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Amphibiensterben: Immer weniger Kröten und Frösche in Bayern | BR24

© Thomas Stephan/Bund Naturschutz in Bayern e.V.

In Bayern gibt es immer weniger Amphibien. Frösche, Kröten und Molche werden selten.

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Amphibiensterben: Immer weniger Kröten und Frösche in Bayern

Sobald es wärmer wird, marschieren die Kröten und Frösche los zu ihren Laichgewässern. Laut Bund Naturschutz unternehmen in Bayern jedoch immer weniger Amphibien diese Reise. Selbst Allerweltsarten werden seltener! So können Sie den Amphibien helfen.

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19 verschiedene Amphibienarten gibt es in Bayern. Zu den Lurchen zählen Frösche, Kröten, Molche, Salamander und Unken. Davon sind jedoch mehr als die Hälfte bedroht. Zehn Arten stehen bereits seit 2003 auf der Roten Liste gefährdeter Amphibien in Bayern: Die Geburtshelferkröte, der Moorfrosch und die Wechselkröte sind vom Aussterben bedroht. Stark gefährdet sind die Gelbbauchunke, der Kammolch, die Knoblauchkröte, die Kreuzkröte und der Laubfrosch. Als gefährdet gelten Feuersalamander und Springfrosch. Auf der Vorwarnliste stehen Grasfrosch und Teichmolch. "Von den 19 Arten weisen zwölf einen Rote-Liste-Gefährdungsstatus auf", fasst das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zusammen.

Weniger Tiere in den Eimern der Amphibien-Retter

Bayernweit sind die Amphibienzahlen rückläufig. Hautnah erleben das die freiwilligen Helfer, die den Amphibien bei ihrer alljährlichen Wanderung in die Laichgebiete helfen: Sie tragen immer weniger Tiere in ihren Eimern über die Straße. Deshalb schlägt der Bund Naturschutz in Bayern jetzt Alarm.

"Rückgänge selbst bei einstigen Allerweltsarten wie dem Grasfrosch sind ein überdeutliches Alarmzeichen." Richard Mergner, Vorsitzender Bund Naturschutz Bayern

Amphibien wird die Kombination von Lebensräumen zum Verhängnis

Amphibien leben an Land und im Wasser und pendeln auch noch zwischen ihren unterschiedlichen Lebensräumen hin und her. Das wird ihnen zunehmend zum Verhängnis. Lurche sind überwiegend in eher feuchteren Lebensräumen zu finden und wechselwarm: Sie können ihre Körpertemperatur nicht selbstständig konstant halten. Obwohl sie ein körpereigenes Frostschutzmittel besitzen, müssen sie sich vor Kälte schützen. Den Winter verbringen sie deshalb geschützt in Verstecken wie Baumstümpfen, Steinhaufen, Höhlen oder Erdlöchern.

Krötenwanderung - die Völkerwanderung der Amphibien

Ab einer nächtlichen Temperatur von circa 5 Grad Celsius - und dann besonders gern bei Regen - begeben sich Amphibien auf Wanderschaft: Die fortpflanzungsbereiten Tiere machen sich in Massen auf zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt. Amphibien geben ihren Paarungs- und Geburtsort jedoch zugunsten des Sommerdomizils wieder auf: Manche Arten bevorzugen die Nähe eines Flusses oder zumindest Baches, andere einen Teich, ein Moor oder eine feuchte Wiese, wieder andere Laub- oder zumindest Mischwald.

© BR/Unkraut

Anschauen: Der Liebesmarsch der Kröten

Helfer retten mehr als eine halbe Million Amphibien

Wenn sich die Tiere auf Wanderschaft begeben, sind allein in Bayern rund 6.000 Helfer des Bund Naturschutz ehrenamtlich unterwegs, um die Amphibien vor dem Überfahrenwerden zu schützen: An begehrten Amphibien-Wanderwegen werden Zäune aufgestellt, kontrolliert und Tiere eingesammelt und sicher über die Straße gebracht. Laut Bund Naturschutz retten diese Maßnahmen jedes Jahr 500.000 bis 700.000 Amphibien. "Doch die Zerschneidung von Lebensräumen, das Insektensterben und die Intensivierung der Landwirtschaft drohen die Erfolge dieses Engagements zunichte zu machen", schreibt der Bund Naturschutz in seiner Pressemitteilung.

