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Weltfaultiertag weist auf die Gefährdung der Faultiere hin | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Am 20. Oktober ist Weltfaultiertag. Hier macht ein Braunkehlfaultier im Manuel Antonio Nationalpark in Costa Rica vor, wie's geht.

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Weltfaultiertag weist auf die Gefährdung der Faultiere hin

Für alle, die gerne chillen und einfach mal abhängen: Am 20. Oktober ist Weltfaultiertag! Der Tag ehrt den Meister des Abmattens, das Faultier. Das Faultier hat nicht nur ganz besondere Eigenschaften - es ist auch bedroht.

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Jedes Jahr wird am 20. Oktober der Weltfaultiertag gefeiert. Er gilt nicht menschlichen Faulpelzen, sondern tatsächlich dem gleichnamigen Tier - von dem wir aber viel lernen könnten, wie die Organisation "Aiunau" betont, die den "International Sloth Day" 2010 ins Leben gerufen hat: Respekt, Zärtlichkeit, Freude - und dass wir jeden Moment im Leben genießen sollten. Die Auffangstation mit Sitz in Medellín, Kolumbien, engagiert sich für den Schutz von Wildtieren - und besonders für Faultiere.

Am Weltfaultiertag besondere Aufmerksamkeit für Faultiere

Am Internationalen Faultiertag, der ursprünglich für den dritten Samstag im Oktober vorgesehen war und für den sich mittlerweile der 20. Oktober etabliert hat, sollen die Menschen in die Faultier-Welt eintauchen. Faultiere besitzen schließlich viele überraschende Eigenschaften. Hinweisen soll der Tag aber auch darauf, dass ihr Lebensraum schwindet und zwei von sechs Arten bereits vom Aussterben bedroht sind.

Das Sofa der Faultiere: Baumkronen im Regenwald

Faultiere schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag und sind deshalb überwiegend im Ruhemodus in den Baumkronen der Regenwälder in Mittel- und Südamerika anzutreffen. Sie gehören zur Ordnung der zahnarmen Säugetiere und sind mit Ameisenbären und Gürteltieren verwandt. Es gibt Zweifinger- und Dreifingerfaultiere: Je nach Gattung besitzen sie zwei oder drei Krallen an den Vorderbeinen. Von ursprünglich mehr als 100 Faultierarten seien heute noch sechs übrig, sagt Camila Mazzoni vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. "Die meisten verschwanden am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 bis 12.000 Jahren." Die sechs bekannten Faultierarten sind:

  • Eigentliches Faultier (Zweifingerfaultier)
  • Hoffmann-Zweifingerfaultier (Zweifingerfaultier)
  • Weißkehlfaultier (Dreifingerfaultier)
  • Braunkehlfaultier (Dreifingerfaultier)
  • Kragenfaultier (Dreifingerfaultier)
  • Zwergfaultier (Dreifingerfaultier)

Faultiere leiden am Verlust des Regenwalds

Heutzutage setzt den Faultieren vor allem das Schwinden der Regenwälder zu. Zwei Dreifingerfaultierarten sind laut Mazzoni vom Aussterben bedroht: das Kragenfaultier im Atlantischen Küstenwald Brasiliens und das Zwergfaultier auf der winzigen Insel Escudo de Veraguas in Panama. Wird Regenwald abgeholzt oder gerodet, sterben die Tiere entweder direkt, werden isoliert oder beim Versuch, eine Straße zu überqueren, überfahren. "Dazu kommt, dass Einheimische sie gern essen und die Jungen als Haustiere beliebt sind", weiß Jutta Heuer, Biologin und Faultierexpertin vom Bergzoo Halle (Saale).

© Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Faultier Charlotte frisst im Zoo von Halle junge Ahornblätter. Biologin Jutta Heuer beobachtet sie dabei.

