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Chemie der Liebe Wenn Amors Pfeil trifft

Wenn sich Verliebte küssen, spielen nicht nur die Schmetterlinge im Bauch verrückt. Amors Pfeil krempelt unser komplettes Innenleben um. Die Folge sind Symptome wie beim Drogenrausch.

Stand: 05.07.2018

Es hat gefunkt, schon der Gedanke an den Anderen lässt das Herz bis zum Hals klopfen - und wehe, man sieht die neue Flamme länger nicht: Dann wird das Ziehen in der Brust schier unerträglich. Was ist passiert? Amor hat getroffen - und damit die Biochemie der Liebe in Gang gesetzt.

Romeo und Julia gleichen sich an - hormonell

Frisch verliebt, dieser Zustand soll möglichst lange andauern, der neue Partner doch bitte für immer bleiben. Damit dies nicht von vornherein schief läuft, gleichen sich Romeo und Julia – zumindest hormonell gesehen - an: Bei Männern sinkt die Menge des männlichen Sexualhormons Testosteron stark, bei Frauen ist es genau umgekehrt. Festgestellt hat dies die italienische Wissenschaftlerin Donatella Marazziti von der Universität Pisa: "Es scheint, als wollte die Natur die Unterschiede zwischen Mann und Frau ausschalten, weil es in diesem Stadium wichtiger ist, zusammenzukommen."

Woher kommt der Valentinstag?

Rätselhafter Valentinstag am 14. Februar

Am 14. Februar feiern viele den Valentinstag als "Tag der Liebenden". Dann gibt's kleine Aufmerksamkeiten - und besonders häufig Blumen. Woher der Brauch tatsächlich stammt und auf welchen Valentin sich dieser Tag bezieht, darüber wird viel spekuliert.

Die Römer

Die Wurzeln des Valentinstags sollen bis in die Antike reichen. Die Römer feierten Mitte Februar die Göttin Juno, die Beschützerin von Ehe und Familie. Die Frauen bekamen Blumen geschenkt. Ebenfalls um den 14. Februar wurde das Fest des Hirtengottes Lupercus begangen. In einer Art "Liebeslotterie" mit gezogenen Namenszetteln fanden junge Frauen und Männer zueinander.

Valentin I

Michael Blume, Religions- und Politikwissenschaftler, sieht den Ursprung des Brauchs in Valentin von Rom. Der christliche Priester wurde im 3. Jahrhundert nach Christus an einem 14. Februar hingerichtet. Er soll sich über das kaiserliche Gebot, die Regeln der römischen Armee und der Gesellschaft hinweggesetzt haben und Soldaten getraut haben. Die Paare soll er mit Blumen aus seinem Garten beschenkt haben. Ehen, die von Valentin geschlossen wurden, sollen der Überlieferung nach besonders glücklich verlaufen sein. Michael Blume erklärt, Valentin sei nicht gestorben für eine "süße Belanglosigkeit", wie es sie heutzutage am Valentinstag gibt. Er sei enthauptet worden "für eine religiöse Überzeugung: Glaube, Liebe, Familien seien auf Dauer bedeutender als Armeen und Staaten".

Valentin II

Im gleichen Jahrhundert lebte auch Bischof Valentin von Terni. In der Stadt nördlich von Rom soll er Kranke geheilt haben. Weil er seinem Glauben nicht abschwören wollte, soll er während der Christenverfolgungen auf Anweisung des römischen Kaisers Claudius II. (um 270) hingerichtet worden sein. Möglich, dass es sich dabei um die gleiche Person wie Valentin von Rom handelt, meint Religionswissenschaftler Michael Blume. Zumindest in der Verehrung des Heiligen Valentin seien beide Überlieferungen zusammengeflossen. An der nördlich von Rom verlaufenden Via Flaminia errichtete Papst Julius (337-352) eine Basilika mit dem Grab des Märtyrers. Die Verehrung des Heiligen ist ab circa dem Jahr 350 nachweisbar. Er galt als Patron der Bienenzüchter sowie der Verliebten und Brautleute.