"Viele Amphibien können wir vor dem Straßentod retten. Aber der Rückgang der Insekten macht ihnen dennoch schwer zu schaffen. Denn die Hauptnahrung der Kröten, Frösche und Molche sind Insekten." Wolfgang Döring, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Neu-Ulm

Mehr Feuchtgebiete und schonendere Forstwirtschaft

Amphibien fühlen sich genau in solchen Ecken wohl, die der Mensch so gerne ausmerzt: In feuchten und unordentlichen Gebieten samt Fahrspuren, Pfützen, Hecken und wucherndem Gras. Flächen werden jedoch trocken gelegt, Baugebiete ausgeweitet und die Landwirtschaft wird intensiviert. Den Amphibien brechen die Landlebensräume entweder ganz weg oder werden durch für sie lebensbedrohliche Straßen zerklüftet.

Viele Amphibien überwintern im Wald. Werden Bäume dann großflächig mithilfe schwerer Maschinen gefällt und abtransportiert, können die Tiere in ihren Winterquartieren erdrückt werden. Der Bund Naturschutz fordert deshalb, den Rückgang von feuchten Wiesen und Weiden in Bayern zu stoppen sowie eine naturverträgliche und bodenschonende Forstwirtschaft.

Tödliche Gefahren für Frösche und Kröten: Chemie, Auto, LKW

Doch dadurch, dass auch Laichgewässer vernichtet oder zunehmend verschmutzt werden, fallen auch immer mehr Wasserlebensräume weg. Für die Tiere wird dann nicht nur der Weg zum Laichgewässer, sondern die Suche nach einem passenden Lebensraum überhaupt zur tödlichen Gefahr: Lurche brauchen mindestens mehrere Minuten, um eine Straße zu überqueren. Kommt ein Auto oder LKW, verharren sie und werden überfahren.

Laut Bund Naturschutz stirbt jährlich eine sechsstellige Zahl an Amphibien auf den Straßen. Eine große Bedrohung für Amphibien sind auch chemische Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel. Sie können für die Tiere bereits in geringen Konzentrationen tödlich wirken und schmälern außerdem ihr Nahrungsangebot: Amphibien fressen Insekten, aber auch Spinnen, Schnecken, Würmer und kleinere Artgenossen.

Chytridpilz tötet Amphibien

Seit Ende der 1990er-Jahre ist noch eine ganz andere Gefahr aufgetaucht: der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobaditis. Er gefährdet die Amphibienarten weltweit. Laut dem Landesamt für Umwelt in Bayern sind auch in Bayern bereits Amphibien an Chytridiomykose gestorben. Der Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans dezimiert speziell den Feuersalamander-Bestand.

Rhythmus der Amphibien-Wanderungen verschiebt sich

Die Helfer vom Bund Naturschutz haben auch beobachtet, dass sich der Rhythmus der Amphibien-Wanderungen geändert hat: Früher seien die einzelnen Arten "in Schüben" gewandert - zum Beispiel die Grasfrösche vor den Erdkröten. Und die Wanderung der erwachsenen Tiere zu den Laichgewässern habe sich klarer von der Rückwanderung der Jungtiere trennen lassen. Heute würden sich die Arten sowie die Hin- und Rückwanderungen mehr vermischen. Das würde die Rettung der immer weniger werdenden Amphibien noch erschweren.

Andere Tiere sind auf Amphibien angewiesen

Amphibien sind wichtige Beutetiere für Fische, Vögel, Reptilien und Säugetiere. Gibt es weniger Amphibien, leiden darunter auch die nächsten in der Nahrungskette - und am Ende ganze Ökosysteme.

So können Sie den Amphibien helfen

  • Hier finden Sie eine Karte mit bekannten Amphibien-Wanderwegen.
  • Hier können Sie Amphibien-Retter werden.
  • Rechnen Sie als Autofahrer noch bis circa Ende April mit Fröschen, Kröten und Molchen auf der Straße.
  • Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen.
  • Achten Sie in der Nähe von Amphibienzäunen auch auf Helfer am Straßenrand.
  • Fahren Sie in der Nähe von Teichen und Feuchtgebieten langsamer - auch dann, wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
  • Falls Sie eine Stelle ohne Schutzzaun entdeckt haben, an der viele Amphibien überfahren werden: Informieren Sie den Bund Naturschutz per E-Mail.
  • Lassen Sie Ihren Garten ruhig ein wenig verwildern - das gefällt auch anderen Tieren wie dem Igel.
  • Verzichten Sie auf Chemie im Garten.
  • Wie wäre es mit einem Gartenteich? Warum Sie dabei auf Fische verzichten sollten und weitere Teich-Tipps finden Sie hier.
  • Sichern Sie Keller- und Lichtschächte, damit keine Amphibien, Igel oder andere kleine Tiere hineinfallen.
© Bayerischer Rundfunk / radioWelt

Jetzt im Frühjahr machen sich Frösche und Kröten wieder auf den Weg über die Straßen - leider werden jedes Jahr unzählige Tiere dabei überfahren. Ehrenamtliche Helfer versuchen, dass sie möglichst viele der Amphibien retten können.