Faultiere sind nicht faul, sondern Energiesparmeister

Das Faultier-Leben läuft in Zeitlupe ab: Sie hängen an oder liegen auf Ästen, bewegen sich unendlich langsam, fressen nicht viel und kauen bedächtig. Faultiere sind artgerecht träge. Dreifingerfaultiere haben sogar den langsamsten Stoffwechsel aller Säugetiere überhaupt, berichtet Camila Mazzoni. "Den brauchen sie auch, denn ihre Nahrung - Blätter - ist sehr energiearm." Die langsame Verdauung bietet ihnen aber noch einen weiteren Vorteil: Sie müssen ihren sicheren Platz in luftiger Höhe nur ein Mal pro Woche zum Koten am Boden verlassen. Faultiere können sich zwar prima und für ihre Verhältnisse einigermaßen flink mit dem Rücken nach unten an Ästen entlanghangeln - aber nicht aufrecht laufen. Am Boden können sie nur unbeholfen kriechen oder robben, weshalb sie dann besonders gefährdet sind.

Faultiere züchten Grünalgen als Futter im Fell

Sicheren Halt an den Bäumen geben ihnen ihre bis zu zehn Zentimeter langen Krallen. Weil Faultiere so viel Zeit im Hängemodus verbringen, wächst sogar ihr Fell verkehrt herum vom Bauch zum Rücken. So kann Regenwasser leichter ablaufen. Und es ist so dicht, dass darin - dank Kotresten, toter Motten und der hohen Luftfeuchtigkeit - nicht nur Milben, Zecken, Käfer und Falter leben, sondern auch Grünalgen wachsen. Das ist wiederum sehr praktisch für die Faultiere: "Die energiereichen Algen sind willkommene Zusatznahrung und gute Tarnung", erklärt Jutta Heuer.

© BR/KiKA

Notfall in Costa Rica: ein mutterloses Faultier-Baby wurde in einem Busch gefunden. Klare Sache für Tierreporterin Paula: Das kleine Faultier muss in eine Tierstation gebracht und versorgt werden.

Dreifingerfaultiere lassen sich nicht in Zoos halten

Ende 2018 gab es in deutschen Zoos 65 Faultiere - aber ausschließlich Zweifingerfaultiere, wie Jutta Heuer vom Bergzoo Halle weiß. Dreifingerfaultiere könnten nicht gehalten werden, weil sie nur in Südamerika vorkommende Blätter fressen. Zweifingerfaultiere dagegen mögen auch Obst und Gemüse und verspeisen zum Beispiel Bananen, Papayas, Weintrauben, Pflaumen, Beeren, Mais und sogar gekochte Eier.

Faultiere sind für Sex zu faul, das macht das Züchten schwierig

Viele deutsche Zoos würden gern mit der Faultierzucht beginnen, sagt Jutta Heuer, die auch das Zuchtbuch der Faultiere für Europa führt, "aber es sind eben Faultiere, die lassen sich nicht animieren". Mit dem Nachwuchs könne es bei den behäbigen Einzelgängern dann auch zehn Jahre dauern - oder gar nicht klappen. Ein Partnertausch würde dann manchmal doch noch helfen.

Achtung, ein Faultier kann sich wehren!

So friedlich und freundlich Faultiere mit ihren kleinen Äuglein drein schauen: Ärgern sollte man sie nicht. Wenn sich Faultiere bedroht fühlen, ist es mit der inneren Ruhe vorbei. Dann können sie auch zuschlagen. Jutta Heuer kennt den Faultier-Move: "Dann klappen sie die Krallen aus und beißen herzhaft mit ihren Eckzähnen zu."

Das älteste Faultier der Welt kommt aus Deutschland

Jutta Heuer kennt übrigens auch das älteste Faultier der Welt: die 50-jährige Paula aus dem Bergzoo Halle (Saale). Damit ist Paula das älteste bekannte Faultier und kommt sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Seit 1971 lebt sie im Zoo, im Juni feierte sie ihren runden Geburtstag. "Wir haben das für Paula beantragt und es wurde bestätigt. Es ist kein Exemplar in Zoos oder freier Wildbahn bekannt, das mehr Jahre auf dem Buckel hat."

© Hendrik Schmidt/zb/dpa

Das älteste Faultier der Welt lebt in Deutschland: Paula ist 50 Jahre alt und im Bergzoo Halle (Saale) zuhause.