Valentin III

Auch gab es einen Valentinus von Rätien, der aus den Niederlanden stammte und im 5. Jahrhundert nach Passau kam. Er wurde Bischof von Rätien für die Region zwischen Passau und Brixen und starb 475 als Einsiedler bei Meran. Dieser Valentin gilt als Helfer gegen Epilepsie - wie auch Valentin von Terni - sowie gegen Krämpfe, Gicht und Viehseuchen. Für das Bistum Passau ist er einer der Bistumspatrone. Sein Gedenktag ist der 7. Januar.

Valentinstag

Am 14. Februar ist nach dem alten katholischen Heiligenkalender das Fest des heiligen Valentin. Der Brauch, einem geliebten Menschen an diesem Tag etwas zu schenken, leitet sich aus den Heiligenlegenden und antiken Traditionen her. Als Fest der Jugend und der Liebenden wurde der Valentinstag seit dem späten 14. Jahrhundert zunächst in Frankreich und England begangen, breitete sich aber auch in andere europäische Länder und mit den Auswanderern nach Nordamerika aus. In Deutschland erklärten die Blumenhändler 1950 den Valentinstag zum "Tag der offenen Herzen".

Rosa Brille weg, hormoneller Alltag kehrt zurück

Die Forscherin hat sich das Blut von jeweils zwölf verliebten Männern und Frauen genauer angesehen. Neben der Testosteron-Angleichung stellte sie fest, dass bei beiden Geschlechtern in den ersten sechs Monaten der Partnerschaft die Produktion des Stresshormons Cortisol deutlich erhöht war. Die beiden Werte würden sich erst dann wieder normalisieren, wenn die erste aufregende Phase der Verliebtheit vorbei ist.

Was Zwangneurotiker und Verliebte gemeinsam haben

6. Juli - Tag des Kusses

Der weltweite Tag des Kusses soll an den Genuss des Küssens erinnern. Und natürlich soll er zum Küssen aufrufen. Dabei muss man nicht den Rekordkuss von 33 Stunden, aufgestellt am 18. September 2010, übertreffen. Aber man muss auf jeden Fall durchschnittlich 38 Gesichtsmuskeln anstrengen, damit ein intensiver Kuss gelingt.

Die Wissenschaftlerin Marazziti überraschte außerdem mit der Neuigkeit, dass bei Verliebten der Serotoninspiegel ähnlich sinkt wie bei Zwangsneurotikern. Ihre Erklärung: Ähnlich wie Zwangsneurotiker beschäftigen sich auch Verliebte stundenlang mit nur einer einzigen Sache - der angebeteten Person. Bei ihren Testpersonen lag der Pegel im Durchschnitt 40 Prozent unter dem Normalwert. Verliebtsein mache also, so schloss die Psychiaterin, vielleicht wirklich ein wenig "verrückt". Allerdings: Sobald die romantischen Gefühle einiger Testpersonen nachließen, stieg auch ihr Serotonin-Pegel wieder.

Wie küsst man in anderen Ländern?

USA

Wangenkuss - für US.-Amerikaner normalerweise der absolute Horror - nicht so für Barack Obama 2010

Der Wangenkuss zur Begrüßung ist Amerikanern ein Graus. Allein die Vorstellung, die Lippen von Freunden, Bekannten oder gar Fremden auf der eigenen Haut zu spüren, löst ein entschlossenes Ausweichmanöver aus. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama allerdings schien sich bei internationalen Treffen den europäischen Sitten angepasst zu haben.

Der Liebeskuss dagegen ist nicht nur das Markenzeichen von Hollywood-Filmen, sondern gang und gäbe: Schon bei der ersten Verabredung ist ein dicker Schmatzer erlaubt.

