beispiel der kühle Basslauf in "Fade To Grey" der Band Visage eingespielt wurde.

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Google Deutschland Lust auf eine Runde elektronische Musik? Verwandelt mit dem neuen @googlearts Experiment #ARSynth euer Zuhause in ein Studio und mixt eure eigenen Beats an legendären Synthesizern! ⏩ https://t.co/0Dr6zybUYp #MusicMakersMachines https://t.co/kAvppm3ow7

Lust auf eine Runde elektronische Musik? Verwandelt mit dem neuen @googlearts Experiment #ARSynth euer Zuhause in ein Studio und mixt eure eigenen Beats an legendären Synthesizern! ⏩  https://t.co/0Dr6zybUYp #MusicMakersMachines https://t.co/kAvppm3ow7 | Bild: GoogleDE (via Twitter)

Wer also den Kindern die Entstehungsgeschichte von Rapbeats näherbringen will, oder den Eltern das "Techno, das ist doch nur seelenloses Bum Bum"-Vorurteil nehmen, sollte sich einen Nachmittag freinehmen und dem Museum einen Besuch abstatten. Der Eintritt ist kostenlos.