Die Chorfenster für Tholey Das letzte große Werk von Gerhard Richter?

Die Freude war riesig, als die Münchner Werkstätten Gustav van Treeck den Auftrag für das – mutmaßlich – letzte große Werk des weltberühmten Malers Gerhard Richter bekam. Das BR-Kulturmagazin Capriccio erzählt, wie es dazu kam.

Stand: 04.11.2020 | Archiv

Die drei von dem Künstler Gerhard Richter gestalteten Chorfenster der Abteikirche Tholey werden der Öffentlichkeit präsentiert. | Bild: picture alliance/dpa/Oliver Dietze

Tholey im Saarland ist die älteste Abtei Deutschlands. Zwölf Mönche leben hier in großer Abgeschiedenheit. Eigentlich sollte das kein Problem für die Benediktiner sein. Doch in die nahegelegene Kathedrale von Metz kommen viele Menschen, um die von Marc Chagall geschaffenen Fenster zu bewundern. Als "Den Überbringer des Lichts" feiert dort gerade eine Ausstellung den russisch-französischen Maler. 

Was also tun, um auch einige kunstbegeisterte Besucher*innen nach Tholey zu locken? Der Abt Mauritius Choriol ergriff die Initiative: "Wer ist der Chagall von heute? Und dann ist man relativ schnell auf den Namen Gerhard Richter gekommen. Und dann, na gut, schreiben wir einfach, ohne große Hoffnung, dass da was kommt und großes Erstaunen: Er hat geantwortet. Und dann haben wir wieder geschrieben, das ist sehr schön, ich glaube, das können wir uns nicht leisten, da hat er geantwortet, nein, nein, kein Problem, ich schenke euch das." 

Beeindruckende Glaskunst

Zuvor hatte Gerhard Richter schon Fenster für den Kölner Dom geschaffen. Allerdings verkündete der 88-Jährige im September, sich aus der Malerei zurückziehen zu wollen. Es könnte also sein, dass seine Chorfenster für die Abteikirche in Tholey sein letztes großes Werk sind. 

Die ehemalige "königlich bayerische Hofmanufaktur" Gustav van Treeck in München hat den Auftrag bekommen, den Entwurf in Glas auszuführen. Die Geschäftsführerin Katja Zukic freut sich über diesen besonderen Auftrag und das Vertrauen von Richter: "Seinem Alter geschuldet konnte er leider nicht hier nach München kommen. Er hat uns gesagt: 'Macht! Ihr seid die Glaskünstler, die Glasmaler'. Er blieb aber auch gleichzeitig ein bisschen zurückhaltend, weil er wusste ja wahrscheinlich auch nicht, was wir so draufhaben, und ob wir das auch schaffen werden." 

Entstanden sind beeindruckende Glasbilder des bekennenden Agnostikers Richter. Das BR-Kulturmagazin Capriccio hat die Münchner Werkstätten Gustav van Treeck besucht.