Brasilien

In Rio de Janeiro werden die Damen zur Begrüßung gleich zweimal (linke Wange, rechte Wange) geküsst. In São Paulo dagegen nur einmal. Zur Verabschiedung am Telefon sagt man gerne "Beijo" oder "Beijinho" (Küsschen), was der Gesprächspartner dann mit "Dois" (also: zwei zurück) verdoppelt. Frischverliebte werden auf Parkbänken, am Strand oder vor dem Haus der Angebeteten leidenschaftlich knutschend angetroffen, was Passanten gerne mit dem wohlwollenden Kommentar begleiten: "Lasst noch was übrig für morgen!"

China

Küssen verboten - zumindest in der Öffentlichkeit galt das bis 1997 in China. Mittlerweile sind die Chinesen aber deutlich liberaler.

Küssen in der Öffentlichkeit konnte Paaren noch in den 1970-er und 1980-er Jahren Probleme mit der Polizei einbringen. Wer erwischt wurde, konnte für "unmoralisches Verhalten" zu Erziehungskursen verdonnert oder sogar zu Haftstrafen verurteilt werden. Erst 1997 schaffte China das entsprechende Gesetz ab. Mit dem rasanten Wirtschaftswachstum ändert sich viel: In Metropolen wie Peking und Shanghai sind küssende Paare heute normal. In der südwestchinesischen Stadt Chengdu veranstalteten schwule Männer im Juni sogar einen Küss-Wettbewerb.

Thailand

Ein Küsschen zur Begrüßung? In Thailand lieber nicht. Mehr als ein Verneigen ist unter Traditionalisten nicht üblich.

In dem Urlaubsland mit seinen Vollmond-Strandpartys und Lady-Boy-Shows geht alles, meinen Besucher oft. Aber die Gesellschaft ist in Wirklichkeit konservativ. Bei der Begrüßung ist Anfassen tabu, erst recht ein Wangenküsschen. Stattdessen verneigen sich Thailänder mit einem "Wai". Das ist der buddhistische Gruß, mit den Händen vor der Brust, den immer mehr Hollywood-Größen als Geste schätzen. Leidenschaftliches Knutschen vor aller Augen? Das müssen "farangs" - Ausländer - sein oder junge Leute, die so etwas für westlich cool halten.

Indien

Ganz schön keusch: Küssen ist in Indien ganz privat - so will es zumindest die Tradition

Im Land des Kamasutra werden öffentlich keine Küsse ausgetauscht. Sogar in der Bollywood-Filmwelt waren sie bis vor wenigen Jahren so ungewöhnlich, dass Schauspieler wegen eines Leinwandkusses wochenlang in den Schlagzeilen blieben. Oft wurden die Liebenden ganz kurz, ehe sich die Lippen berührten, durch einen Schirm verdeckt. Oder die Kamera drehte ab und filmte zwei sich zuneigende Blumen. Wenn sich junge Menschen küssen wollen, fehlt ihnen häufig der Platz dazu: Sie leben normalerweise bis zur Heirat bei der Familie. Hotels fordern oft einen Heiratsnachweis. Bleiben nur die Parks für ein Date.

Neuseeland

Küssen - oder besser begrüßen in Neuseeland heißt: Triff die Seele, aber nicht den Mund!

Die Maoris, die indigene Bevölkerung Neuseelands, pressen zur Begrüßung Stirn und Nase zusammen. "Hongi" heißt der Gruß und ist recht intim: Die Idee ist, den Atem auszutauschen, damit sich die Seelen treffen.

Argentinien

In Argentinien ist küssen vor Dritten in Großstädten okay, im ländlichen Nordwesten dagegen unüblich

In Buenos Aires und anderen Großstädten zeigt sich niemand gestört von einem leidenschaftlichen Kuss auf einer Parkbank oder in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Zur Begrüßung ist der Wangenkuss die Regel, seit etwa zwanzig Jahren auch unter Männern. Telefongespräche und Mails können auch bei Menschen, die sich nie zu Gesicht bekommen haben, mit "un beso" enden. Im ländlichen Nordwesten Argentiniens ist der Kuss vor Dritten dagegen selten - und auch die Begrüßung bleibt distanziert.

