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Remdesivir und andere Medikamente im Kampf gegen Coronavirus | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Ein Medikament namens Dexamethason gibt Hoffnung im Kampf gegen Covid-19. Eine britische Studie zeigt: Es könnte schwer kranke, beatmete Patienten vor dem Tod bewahren.

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Remdesivir und andere Medikamente im Kampf gegen Coronavirus

Während eine Impfung gegen das Coronavirus auf sich warten lässt, läuft die Forschung für ein Mittel gegen Covid-19 auf Hochtouren. Viele Medikamente werden momentan getestet, manche scheinen vielversprechend, andere erweisen sich als wirkungslos.

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HIV-Medikamente, die dazu dienen, die Viruslast im Körper zu dämpfen, hatten bei anderen Coronaviren wie MERS und SARS vor Jahren einzelne Erfolge gezeigt. Daran knüpften Forscher weltweit an. Sie hofften, mit antiviralen Arzneien auch beim aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2 etwas ausrichten zu können.

Ende Juni 2020 lagen die Ergebnisse aus einem Studienarm der Recovery-Studie der Universität Oxford vor. Ein Teil der Patienten war mit den beiden HIV-Medikamenten Lopinavir und Ritonavir behandelt worden. Dabei stellte sich heraus, dass die beiden Mittel bei schwer erkrankten Patienten nicht wirksam sind. Die Studienleitung brach die Behandlung wegen fehlender Erfolgsaussichten vorzeitig ab. Eine Publikation steht noch aus.

Vielversprechende Medikamenten-Kandidaten bei Covid-19

Momentan gibt es weltweit zwei vielversprechende Medikamenten-Kandidaten: Dexamethason und Remdesivir. Sollten sich die ersten Studienergebnisse bestätigen, könnten sie sich in der Behandlung bei Patienten ergänzen.

Steroidmedikament Dexamethason

In schweren Fällen von Covid-19 kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, was den Verlauf der Krankheit massiv beeinträchtigen kann. Hier soll Dexamethason ansetzen. Es ist ein Steroidmedikament, schon viele Jahre ist es zum Beispiel für die Behandlung von Arthrose zugelassen und dabei dämpft es ebenfalls den Kampf des Immunsystems gegen den eigenen Körper. Die Anwendung des Steroids auch bei Covid-19 liegt also nahe.

Mögliche Wirkung bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten

In Großbritannien testen Forscher momentan im Rahmen der Studie "Recovery Trial" eine ganze Reihe von schon bekannten Medikamenten auf ihre Wirkung auf das SARS-Cov-2-Virus, auch Dexamethason.

An der Universität Oxford wurden nun rund 2.100 schwer betroffene Patienten mit Dexamethason behandelt, eine Kontrollgruppe von 4.000 Patienten ohne das Medikament. Das Ergebnis der Studie ist beeindruckend. Mit der Einschränkung: Sie ist noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht worden und hat damit noch kein peer-review durchlaufen, in dem Fachkollegen die Qualität der Studie beurteilen.

Demnach verringert das Medikament die Sterblichkeit um ein Drittel bei Patienten, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen waren und um ein Fünftel bei Patienten, die nur eine Sauerstofftherapie bekommen haben.

Immunsystem möglicherweise gedämpft

Die Forscherinnen und Forscher führen das auf die dämpfende Wirkung von Dexamethason auf das Immunsystem zurück. Patienten, die keinerlei Atemunterstützung im Krankenhaus bekommen haben, hatten von Dexamethason keinen Vorteil.

Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, kann Dexamethason ein wichtiges Element in der Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten werden. Darüber hinaus ist der Patentschutz für das Medikament schon abgelaufen, es wird also auch kostengünstig als Nachahmerpräparat (Generikum) angeboten.

Gerade in Kombination mit einem anderen vielversprechenden Medikament, Remdesivir, könnte es seine volle Kraft entfalten.

"Remdesivir bekämpft das Virus, Dexamethason die überschießende Entzündung. Solche Kombinationen werden gerade auch in anderen Studien untersucht." Prof. Dr. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (17.06.2020)

EU-Komission lässt Remdesivir in der EU zu

Der Wirkstoff Remdesivir könnte bald in Europa als erstes Mittel gegen eine schwere Corona-Erkrankung auf den Markt kommen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat am 25. Juni 2020 eine Zulassung unter Auflagen für das Mittel mit dem Handelsnamen Veklury empfohlen, am 03. Juli 2020 hat die EU-Komission das Medikament in der EU zugelassen. Die Empfehlung der EMA gilt für die Behandlung von Erwachsenen und Heranwachsenden ab 12 Jahren. Voraussetzung für eine Behandlung ist, dass der Patient eine Lungenentzündung hat und mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden muss.

