Impfskepsis Wer hat Angst vor der Zombieapokalypse?

Viele Impfskeptiker verweisen gerne auf fehlende Langzeitstudien. Nur: Von welchen Schreckensszenarien sprechen wir hier eigentlich? Wie sähe die Welt von ernsthaften Impfstoff-Spätfolgen aus? Eine Risikoabwägung mit Rant.

Von: Max Büch

Stand: 09.12.2021 | Archiv

29.10.2021, USA: Das deutsche Fotomodel Heidi Klum, als Zombie verkleidet, in einem Video zu Halloween. Die traditionelle Kostümparty der Deutschen fällt wegen der Corona-Pandemie zum zweiten Mal aus, stattdessen zeigt sich die «Queen of Halloween» in einem knapp achtminütigen Horror-Video als blutrünstiges Zombie.  | Bild: Saul Appelbaum/The Pioneers/Full Picture/dpa

Wir schreiben das Jahr 2025: Der Großangriff der Echsenmenschen konnte mit vereinten Kräften der USA, Russland und China gerade noch einmal abgewehrt werden – der Hilfe der galaktischen Föderation sei Dank. Die Menschheit, schwer traumatisiert, versucht sich gerade mit der neuen Weltordnung zu arrangieren, als schon die nächste Katastrophe über sie hereinbricht: Diesmal aber haben wir uns das Übel selbst eingebrockt: Die Spätfolgen der Corona-Impfungen brechen plötzlich in einer Brutalität über uns herein, die nicht einmal die abgedrehtesten No-Vax-Desperados für möglich gehalten hätten. Der Wahnsinn regiert das Land, Blut und Gedärme säumen die Straßen, wer kann, bewaffnet und verbarrikadiert sich: die Zombie-Impfokalypse ist da…

Na gut. Vielleicht ist diese Zukunftsdystopie etwas stark verkürzt und leicht übertrieben. Doch wenn Impfskeptiker wie Joshua Kimmich von den fehlenden Langzeitstudien sprechen, gehen meine eigenen Gedankenspiele über die dabei nahegelegten Zukunftsszenarien doch eher in die drastische Richtung: Wenn schon nicht Weltuntergang, dann doch zumindest eine nie dagewesene Katastropehnstimmung. Aber probieren wir es doch einmal mit einem weniger drastischen Szenario.

Millionen Tote, Hunderttausende mit Langzeitfolgen ...

Wir schreiben das Jahr 2025: Die Wissenschaft hat festgestellt, dass sie sich getäuscht hat – mit verheerenden Folgen für ihre Glaubwürdigkeit und die ganze Menschheit. Bei einem Großteil der auf Corona Geimpften treten schwerwiegende Langzeitfolgen auf. Überall auf der Welt erkranken Menschen zu hunderttausenden an einem neu auftretenden, chronischen Erschöpfungssyndrom. Unzählige andere leiden an schweren Atemwegserkrankungen – oft mit tödlicher Folge. Weltweit geht die Zahl der Todesopfer in die Millionen. Parallel dazu steigt der Anteil von psychischen Krankheiten in der Gesellschaft sprunghaft an, besonders bei Kindern und Jugendlichen sind die die Zahlen alarmierend…

Aber, Moment! Dieses Szenario passt irgendwie auch nicht so richtig. Das sind ja schon die Folgen der Pandemie, mit der wir es derzeit zu tun haben. Also doch zurück zu Reptiloiden und Zombies?

Wie absurd kann eine Risikoabwägung sein?

Im Ernst. So sehr sich mir eine gesunde Skepsis gegenüber den schnellen Zulassungen von Impfstoffen anfangs erschlossen hat, kann ich dieses Verständnis mittlerweile beim besten Willen nicht mehr aufbringen. Auch wer auf Nummer sicher gehen will: Was bitte ist das für eine Risikoabwägung?

Man muss sicher nicht alles glauben, was einem die Pharmaindustrie weiß machen möchte und nicht alles schlucken, was die Schulmedizin verschreibt. Aber wir sind mittlerweile bei einer weltweiten Erstimpfungsquote von 54,3 Prozent. 4,3 Milliarden Menschen haben sich den ein oder anderen Impfstoff injizieren lassen. Welche Nebenwirkungen sollen da noch auftreten? Welche Spätfolgen sollen da noch kommen, die es aus medizinischer Sicht gar nicht geben kann? Und selbst wenn sich all die Fachleute auf der ganzen Welt doch täuschen sollten und Spätfolgen auftreten: Die Spätfolgen müssten schlimmer sein als die ohnehin schon drastischen Krankheitsverläufe von Covid-19 und die Folgen der Pandemie für die Gesellschaft – als Inspiration hier eine kleine Aufstellung zum Gesundheitsstatus einiger Impfgegner. Das müssen Spätfolgen erst mal schaffen.

Zombie-Impfokalypse? Ohne mich!

Und dann ist man noch immer nicht davor gefeit, qualvoll an Krebs zu sterben oder vom nächsten SUV plattgefahren zu werden. Was ist mit den Spätfolgen Deines Alkoholkonsums? Wieviel Feinstaub hast Du heute schon geatmet? Was soll das?

Wer aus der puristisch-naturnahen Philosophie-Ecke lebt so mit sich und der Natur im Reinen, dass man sich in dieser globalen Notlage diesem Vakzin entziehen kann? Allein schon aus Solidarität mit seinen Mitmenschen und nicht zuletzt mit der Kunst- und Kulturbranche, die unter der Pandemie mit am härtesten leidet? Oder lebst Du wirklich wie Mogli als Selbstversorger im Wald? Und wenn Dich die Atembeschwerden packen, lässt Du Dich dann nicht ins schulmedizinische Krankenhaus einliefern und nimmst nicht jede Spritze, die Du kriegen kannst?

Wer sich wirklich aus Angst vor einer Zombie-Impfokalypse als Prepper selbst weggesperrt hat? Fair enough. Aber mit Euch will ich den Weltuntergang ganz sicher nicht überleben! Schon allein deshalb würde ich mich impfen lassen.