Mexiko

Küssen wie Carmen - in Guanajuato kein Problem

In der Stadt Guanajuato in Zentralmexiko gibt es die "Kuss-Gasse". Der Legende nach verliebte sich das Mädchen Carmen in den jungen Mann Luis. Carmens Vater war gegen die Beziehung und drohte, Carmen in ein Kloster zu schicken oder in Spanien mit einem reichen Mann zu verheiraten. Luis kaufte ein Haus, das von Carmens Haus nur durch eine schmale Gasse getrennt war. Auf ihren Balkonen traf sich das Paar fortan. Bei einem dieser Treffen kam der Vater in Carmens Zimmer und rammte seiner Tochter einen Dolch in die Brust. Luis küsste Carmen noch die Hand und hielt sie fest, bis seine Geliebte starb. Die Gasse ist heute ein beliebtes Ziel von Touristen.

Äthiopien

Besonderes Begrüßungs- und Kuss-Ritual in Äthiopien

Anders als in den meisten afrikanischen Ländern küssen sich die Äthiopier zur Begrüßung mindestens dreimal auf die Wangen. Je nachdem, wie innig die Beziehung ist, kann diese Zeremonie auch ausarten in zehn oder mehr Küsschen. Die Beteiligten finden kaum noch ein Ende. Küsse auf den Mund bei Paaren sind in der Öffentlichkeit eher verpönt. Jedoch haben die Äthiopier bei Ausländern kein Problem damit.

Kenia, Ghana und Uganda

Hier werden Zärtlichkeitsbeweise nicht gern gesehen. Wangenküsse werden in vielen afrikanischen Ländern vermieden. Lediglich unter den Reichen und Gebildeten kommt diese Art von Begrüßung vor.

Burundi

Hier herrschte bis in die 1980-er Jahre ein spezielles Ritual vor: Die Begrüßung zwischen einem Mann und einer Frau sah drei Küsse vor, einen auf jede Wange und den dritten auf den Mund.

Afghanistan und Pakistan

Küssen in der Öffentlichkeit - das geht in Afghanistan gar nicht

In den streng islamischen Staaten ist öffentliches Küssen völlig ausgeschlossen. Männer umarmen sich häufig gegenseitig zur Begrüßung und Verabschiedung, Männer und Frauen schütteln sich dagegen meist nicht einmal die Hand, von Küssen ganz zu schweigen. Nicht nur Anfassen, auch Anschauen ist oft tabu. Besonders in Afghanistan tragen viele Frauen eine Burka, also einen Vollschleier.

Iran

Küssen im Iran? Mehr wie Händchenhalten ist in der Öffentlichkeit nicht drin - und das auch erst seit 2013

Küssen ist nach islamischen Vorschriften in der Öffentlichkeit verboten. Das gilt für Ehepaare und unverheiratete Paare. Seit der Präsidentschaft von Hassan Ruhani im August 2013 halten Paare wieder Händchen auf den Straßen. Intimeres ist aber immer noch absolut tabu.

Russland

Küssen auf Russisch: Den Bruderkuss gibt's auch heute noch für sozialistische Staatschefs, aber auch sonst wird recht locker geküsst

Vom ausdauernden Liebeskuss auf der Straße bis zum slawischen oder sozialistischen Bruderkuss, der auch nach dem Tod von DDR-Staatschef Erich Honecker und Kremlchef Leonid Breschnew nicht ausgestorben ist, gibt es die ganze Bandbreite. Unter Freunden beliebt sind zur Begrüßung dreifache Wangenküsse. Viele russische Männer hauchen Frauen auch einen Kuss auf den Handrücken. In besonders ausgelassenen Runden nach Wodkagelagen sind zum Abschied auch Schmatzer auf den Mund üblich.

