"Peace Or Love" Harmonischer Perfektionismus: Das neue Album der Kings of Convenience

Die King of Convenience sind zurück! Nach 12 Jahren hat das norwegische Indie-Folk-Duo wieder ein neues Album veröffentlicht und kann es kaum erwarten, wieder auf Tour zu gehen.

Von: Tobi Ruhland

Stand: 18.06.2021 | Archiv

Die Kings of Convenience sind nach 12 Jahren mit einer neuen Platte zurück | Bild: Universal Music

Nicht, dass der Rotschopf Erlend Øye rot anläuft vor Ärger, aber das mögen er und Bandkollege Eirik Glambek Bøe so gar nicht, wenn sie als "Scandi Simon & Garfunkel" bezeichnet werden, also die Simon & Garfunkel von Skandinavien. Die Kings of Convenience lehnen diesen Vergleich ab, weil er nicht passt. Weder hätten sie was mit Ernte-Feld-Idylle, noch mit dem Kommentieren sozialer Verhältnisse am Hut. Gabs denn wenigstens bandinterne Hahnenkämpfe und Beschimpfungen wie seinerzeit bei Simon & Garfunkel, die die lange Bandpause erklären würden?

"Wir könnten Euch jetzt eine dramatische Trennungs-Geschichte auftischen", sagt Eirik Boe, "dass jeder einen eigenen Weg einschlagen wollte und wir uns dann doch wieder zusammengerauft und uns nach dem gemeinsamen Musikmachen gesehnt haben. Aber das würde nicht stimmen." Die Wahrheit sei viel langweiliger: Seit dem letzten Kings of Convenience Album von 2009 habe man sich einmal jährlich getroffen und an neuen Liedern gearbeitet. Der Song Rocky Trail, den Eirik bereits 2012 geschrieben hat, war so eine Art Einladung an Erlend, das Projekt neues Album konkret anzugehen.

"Peace OR Love" – ein Tippfehler?

Es stimmt schon: Es ist fast ein bissl wurscht bzw. musikalisch nicht wirklich unterscheidbar, ob "Rocky Trail" von 2021, 2012 oder 2001 stammt – der Song hat alle Kings of Convenience-Songelemente beisammen. Fröhlich harmonisch wird im Zweigesangs-Gemurmel von gebrochenen Herzen und Verzweiflung erzählt. Insofern fühlt sich Erlend Oye eher in der Tradition des Bossa Nova – inhaltlich wie musikalisch. Denn auch im Bossa Nova sei es die Essenz, rhythmische Musik ohne Schlagzeug oder Percussion zu erzeugen.

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Kings Of Convenience - Rocky Trail | Bild: KingsOfConvenienVEVO (via YouTube)

Kings Of Convenience - Rocky Trail

Welche Dramen sind es nun, über die die Kings of Convenience auf ihrem neuen Album singen? Haben die beiden Norweger im Hippie-Unterricht in der Schule nicht richtig aufgepasst? Da wurde doch Peace & Love gepredigt. Und nun nennen sie ihr Album "Peace OR Love", Friede oder Liebe. Ein Tippfehler?

"Du kommst in deinem Leben manchmal an einen Punkt, wo Du Dich entscheiden musst: entweder oder", resümiert Eirik. Liebe sei eine dynamische und sich ständig verändernde Kraft. Frieden wiederum setze Vorhersagbarkeit und Stabilität voraus. Beides gleichzeitig können man nur selten haben. Friedlich in Liebe zu leben, das komme schon auch vor, aber eben ganz selten.

Kings of Zeitlosigkeit

So ikonisch der Titel der Debütplatte – "Quiet is the new loud" – so unpassend erscheint der Bandname: Kings of Convenience. Die Könige der Bequemlichkeit. Das sind die beiden ja nun wahrlich nicht. Das neue Album haben sie fünfmal aufgenommen, jeder Song existiert in zig Versionen. Erlend Oye scheint geradezu besessen von dem Ziel, fröhliche Musik zu machen, die nicht langweilt.

Ein Wunder sei es, betont Eirik, dass die Freundschaft mit Erlend über all die Jahre gehalten habe. Und ein Wunder ist es vielleicht nicht unbedingt, aber schon ein großes Kunststück, dass man sich beim Hören der neuen Songs sofort 20 Jahre zurückversetzt fühlt. Und zwar auf die angenehmste Weise. Die Band ist eine zweistimmige Harmoniekapsel: die Kings of Zeitlosigkeit. Und mindestens einer von ihnen ist auch noch der King of Ruhelosigkeit: Erlend Oye.

Die corona-bedingte Bühnenpause und der Lockdown hätten ihn depressiv gemacht. Er müsse wieder auf Tour, sagt er. Koste es, was es wolle: "I personally will take the risk of dying for going on this tour but I cannot stay at home for the rest of my life." Wie gesagt, Bequemlichkeit klingt anders.

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