DOK.fest München 2021 @ home 5 Dokumentarfilme, die niemand verpassen sollte

Verreisen ist grad keine Option? Von wegen. Mit dem DOK.fest München geht's ganz einfach nach Venedig, Florenz und in den Bayerischen Wald. Und sogar Reisen in die Vergangenheit sind möglich – ganz einfach vom Rechner aus.

Von: Markus Aicher

Stand: 05.05.2021

DOK.fest München 2021: Szene aus "Taming the Garden" von Salome Jashi | Bild: DOK.fest München 2021

"TAMING THE GARDEN" VON SALOME JASHI

Einen der beeindruckendsten Filme der diesjährigen Berlinale kann man nun beim DOKfest sehen. Mit Momenten, die man nicht vergisst: Ein riesiger alter Baum mit ausladender Krone schwimmt festgezurrt auf einem Ponton über das Meer. Was sich nach einem surrealistischen Gemälde anhört, ist eines der betörendsten Bilder aus der georgisch-deutsch-schweizerischen Produktion "Taming the Garden". Denn dieser Baumtransport ist Teil eines aberwitzigen Projekts. Ein georgischer Millionär sammelt alte Bäume, die er ausgraben und in seinen Garten bringen lässt. Warum er das tut, und was man davon halten soll, diskutieren die Beobachter kontrovers. So verrückt die Verpflanzungen anmuten, so sehr sind sie zugleich Sinnbild für Macht, Reichtum und Bezwingung der Natur. Die Mühen der Entwurzelung macht der Film deutlich sicht- und hörbar – aber auch die Absurdität des Vorhabens. Denn die Straßen in die Berge müssen erst gebaut und jüngere Bäume gefällt werden, um den Transport zu ermöglichen…

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Taming the Garden | Official Trailer | Berlinale 2021 | Bild: Berlinale - Berlin International Film Festival (via YouTube)

Taming the Garden | Official Trailer | Berlinale 2021

"In den Uffizien" von Corinna Belz und Enrique Sanchez Lansch

Florenz – so nah und derzeit doch so fern. Heimat eines der berühmtesten, reichsten und schönsten Museen der Welt. Geleitet von dem deutschen Kunsthistoriker Eike Schmidt, der eigentlich im November 2019 die Leitung des Kunsthistorischen Museums in Wien übernehmen sollte, aber dann doch kurzfristig absagte. Ein Gewinn für die Uffizien und ihre Schätze: Bilder von Michelangelo, Leonardo da Vinci und Botticelli sind hier zu Hause. Corinna Belz (unter ihrer Regie entstand zum Beispiel "Gerhard Richter Painting") und Enrique Sanchez Lansch (von dem auch "A Symphony of Noise" im Programm DOK.music läuft) bekamen für die BR-Koproduktion uneingeschränkten Zugang zu einer der größten Schatzkammern der Menschheit. "In den Uffizien" erzählt von gewaltigen Bildern, ihren Hintergründen und Mythen und darüber, was sie über das Menschsein berichten – und von den Mühen der Mitarbeiter und des Direktors mit der überfälligen Modernisierung.

"Der wilde Wald" von Lisa Eder

Die Münchner Regisseurin und Produzentin Lisa Eder ist bekannt für ihre Dokumentarfilme, die der tieferen Beziehung zwischen Mensch und Natur nachgehen. Ihre Arbeit brachte sie in Nationalparks weltweit: nach Kenia, Namibia, Botswana, die Wüste Gobi, aber auch in die Hohen Tauern. Ihr jüngstes Filmprojekt "Der wilde Wald" führte sie nun zurück in ihre Heimat – in die unberührte Natur des Bayerischen Waldes. Der Nationalpark Bayerischer Wald ist der erste und älteste international anerkannte Nationalpark in Deutschland. Zusammen mit dem benachbarten Nationalpark Šumava in der Tschechischen Republik bildet er das größte Waldschutzgebiet Mitteleuropas, in das der Mensch nicht eingreift. Er ist ein Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und ein beliebtes Erholungsgebiet. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa kann eine so große Fläche an Wäldern und Mooren naturbelassen wachsen und sich entwickeln. Eine toll gefilmte Liebeserklärung an die einzigartige Landschaft, ihre Bewohner, die zugleich wichtige Fragen nach den Zukunftsperspektiven für die Wildnis stellt.

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DER WILDE WALD | Trailer deutsch german [HD] | Bild: kinofilme (via YouTube)

DER WILDE WALD | Trailer deutsch german [HD]

"Molecules" von Andrea Segre

Seine Uraufführung hatte dieser essayistische Dokumentarfilm auf den – der Coronakrise trotzenden – Filmfestspielen von Venedig im vergangenen Jahr. Ein Heimspiel für Regisseur Andrea Segre, der – seit langem in Rom lebend – während seiner Arbeit an zwei filmischen Projekten über die Themen "Tourismus" und "Hochwasser" im ersten strengen Corona-Lockdown Italiens in der Heimatstadt seines Vaters im Elternhaus quasi strandete. In "Molecules" streift er filmisch durch die Lagunenstadt und ihre Plätze, widmet sich Geschichte und Natur, sammelt Eindrücke. Und trifft auf verschiedene Bewohner Venedigs in dieser Zeit der großen Stille und Entvölkerung. Zugleich dienen ihm alte Video- und Super-8-Filme seines Vaters als Quellen der Vergangenheit, die er behutsam in den poetischen Film einbaut. Mit der Musik von Teho Teadro und der Narration von Andrea Segre im Off entsteht so ein einzigartiger und künstlerischer Blick auf die "Moleküle" des Weltwunders am Meer.

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Trailer // MOLECULES by Andrea Segre | Bild: European Film Promotion (via YouTube)

Trailer // MOLECULES by Andrea Segre

Retrospektive 75 Jahre DEFA

Ein absolutes Muss: "Die Kinder von Golzow, Teil 1-3". Die älteste Langzeitbeobachtung der Filmgeschichte des deutschen Chronisten-Ehepaars Winfried und Barbara Junge ist zu Recht ein Klassiker. Über Jahre hinweg widmeten sich die beiden Filmemacher der Abbildung des realen Alltags der Deutschen Demokratischen Republik. Komplettiert wird dieser tolle Programmpunkt des DOKfest durch "Leben in Wittstock" des Regisseurs Volker Koepp, der sich 1984 dem Leben und der Arbeit dreier Textilarbeiterinnen in der damaligen DDR gewidmet hat. Und zu sehen ist ebenfalls ein Klassiker aus der sozialistischen DEFA-Produktion: "Freundschaft siegt" von 1951.Der holländische Filmemacher Joris Ivens, einer der Stars des Dokumentarfilms, betreibt Propaganda für den Weltfrieden. Ein legendäres Zeitdokument!

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DIE KINDER VON GOLZOW (DVD-Trailer Gesamtausgabe) | Bild: absolutMEDIENBerlin (via YouTube)

DIE KINDER VON GOLZOW (DVD-Trailer Gesamtausgabe)

Das gesamte Programm des DOK.fest München 2021 @ home gibt's hier. Gestreamt werden können die Filme vom 05. bis 23. Mai, Ticketinfos gibt es hier.