Spanien

Küssen zur Begrüßung oder auch sonst - in Spanien kein Problem

Der Wangenkuss zur Begrüßung im Freundes- und Kollegenkreis ist selbstverständlich - selbst wenn man sich zum ersten Mal begegnet. Junge Paare haben keine Hemmungen, gegenseitige Zuneigung zu zeigen. Der Kuss auf der Parkbank galt in den Jahren nach dem Ende der Diktatur Francisco Francos als Symbol einer liberalen und demokratischen Gesellschaft. Unter Franco waren öffentliche Zärtlichkeiten bin in die 1970-er Jahre hinein tabu.

Frankreich

In Frankreich wird zur Begrüßung zwei-, drei oder viermal geküsst

Berühmt als Land der Küsse, es hat sogar dem Zungenkuss als "French Kiss" den Namen gegeben. Zur Begrüßung und zur Verabschiedung gibt es je nach Region oder Stadt zwischen zwei bis vier Wangenküsse. In der Hauptstadt Paris küsst man zweimal, in Montpellier im Süden dreimal und in der Region Turballe im Westen Frankreichs viermal.

Polen

Beim Wangenkuss gibt es in Polen das Triple. Allerdings selten zwischen Männern, während sich Freundinnen untereinander häufig küssen. Der traditionelle Handkuss, der auch während der kommunistischen Zeit gebräuchlich war, verschwindet dagegen.

Türkei

Küssen in der Türkei - zumindest für Touristen erlaubt

Nicht umsonst die Brücke zwischen Orient und Okzident. Vor allem in der Mega-Metropole Istanbul stoßen westliche Gepflogenheiten oft auf muslimische Traditionen. Besonders zeigt sich das jedes Jahr im Juni beim "Marsch des Stolzes" der Schwulenszene, an dem sich Zehntausende Menschen beteiligen - und bei dem mitten im Stadtzentrum fleißig zwischen allen Geschlechtern geküsst wird. Auch in Touristenzentren an der Küste wird oft ein Auge zugedrückt. In konservativen ländlichen Gegenden des mehrheitlich muslimischen Landes ist das Zurschaustellen von Liebesbeweisen dagegen verpönt.

Griechenland

Trifft man einen Freund oder Kollegen, den man mag, darf unabhängig des Geschlechts geküsst werden. Allerdings auf die Wangen und einmal rechts, einmal links und ohne zu viel Berührung mit den Lippen. Am besten erwischt man nur die Luft. In der Familie wird ständig geküsst - begleitet von endlosem Anfassen und manchmal Wangen-Kneiferei.

Rumänien

Eine Kuss-Floskel - in Rumänien gibt's die selbst für Wildfremde

Begrüßungsküsse auf die Wangen sind üblich. Damen und Kirchenmänner bekommen gerne einen Handkuss, sei es aus Respekt, sei es im Fall der Frauen als Zeichen einer beginnenden Anmache. Im Fall einer Ablehnung bleibt sie für den Initiator ohne Gesichtsverlust, gerade weil der Handkuss mehrdeutig ist. Der an Frauen und Geistliche gerichtete Gruß "Küss die Hand" wird oft als Synonym für "Danke" benutzt. Verbreitet ist die Grußformel auch am Telefon oder im Schriftverkehr als "Ich küsse dich". Es gibt sogar die Abwandlung "Ich küsse Sie" zwischen wildfremden Frauen, was für Ausländer verwirrend ist.

Slowakei

Ältere Herren begrüßen Damen ebenfalls noch häufig mit einer verstümmelten Form des altösterreichischen "Küss die Hand". Ausgesprochen wird dabei nur der Satzanfang "Ich küsse" (Slowakisch: "bozkavam"). Die gedachte Fortsetzung "Ihre Hand" wird ebenso weggelassen wie die Aktion selbst - man spricht nur vom Handkuss.

Tschechien

In Tschechien: Küssen unter'm Kirschbaum

Der 1. Mai gilt als Feiertag der Liebenden. Paare küssen sich dann traditionell unter einem blühenden Kirschbaum. Besonders am Prager Denkmal des Romantik-Dichters Karel Hynek Mácha soll das Gesundheit und Fruchtbarkeit bringen. Der böhmische Komponist Bedrich Smetana setzte dem Schmatzer sogar ein musikalisches Denkmal: Der Zweiakter "Der Kuss" wurde 1876 uraufgeführt.

