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Umwelt-Rückblick 2019: Wetterextreme und Artensterben | BR24

© picture alliance/KEYSTONE

Bienen sind immer seltener in Deutschland zu sehen: Das Insektensterben war auch 2019 wieder Thema in den Wissenschafts-Nachrichten.

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Umwelt-Rückblick 2019: Wetterextreme und Artensterben

Was waren die relevanten Nachrichten des Jahres, über die im Bereich Umwelt geredet wurde? Wir haben für Sie einige wichtige Themen herausgegriffen, die im vergangenen Jahr die Menschen bewegt haben.

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Temperaturen steigen

© BR/Sylvia Bentele

Symbolbild: Dürres Pflänzchen auf einem ausgetrockneten Wüstenboden.

Immer wieder in den Schlagzeilen und wahrscheinlich eines der wichtigsten Themen für die meisten überhaupt: das Wetter. Und weil damit die Nachrichten in der Regel beendet werden, stellen wir es gleich an den Anfang des Rückblicks. Dieses Jahrzehnt dürfte wohl das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen werden, erklärte der Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Petteri Taalas, auf der UN-Weltklimakonferenz vom 2. bis 13. Dezember in Madrid. Die Weltwetterorganisation teilte zum Auftakt der UN-Weltklimakonferenz in Madrid in ihrem vorläufigen Klima-Statusreport mit, die Jahre 2015 bis 2019 und 2010 bis 2019 seien "fast mit Sicherheit die wärmste Fünf-Jahres-Periode und Dekade seit Beginn der Aufzeichnungen".

Treibhausgase steigen

Wie die Organisation bereits am 25. November berichtete, nahm auch die Konzentration klimaschädlicher Treibhausgase in der Atmosphäre in diesem Jahr weiter bedrohlich zu. Die CO2-Konzentration sei binnen eines Jahres von 405,5 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) auf einen Rekordwert von 407,8 ppm gestiegen. Den WMO-Angaben zufolge bleibt das Treibhausgas über Jahrhunderte in der Atmosphäre und sogar noch länger in den Ozeanen. Die Durchschnittstemperatur der Ozeane steigt damit ebenfalls auf Rekordwert.

Meeresspiegel steigen

© picture-alliance/dpa

Der Meeresspiegel ist infolge des Klimawandels seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stärker gestiegen als je zuvor in den vergangenen 2.000 Jahren.

Falls der Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase weiter so stark zunimmt, wird der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 60 bis 110 Zentimeter steigen. Gletscher, Eisschilde, Meereis und Permafrostböden werden weiter auftauen. Infolgedessen kommt es vermehrt zu Überflutungen, Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen. Weltweit ist der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert insgesamt um 15 Zentimeter gestiegen, inzwischen steigt er noch schneller: etwa 3,6 Millimeter pro Jahr. Dieses düstere Bild zeichnete der IPCC-Sonderbericht, der am 25. September 2019 in Monaco vorgestellt wurde.

© Bayerischer Rundfunk / Notizbuch

Ein trockenheißer Sommer, sterbende Wälder, tauender Permafrost mit Felsstürzen. Städte rufen den Klimanotstand aus, und die Fridays-for-Future-Bewegung erstarkt. Dennoch bleibt das Regierungs-Klimapaket enttäuschend schwach.

Amphibiensterben in Bayern

© picture alliance / Arco Images GmbH

Feuersalamander im Moos - flammender Bewohner feuchter Laubwälder

Wenn so vieles steigt, müsste an anderer Stelle manches weniger werden. Und tatsächlich: Im Bereich der Biodiversität sind permanente Verluste zu verzeichnen. Die Artenvielfalt nimmt stetig ab. Das fängt bei den Amphibien in Bayern an. 19 verschiedene Amphibienarten gibt es in Bayern. "Von den 19 Arten weisen zwölf einen Rote-Liste-Gefährdungsstatus auf", fasst das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zusammen. Gefährdet sind sie, wenn sie Straßen überqueren, weil mit dem Insektenrückgang ihr Nahrungsangebot zurückgeht und sie durch den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobaditis bedroht sind. Dieser gefährdet alle Amphibienarten weltweit und im Besonderen den Feuersalamander in Deutschland.

Rückgang der Vögel am Bodensee und in Europa

Neben den Amphibien geht auch die Artenvielfalt bei den Feldvögeln zurück. Feldlerchen, Feldsperlinge, Kiebitze und Stare werden bei uns immer seltener: Seit 1980 sind rund 56 Prozent aller Feldvögel in Europa verschwunden. Das zeigen die neuesten Daten des europaweiten Vogelmonitorings, die der European Bird Census Council veröffentlicht hat. Für den NABU sind die Zahlen des europaweiten Vogelmonitorings jedenfalls alarmierend.

