Museum Brandhorst Lucy McKenzie und ihr großartiges Spiel mit der Malerei 

Ein täuschend echter Himmel, der auf einer Wand gemalt ist: Lucy McKenzie ist bekannt für ihre Bilder, die mit der künstlerischen Tradtion der Augentäuschung spielen. Und die mit viel Humor danach fragen, wie Frauen dargestellt werden - und wie nicht.

Von: Martin Zeyn

Stand: 12.11.2020 | Archiv

Zwischen ihren nackten Beinen zieht eine Frau eine Menstruationstasse hervor, aus der sich ein dreifarbiger Regenbogen erstreckt | Bild: Lucy McKenzie, Museum Brandhorst, Els Verhaeghe

Ihre Technik wirkt auf den ersten Blick altmodisch. Eine starke Inspirationsquelle ist die illusionistische Wandgestaltung, die den Außenraum nach innen holt: Himmel, Pflanzen und Tiere möglichst realistisch abbilden und dabei den Stuck und die Türen einbeziehen. Der Marmor ist so genau wiedergeben, dass einem geradezu kalt wird beim Anschauen. Aber wer genau hinsieht, bemerkt Fallen. Auf den Himmel sind Steckdosen gemalt, auch Passagen, wo die Wandbemalung wie gealtert aussieht, die Eingangstür ist in der Mitte abgeschnitten. Die Illusion des Himmels wird als Illusion, die Menschen über Jahrhunderte geliebt haben, vorgeführt.

"Ich mag Detektivgeschichten, die eine klare Absicht haben und ganz klare literarische Mittel, dank derer die Geschichte mit all ihren Tricks und Täuschungen funktioniert. Genauso funktioniert auch meine Malerei."

  

Neben der Geschichte der Malerei interessiert McKenzie auch, wie Dekoration wirkt - sie baut alte Ladengeschäfte nach oder ein Büro in faschistischer Ausstattung. Hinreißend komisch ist ihre Präsentation von pornografischen Comics oder Graffitis.  McKenzie erzählt spannend und überaus klug eine alternative Geschichte des Bildes. Die war lange und für die allermeisten Künstler (Frauen waren, so viel wir wissen, eine Ausnahme!) eine dienende Kunst, sollte vor allem dekorativ sein und den Geschmack und den Reichtum des Auftragsgebers dokumentieren. Und sie machte Frauen zu Objekten, als möglichst nackter Bildgegenstand. Beim Betrachten der Ausstellung drängt sich die Frage auf, wo sich Pornografie und Kunst möglicherweise überschneiden. Etwa in der größten Arbeit der Ausstellung: drei übereinander gehängte Leinwände, die eine kopflose nackte Frau zeigen, die eine Menstruationstasse herauszieht. Flächig gemalt wie in der Pop Art oder in der kommerziellen Grafik in den 70. Aber damals eben kein Bildgegenstand, weil immer noch fast nur Männer Frauen darstellten.

Die Künstlerin Lucy McKenzie

Zwar haben etwa die russischen Avantgardist*innen (unter denen gab es tolle Künstlerinnen) am Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus angewandt gearbeitet, aber dieser Teil ihrer Arbeit stellt in der Kunstgeschichte nur eine Randnotiz dar. Zeit also, das trompe l'oeil und andere Techniken der Täuschung neu zu bewerten! 

Aktuell stellt Lucy Mckenzie im Münchner Museum Brandhorst aus (im Moment, wie alle Museen geschlossen), das sie anlässlich zu ihrer ersten Überblicksausstellung zu einem Gespräch eingeladen hatte. Hier sind könnt Ihr den Artist Talk nachhören (auf Englisch).