Bulgarien

Liegt mit seinen Kuss-Traditionen an der Schwelle zum Orient. Während Pärchen im Stadtpark von Sofia ungestört knutschen, können Teenager in den Grenzgebieten zur Türkei davon nur träumen. Der aus Österreich übernommene Handkuss für Damen wird nur in vornehmen Stadtfamilien gepflegt. Der aus kommunistischer Zeit bekannte politische Kuss zwischen Parteifunktionären lebt offensichtlich weiter: Zwei inzwischen wieder zerstrittene Spitzenpolitiker sorgten mit einem Versöhnungskuss während einer Großkundgebung im Jahr 2013 für Schlagzeilen.

Skandinavien

Küsschen auf die Wange zur Begrüßung verteilen die Nordeuropäer zögerlich - sie wissen nicht so richtig, wie sie es anstellen sollen. Das Wangenküsschen wird aber zumindest in Schweden gerade üblicher. Die Dänen halten es da eher mit ihrem Philosophen Søren Kierkegaard: "Der Kuss ist eine symbolische Handlung, die nichts zu bedeuten hat, wenn das Gefühl, das sie bezeichnen soll, nicht vorhanden ist."

Niederlande

Knutschen in der Öffentlchkeit - viele Niederländer finden das peinlich

Der Niederländer küsst. Bekannte, Freunde und Verwandte begrüßen sich mit einem Dreier auf die Wange. Ein Gräuel ist für viele allerdings das Bussi-Ritual am ersten Arbeitstag im neuen Jahr. In Frauenzeitschriften und im Internet werden Ratschläge, wie man Büro-Grabschern entgehen kann, fast wie goldene Börsentipps gehandelt. Öffentliches Knutschen finden viele Niederländer eher peinlich, mit Ausnahme der Hauptstadt Amsterdam.

Belgien

Der hingehauchte Wangenkuss gehört in Belgien zu fast jeder Begrüßung und jedem Abschied. Grundsätzlich gilt: Wo ein Handschlag angebracht ist, kann der "Bise" nicht ganz verkehrt sein - etwa unter Gegnern am Ende eines halbwegs fairen sportlichen Wettkampfs. Auch schon beobachtet: Professionell streng blickendes Sicherheitspersonal in öffentlichen Institutionen gerät zum Schichtwechsel in eine wahre Kussorgie.

Österreich

Der Kuss, das ist für Österreicher vor allem ein Gemälde, aber daneben ist der Handkuss auch durchaus noch gebräuchlich

Ist berühmt für den formvollendeten Handkuss. "Ursprünglich wurde er von den Habsburgern aus Spanien nach Österreich gebracht", sagt Benimmexperte Thomas Schäfer-Elmayer. "Dort war er Teil des Hofzeremoniells." Noch heute ist er gebräuchlich, besonders während der Wiener Ballsaison. Bei der korrekten Ausführung hebt der Herr die Hand der Dame leicht an, beugt sich darüber und berührt den Handrücken vorsichtig mit den Lippen, sagt Schäfer-Elmayer. "Die Berührung sollte trocken sein, nicht so, dass sich die Dame hinterher die Hand abwischen muss." Bei "Der Kuss" denken Österreicher an das Jugendstil-Gemälde von Gustav Klimt - es ist eines der bedeutendsten Werke der Kunstgeschichte.

Deutschland

Küssen zur Begrüßung - in Deutschland gibt es dafür keine Regeln

Knutschen in der U-Bahn oder im Kino, das dürfen junge Paare und Verliebte nach Herzenslust, wobei das nicht alle Augenzeugen gerne sehen. Bei Begrüßungsbussis ist Deutschland eher zaghaft. Wangenküsse sind zwar üblich, man ist ja südländisch locker. Aber es gibt kaum Etikette. Wie oft? Wohin genau? Die Folge: Der Küsser bleibt in der Luft hängen, wenn der Empfänger bereits mit der Begrüßung oder dem Abschied abgeschlossen hat. Ausgestorben ist der "Tantenkuss". Dem Befehl "Gib' der Tante mal ein Küsschen!" muss heute wohl kein Kind mehr folgen.