Auch vom Bodensee, wo Forscher seit Jahrzehnten das Vorkommen der Vögel zählen, kommt eine erschreckende Bilanz. Binnen 30 Jahren ist die Zahl der Vogelbrutpaare am Bodensee um ein Viertel gesunken. 1980 lebten dort demnach rund 465.000 Brutpaare, 2012 nur noch 345.000. Besonders stark ist der Bestand einst häufiger Vogelarten wie Haussperling, Amsel oder Star zurückgegangen.

© picture alliance/imageBROKER

Zwei Turteltauben (Streptopelia turtur). Turteltauben sind laut der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands stark gefährdet.

2019 wurde ebenfalls bekannt, dass die Turteltauben bedroht sind. In den vergangenen 25 Jahren hat der Bestand der Turteltauben um zwei Drittel abgenommen. Der fliegende Liebesbote findet sich inzwischen als stark gefährdete Art in Deutschland auf der Roten Liste der Brutvögel wieder. Das tierische Sinnbild der Liebe und Kartenmotiv für den Valentinstag gerät damit in Gefahr.

Rückgang der bayerischen Fischarten

© picture-alliance/dpa

Äsche - ein einheimischer Fisch, dessen Bestand bedroht ist.

Viele Fischarten in Bayern sind ebenfalls stark bedroht. Die Rote Liste der ausgestorbenen oder stark gefährdeten Fischarten in Bayern ist lang - 57 Prozent der heimischen Fischarten stehen auf der Liste. Ausgestorben sind in bayerischen Flüssen der Stör, das Flussneunauge, der Maifisch oder der Atlantische Lachs. Einheimische Fischarten wie Äsche, Bitterling, Huchen und Nase drohen zu verschwinden. Dagegen breiten sich fremde Arten, sogenannte invasive Arten, wie die Regenbogenforelle, der Blaubandbärbling oder die Schwarzmeergrundeln, in bayerischen Gewässern immer mehr aus. Letztere sind Laichräuber und vermehren sich in Massen. Einheimische Fische werden dadurch verjagt oder aufgefressen.

Insektenschwund bestätigt

Nicht mehr ganz neu, aber in 2019 noch einmal bestätigt: das Insektensterben. Eine Studie der TU München bekräftigte, dass innerhalb eines Jahrzehnts die Artenvielfalt und die Anzahl der Insektenarten stark zurückgegangen sind. Sowohl auf Wiesen als auch in Wäldern ging die Artenzahl, also die Vielfalt der untersuchten Tiere, im Untersuchungszeitraum um etwa ein Drittel zurück. Aber auch deren Gesamtmasse nahm ab, besonders ausgeprägt in den Graslandschaften - um 67 Prozent. In den Wäldern schrumpfte sie um etwa 40 Prozent.

Faultiere haben's ganz schön schwer

© picture alliance/imageBROKER

Am 20. Oktober ist Weltfaultiertag. Hier macht der Meister des Abhängens, ein Braunkehlfaultier, vor, wie's geht.

Artensterben gibt es nicht nur bei uns, sondern weltweit. Auch Säugetiere haben Schwierigkeiten zu überleben. Insbesondere das Faultier hat’s nicht leicht: Zwei der sechs noch existierenden Faultierarten sind bereits vom Aussterben bedroht. Ursprünglich gab es einmal 100 Faultierarten, doch das ist längst (Arten-)Geschichte.

Nashörner – die letzten Exemplare ihrer Art

Da passte es ins Bild, als Ende November bekannt wurde, dass mit dem Tod des letzten Sumatra-Nashorns in Malaysia die Tierart dort ausgestorben ist.

© dpa-Bildfunk/Ben Curtis

Die Nördlichen Breitmaulnashorn-Weibchen Fatu (r) und Najin in Kenia sind die letzten beiden Nashörner ihrer Unterart.

Dem Nördlichen Breitmaulnashorn in Afrika geht es nicht anders: Von der Unterart leben nur noch zwei Exemplare. Durch künstliche Befruchtung soll die Unterart gerettet werden. Ob der Versuch von Erfolg gekrönt sein wird, lässt sich noch nicht sagen.

Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Das Artensterben gipfelte im Mai in dem Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES zur weltweiten Artenvielfalt. Laut dem UN-Bericht sei von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit rund eine Million vom Aussterben bedroht.

Gesucht: riesige Hyalomma-Zecke

© colourbox.com, Uni Hohenheim/Marco Drehmann; Montage: BR

Die Universität Hohenheim ruft dazu auf, Zecken der Gattung Hyalomma zu melden. Die tropische Zecke kann gefährliche Krankheiten übertragen.

Doch es gibt eine Tierart, die nicht ausgestorben, sondern bedauerlicherweise in Deutschland aufgetaucht ist. Und zu Beginn der Zeckensaison 2019 auch steckbrieflich gesucht wurde: die Hyalomma-Zecke. Sie wird dreimal so groß wie normale Zecken, hat gestreifte Beine und überträgt gefährliche Krankheiten. Da würde man sich fast wünschen, diese bei uns eingeschleppte tropische Zeckenart wäre, so schnell wie sie aufgetaucht ist, auch gleich wieder vom Aussterben bedroht.