Kommentar: Digitaler Lynchmob Wie wir gemeinsam gegen Hater vorgehen können

Die Hersteller der Pinky Gloves, die im Netz viel Häme und Spot erdulden mussten, stellen die Produktion ihrer Menstruations-Handschuhe ein. Der Grund: Morddrohungen. Unser Autor fordert engagiertes und schnelles Entgegentreten. Ein Kommentar.

Von: Martin Zeyn

Stand: 20.04.2021 | Archiv

Auf einer Computertastatur steht der Schriftzug hi Haters. | Bild: picture alliance/dpa-Zentralbild

Eigentlich ist dieser Kommentar überflüssig. Eigentlich müsste es einen Konsens geben, dass Todesdrohungen gegen irgendwen im Netz nicht gehen. Nicht gegen Menschen, deren Meinung wir nicht teilen, nicht gegen Menschen, deren Handlungen wir verdammen. Und schon gar nicht gegen Familienmitglieder.

Gegen den digitalen Lynchmob

Die Hersteller der Pinky Gloves, die im Netz viel Häme und Spot erdulden mussten, stellen die Produktion ihrer Handschuhe ein. Der Grund: Morddrohungen an Sie und ihre Familien. Es gibt einen Punkt, wo berechtigte Kritik aufhört und Gewalt anfängt. Das beginnt mit dem saublöden Slogan "Polizei = SA, SS" vom Schwarzen Block, geht weiter mit dem Anzünden von Autos und umschließt auch die Todesdrohungen. Kritik muss auskommen ohne das Vernichten des Gegenübers: Dergleichen darf weder verbal geäußert werden noch sich konkret gegen jemanden richten. Gewaltandrohung ist keine Kritik, sondern Gewalt. Schluss und aus.

Fire Walls für die Bedrohten bilden

Dieser Kommentar ist überflüssig, weil er die, die im Netz die Messer wetzen, kaum erreichen wird. Und er ist nötig, weil wir alle gefordert sind. Das Netz ist nur so gut wie seine Nutzer. Wenn wir es als Kommunikationsweg erhalten wollen, dann müssen wir Menschen vor solchen Drohungen schützen. Wer Hate Speech liest, muss handeln: Wir müssen die Kommentarspalten zurückgewinnen, müssen schreiben, dass wir das nicht dulden.

Wir als Nutzer müssen Fire Walls bilden, digitale Abwehrmauern, die Menschen schützen. Auch, wenn wir deren Meinungen nicht teilen. Wir brauchen mehr als eine Netiquette, mehr als ein Daumen rauf oder runter. Wir sind gefordert, dem Hass entgegen zu treten. Weil er ein Krebsgeschwür ist, der das Netz mit Metastasen überzieht.

Ja, es braucht Kritik, auch scharfe. Aber zwischen der und dem digitalen Lynchmob liegen Welten. Das müssen wir zeigen. Jeden Tag, wann immer wir es sehen. Damit wir die Welle des Hasses brechen.