Beim Küssen läuft der Körper auf Hochtouren

Küssen ist Höchstleistung und Energiespritze zugleich für unseren Körper.

Doch das war noch längst nicht alles, im seligen Zustand des Verliebtseins geht es im Körper auch sonst drunter und drüber: Das "Verliebtheitshormon" Phenylethylamin löst erotisches Interesse und Hochgefühl aus: Kuss, Kuss, Kuss und noch ein Kuss. Jetzt wird die Produktion des Zelltreibstoffs Adenosintriphosphat kräftig angekurbelt - das sorgt für die nötige Energie, damit das Herz schneller schlägt und die Lippen sich spitzen können. Die Atemfrequenz steigt, der Puls rast, die Gefäße weiten sich, der Kreislauf kommt in Schwung: Küssen ist für Wissenschaftler wie eine Energiespritze, die das Immunsystem stärkt und Stress abbaut.

Überraschende Fakten zum Küssen

Warum wir beim Küssen die Augen schließen.

Wissenschaftler gingen lange davon aus, dass Menschen beim Küssen die Augen schließen, weil ihnen das Gesicht des anderen so nahe kommt. Zwei Wissenschaftlerinnen fanden aber in einer Studie heraus, dass Menschen Berührungen intensiver wahrnehmen, wenn die Augen geschlossen sind. So müssen wir weniger Reize gleichzeitig verarbeiten und können uns auf einen Sinn konzentrieren.

Es gibt Kusswissenschaftler.

Sie heißen Philematologen und untersuchen zum Beispiel wie viele Muskeln wir bei einem Kuss aktivieren (über 30).

Auf welche Seite wird der Kopf geneigt?

Eine andere Erkenntnis der Kussforscher: Zwei Drittel der Menschen neigen ihren Kopf beim Küssen nach rechts.

Küssen ist gesund.

Tatsächlich kann Küssen das Immunsystem stärken und dabei helfen Stress abzubauen. Über den Speichel tauschen Küssende Bakterien und Viren aus, das trainiert die Immunabwehr. Gleichzeitig produziert der Körper beim Küssen sogenannte Neuropeptide, die wiederum Zellen aktivieren, die schädliche Viren und Bakterien vernichten. Wer aber zum Beispiel einen Erdnussallergiker küssen will, sollte keine Erdnüsse essen. Dann kann der Kuss im schlimmsten Fall tödlich enden.

Royaler Kussrekord

Bei royalen Hochzeiten wird die Länge des Hochzeitskusses gestoppt. Máxima und Willem-Alexander der Niederlande sind mit 5.3 Sekunden Spitzenreiter. Bei Charles und Diana reichte es gerade mal für 0,4 Sekunden.

Nicht alle Kulturen schätzen den Kuss.

US-Wissenschaftler haben die weltweite Kusskultur untersucht und festgestellt, dass der romantische Kuss nur in 46 Prozent der Kulturen üblich ist.

Ursprung des Kusses

Der Anfang des Kusses in der Evolutionsgeschichte klingt eher unromantisch: Küssen diente zunächst vor allem der Weitergabe zerkleinerter Nahrung an Kinder, die noch nicht selbst kauen konnten. Mit Schneiden und Kochen fiel diese Funktion weg. "Doch das Küssen als eine sehr intime Form der Begegnung blieb erhalten", so der Psychologe und Kussforscher Wolfgang Krüger.

Der erste Kuss

Die erste schriftliche Erwähnung des Küssens finde sich in den indischen Veden, einer 3.500 Jahre alten Sammlung religiöser Texte. "Deshalb wird das Küssen als bewusste, sozial-kulturelle Handlung auf diesen Zeitraum datiert", erklärt der Berliner Kussforscher Krüger.

