ARD Mediathek "Exit": Auftakt zu einer neuen Science-Fiction-Reihe

Das ewige Leben: Traum oder Albtraum? Mit dem dystopischen Thriller "Exit" betritt das Erste ungewohntes Science-Fiction-Territorium. Der Spielfilm mit Friedrich Mücke startet eine neue Reihe, die in die Zukunft blickt.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 28.10.2020 | Archiv

Schauspieler Friedrich Mücke sitzt in einer Szene aus dem Spielfilm "Exit" mit nacktem Oberkörper vor einem Fenster, draußen regnet es  | Bild: SWR

Sind geliebte Menschen für immer fort, merkt man erst, wie wichtig sie waren im Leben, wie viel man noch hätte besprechen wollen. Aber sind Verstorbene wirklich komplett aus dem Leben verschwunden? Greift die Definition noch im digitalen Zeitalter? Ist das ewige Leben nicht bereits zum Greifen nah?

In "Exit" ist es fast schon Realität. Das im Jahr 2047 angesiedelte deutsche Science-Fiction-Drama dreht sich um eine bahnbrechende Erfindung: "Infinitalk". Die künstliche Intelligenz digitalisiert nicht nur Geist und Wesen eines Menschen, die Personen werden komplett simuliert: Aussehen, Stimme, Charaktereigenschaften – nur winzige Details unterscheiden die Simulation von der Realität und die digitale Kopie hat keine Ahnung davon, dass sie lediglich in der Cloud existiert. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans nie zu erreichende Ende ihrer Tage...

Neue Filmreihe im Ersten

Von wegen. Denn auch in der nicht allzu fernen Zukunft werden KIs wie "Infinitalk" noch von Menschen entwickelt. Und weil der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, geht es alles andere als märchenhaft zu in "Exit". Schon nach wenigen Minuten ist klar: Die Entwickler von "Infinitalk" geraten in einen Wirtschaftsthriller. Die Frage ist: Wer hintergeht wen? Und vor allem: Was ist real und was ist Simulation?

"Exit" ist der Auftakt zu einer neuen Filmreihe im Ersten, die einen Blick in die Zukunft wirft. Die vom SWR und NDR realisierten Spielfilme basieren auf von Schriftsteller*innen verfassten Kurzgeschichten, die persönliche Visionen der Welt von morgen entworfen haben. Ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist das Futurium, das Berliner Museum der Zukunft.

Optisch herausragender Thriller

Grundlage der "Exit"-Handlung ist die Geschichte "Nachspiel" von Simon Urban. Autor Erol Yesilkaya entwickelte daraus das Drehbuch, Sebastian Marka führte Regie. Neben der unkonventionellen Erzählweise punktet "Exit" vor allem mit seiner Optik, die inspiriert ist von dystopischen Klassikern wie "Blade Runner" oder "Matrix" und auch sonst viele kluge Filmzitate beinhaltet.

Dass Yesilkaya und Marka dieses Handwerk beherrschen, haben sie bereits mehrfach bewiesen: Die von ihnen realisierten Tatort-Folgen "Es lebe der Tod" (2016) und "Meta" (2018) zitieren David Finchers "Sieben" beziehungsweise "Taxi Driver" von Martin Scorsese – und ernteten dafür viel Kritikerbeifall. Wer in ihr neuestes Werk eintauchen möchte, hat nun die Gelegenheit dazu.

Das Erste zeigt "Exit" am 28. Oktober ab 20:15 Uhr. In der Mediathek ist der Film schon vorab verfügbar (bis zum 28. Januar 2021).