Pro Einfamilienhäuser Warum der Bau von Eigenheimen wichtig ist

Ist die Generalkritik am Eigenheim unfair und verkürzend? In der zeitgenössischen Architektur finden sich auch Modelle für ein künftiges Bauen, Wohnen und Leben, die Ökologie und Ökonomie versöhnen.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 26.02.2021 | Archiv

Eigenheim mit Solardach | Bild: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening

Oft ärgert mich, was ich sehe. Gerne würde ich ein Gesetz für bessere Architektur verabschiedet sehen. Doch, was ist das? Letzten Endes Geschmackssache. Gute Architektur findet man ziemlich sicher nicht, wenn man durch die Einförmigkeit eines Einheimischenmodell-Neubaugebietes lauter Einfamilienhäuser von der Stange quält.

Aber natürlich gibt es auch andere Einfamilienhäuser. Solche, die einen beglücken, die den Lebensraum erweitern, die schön sind und trotzdem nicht teuer. Die die Kunst der Architektur nach der Gleichung: klein plus raffiniert = vier Wände, die Sinn machen zum Erlebnis werden lassen können. Solche Gebäude finden sich jedes Jahr im Parcours der bayerischen "Architektouren".

Symbiose aus Baukunst und Lebensform

Neues Einfamilienhaus mit Garage | Bild: MEV/Karl Holzhauser zum Artikel Meinung Contra Einfamilienhäuser Warum ich gegen Eigenheime bin

Wie sollen die 9,7 Milliarden Menschen, die bis 2050 nach Schätzungen die Erde bevölkern werden, einmal wohnen? Sicher nicht in Einfamilienhäusern in den Vororten der Städte. Es gibt aber längst gute Alternativkonzepte. [mehr]

Im Eigenheim können sich Baukunst und Lebensform auf eine erfüllende Weise befruchten, wie sonst – individuell und familiär – an kaum einem anderen Ort. Klar, der allgemeine Wunsch nach Wohnraum ist mit großen urbanen Projekten besser zu befriedigen als mit dem Eigenheim. Das Leben ist vor allem interessant, weil es divers ist. Und dazu gehört das Eigenheim.

Viele können es sich nicht leisten, aber das ist kein Argument dagegen. So ließe sich auch Anderes in Frage stellen – etwa Bauträger-Luxusappartementblöcke, bei denen eine Stadtwohnung mit 120 qm in München schon mal über drei Millionen Euro kosten kann. Das Eigenheim ist nicht schlechter oder besser als andere Wohnformen, sondern im besten Fall einfach eigen.

Eigenheim auf der Höhe der Zeit

Der eine fährt Fahrrad, der andere einen SUV. Der eine isst Fleisch, der andere ist vegan. Besser oder schlechter? Pauschale Urteile machen keinen Sinn. Und: Das Eigenheim ist – mit seinen besten Beispielen – längst auf der Höhe der Zeit angekommen: energieeffizient und flexibel, bei guten architektonischen Entwürfen modular nutzbar und damit raumsoziologisch offen, als Tiny House oder auch für Genossenschaften. Dazu ist es in Zeiten von Corona bei abnehmender Mobilität ein sinnvoller Ort für das Home-Office. Mit ein bisschen entspannender Natur drum herum. Wäre das Eigeneheim noch nicht erfunden, man müsste jubeln, würde ein pfiffiger Architekt es auf einem Blatt Papier skizzieren. Einfach so.