Der schönste Filmkuss war gar nicht so schön.

Vivian Leigh und Clark Gable rangieren mit ihrem Filmkuss in "Vom Winde verweht" noch immer ganz oben auf der Liste der schönsten Küsse der Filmgeschichte. Was toll aussah, war aber wohl eher nicht so prickelnd. Clark Gable hatte nämlich laut seiner Schauspielkollegin Mundgeruch.

Und jetzt bitte anfassen!

Bei zärtlichem Hautkontakt sendet das Gehirn Befehle ...

Noch heftiger geht's in unserem Inneren bei Hautkontakt zu: Dann sendet das Gehirn der Verliebten Befehle an die Muskeln in den Arterien: Sie entspannen sich, die Durchblutung steigt, die Bronchien weiten sich, die Atmung wird flach, das Herz schlägt schneller. Jetzt wäre eine Abkühlung willkommen! Prompt sorgen Schweiß- und Talgdrüsen für kleine Perlen auf der Haut. Dabei setzen sie sexuelle Duftstoffe frei, die dem Partner erst recht den Kopf verdrehen. Und die Nebennierenrinde putscht den Körper mit noch mehr Adrenalin auf.

Liebende im Drogenrausch

6. Juli: der internationale Tag des Kusses

Das muss Liiiiebe sein - doch die Reaktionsabläufe sind ganz ähnlich wie bei Angst oder Stress, zum Beispiel in Angriffs- oder Fluchtsituationen. Hoden und Eierstöcke produzieren das Lust steigernde Hormon Testosteron. Jetzt ist der gesamte Organismus hellwach. Beim Höhepunkt setzt der Körper Opiate frei, bei Frauen vor allem das Kuschelhormon Oxytocin. Ein kurzer, aber heftiger Drogenrausch.

Auf der Suche nach Geborgenheit

Ist der erste Liebestaumel vorbei, besteht die Chance zu einer tieferen Bindung. In den Gehirnen beginnt ein Wandel, Gedanken und Gefühle synchronisieren sich, greifen ineinander. Liebe ist wichtig für das emotionale und körperliche Gleichgewicht. Unser Gehirn ist deshalb so programmiert, dass das Alleinsein schmerzt. Unglückliche Beziehungen halten deshalb oft jahrelang.

Bei einer Trennung reagiert der Körper mit heftigen Nebenwirkungen. Um den Liebeskummer zu betäuben, sehnt sich das Gehirn jetzt nach Ersatzbefriedigung. Ist die Trauerphase überwunden, wird sich unser Grundbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit wieder durchsetzen: Dann mixt die Chemie der Liebe einen neuen Cocktail.

  • "Der Kuss - Biologie einer Liebkosung": am 24. Oktober 2018 um 15.05 Uhr, in radioWissen, Bayern 2.
  • Küssen, rein wissenschaftlich: am 3. Juni 2017 um 2.25 Uhr, in Geist und Gehirn, ARD-alpha.
  • Die Chemie der Bindung - Der Botenstoff Oxytocin: am 18. Januar 2017 um 15.05 Uhr, in radioWissen am Nachmittag, radioWissen, Bayern 2.
  • Die Chemie der Bindung - Der Botenstoff Oxytocin: am 28. Dezember 2016 um 9.05 Uhr, in radioWissen am Nachmittag, radioWissen, Bayern 2.
  • Die Chemie der Bindung - Oxytocinforschung: am 7. Juli 2016 um 18.05 Uhr, in IQ, Bayern 2.
  • Liebe - ein unordentliches Gefühl: am 16. September 2015 um 15.05 Uhr, radioWissen am Nachmittag, Bayern 2.
  • Küssen, rein wissenschaftlich: am 22. Oktober 2012 um 10.15 Uhr, in Geist und Gehirn, ARD-alpha.
  • Tag des Kusses - Kussforscherin Tina Schmid aus Neutraubling: am 6. Juli 2012 um 12.05 Uhr, Mittags in Niederbayern und der Oberpfalz, Bayern 1.

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