Deutscher Computerspielpreis Wie sich die Games-Landschaft verändert

Am 13.4. kürte die Gamingbranche die Spiele des Jahres: Desperados III. Odile Limpach, Jurypräsidentin der Deutschen Computerspielpreis erklärt, warum Computerspiele ein Leitmedium sind und ob Frauen und Games mittlerweile zusammengehen.

Von: Barbara Knopf

Stand: 13.04.2021

Foto auf Handy von Pflanze, Pflanze im Hintergund | Bild: coading monkeys

Homo ludens, der Mensch ist ein Spieler. Das wussten schon die Lateiner, besonders aber gilt das für die digitale Welt. Computerspiele sind eine Wachstumsbranche und ein spannender Markt für Ideen. Heute Abend werden die Gewinner des deutschen Computerspielpreises bekanntgegeben. Die Verleihung erfolgt digital am 13.4., ab 19:30 Uhr. Zum ersten Mal war die Jury zur Hälfte mit Frauen besetzt. Die kulturWelt sprach mit der neuen Jury-Präsidentin des Deutschen Computerspielpreises Odile Limpach, Professorin am Cologne Game Lab an der TH Köln.

Barbara Knopf: Der deutsche Computerspiels Preis ist der wichtigste Preis für die deutsche Gamesbranche und wird seit 2009 verliehen. Unter anderem sind Regierungsgelder in einem Preis Topf in der Höhe von 790 000 Euro. Das ist ja ein deutliches Zeichen, dass Computerspiele wichtig und förderungswürdig sind.

Odile Limbach: Wir sind sehr froh, dass es diese Entwicklung gegeben hat. Und dass wir als einer der kreativsten und auch wirtschaftlich wichtigen Branchen anerkannt sind. Fast 90 Prozent der Bevölkerung spielt, ob mobil, auf PC oder Konsole. Es ist schön zu sehen, dass wir endlich da angekommen sind, wo wir hingehören. Wir sind ein Unterhaltungsmedium wie Kino, Buch oder Musik. Und das Medium bietet natürlich auch extreme Vielfalt.

Im letzten Jahr wurde ein Spiel über den zivilen Widerstand im Dritten Reich ausgezeichnet. Dieses Jahr gab es 350 Einreichungen, die nominiert wurden. Welche Faktoren sind eigentlich wichtig, damit ein Spiel ausgezeichnet wird?

Letztendlich macht es ein gutes Spiel aus, dass das Paket insgesamt stimmig ist. Das ist ein Zusammenspiel von allem: Musik, Grafik, Gameplay. Auch wie dies dann von den Spielern aufgenommen wird und wie viel die Spieler darüber reden und es weiterempfehlen. Das alles macht ein gutes Spiel aus. Ich darf noch nicht so viel verraten, wer gewonnen hat.

Gaming längst keine Männersache mehr

Aber ein Gewinner ist schon durchgesickert. "Polarized!" in der Kategorie Bestes Mobiles Spiel ist ein Game, in dem die Grenzen von Realität und Bildschirm verwischen. Können Sie darüber was sagen?

Ich fand das Gameplay wirklich sehr anspruchsvoll, denn es vereint genau diese Innovationen, die wir suchen. Es ist aber trotzdem einfach gemacht und leicht zu verstehen. Es geht auch darum zu sehen, wie kann ich ein Spiel so aufbauen, dass man von einer Geschichte vereinnahmt wird, man Lust hat weiterzuspielen und dass man versteht, wie man weiterspielt.

Also vielleicht sind wir jetzt wieder beim Klischee, aber man denkt Männer, Jungs, Nerds spielen Computerspiele. Aber stimmt das eigentlich überhaupt?

Also das stimmt nicht wirklich. 50 Prozent der Gamer sind Gamerinnen. Es ist so: Es spielen sehr viele junge Mädchen und auch Frauen. Wir haben das sogenannte Silver Gaming, also ältere Leute, die auch gerne spielen. Und das sind nicht unbedingt nur Männer.

Natürlich sind wir eine technologiegetriebene Branche und diese Entwicklung ist immer noch sehr männerlästig. Aber es gibt tatsächlich einen Trend, und den finde ich sehr gut, dass man versucht, die Spiele eher an die Realität anzupassen. Die Helden sind nicht nur Männer, die können auch eine starke Frau sein oder ein anderes Gender haben. Spiele spiegeln heute die gesamte Diversität wider. Ein Spiel, das von einer Frau entwickelt wird, ist anders als das von einem Mann, hat etwa eine andere Ästhetik.