Das US-Pharmaunternehmen Gilead hatte die begrenzte Zulassung von Remdesivir als Mittel gegen Covid-19 auf dem europäischen Markt beantragt. Das teilte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am 8. Juni 2020 mit.

Eine internationale Studie mit über 1.000 Teilnehmern hatte gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann - bei leichten bis mittleren Verläufen (Stand: 9.6.2020). Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung nur geringfügig zurück.

Aktuelle Informationen zum Coronavirus lesen Sie hier im Liveticker.

Remdesivir – ein vielversprechendes antivirales Medikament

Remdesivir wird vom US-Pharmakonzerns Gilead vertrieben. Amerikanische und chinesische Behörden haben das Anti-Virus-Medikament bereits für klinische Versuche zugelassen, auch in Deutschland laufen mittlerweile Studien dazu im Rahmen der Solidarity-Studie der WHO (Stand 17.04.2020), die auch andere Medikamente bei der Covid-19-Erkrankung testet. Das Klinikum Schwabing, das Klinikum rechts der Isar und die Unikliniken Düsseldorf und Hamburg sind dabei auch beteiligt.

Bis sichere Ergebnisse vorliegen, wird es aber noch dauern. Solche Studien sind aufwändig, wenn sie aussagekräftig sein wollen. So sollten einerseits genügend Patienten eingeschlossen sein und es muss eine Kontrollgruppe geben, damit der Einfluss des getesteten Medikaments vergleichbar ist.

"Nach allem, was wir bisher wissen, gibt es große Hoffnungen, dass Remdesivir tatsächlich den Erkrankungsverlauf und die Schwere der Erkrankung mildern könnte." Dr. Christoph Spinner, Infektiologe, Klinikum rechts der Isar

Im Interview in der radioWelt (21.04.2020) geht der Forscher davon aus, dass das Medikament, sollte es sich tatsächlich als wirksam erweisen, schnell zugelassen werden könne.

Mehr zum Start der europaweiten Studie zu Medikamenten lesen Sie hier.

Wie wirkt das Medikament Remdesivir?

Der Wirkstoff Remdesivir, der ursprünglich gegen Ebola entwickelt wurde, erwies sich schon im Tierversuch als wirksam gegen SARS und Mers-CoV. Remdesivir hat zudem schon erste Tests an gesunden Probanden und Ebola-Patienten durchlaufen und sich darin als verträglich erwiesen.

Der Wirkstoff des Mittels ähnelt den RNA-Bausteinen, die RNA-Viren wie SARS und Mers-CoV zur Vervielfältigung ihres Erbgutes benötigen. Wird von den viralen Oberflächen-Enzymen Remdesivir in die Viren-RNA, dem Träger der Erbinformation, eingebaut, kann sich das Virus nicht mehr vermehren. So beschreibt Matthias Gotte von der University of Alberta in Kanada die Wirkungsweise von Remdesivir im Journal of Biological Chemistry vom 24. Februar 2020.

Remdesivir in Phase-3-Studien

Laut Pharmahersteller Gilead laufen momentan (Stand: 17.06.2020) weltweit sieben klinische Studien mit Remdesivir, zunächst zwei in China, dann zwei weitere internationale Studien in den USA, Europa und Asien. Bei einer werden sehr stark an Covid-19 erkrankte Patienten eingeschlossen, bei der anderen weniger stark betroffene. Bei allen vier Studien wird darauf geachtet, dass evidenzbasiert gearbeitet wird, dass es zum Beispiel Kontrollgruppen gibt.

Dabei handelt es sich um klinische Phase-3-Studien, das sind die Vorläufer für die endgültige behördliche Zulassung einer Behandlung. Sie sollen bestätigen, dass ein Arzneimittel sowohl sicher als auch wirksam ist, indem sie seine Reichweite auf einen größeren Pool von Patienten ausweiten.

Eine fünfte Studie ist in den USA angelaufen, eine weitere in Europa, die Inserm DisCoVeRy-Studie, und dann gibt es noch die große Solidarity-Studie der WHO.

Sollten sich Remdesivir und Dexamethason gegen SARS-CoV-2 bewähren, würde dies zwar nicht die Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Es würde aber dabei helfen, Todesfälle durch Covid-19 zu verhindern. Idealerweise haben die Wissenschaftler mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, weil einige Virenstämme sich als resistent gegenüber bestimmten Behandlungen erweisen könnten.

Chloroquin – altbekanntes Mittel mit offenen Fragen

Weltweit wurde in den letzten Monaten auch das Medikament Chloroquin auf seine Wirksamkeit auf das SARS-Cov-2-Virus untersucht. Chloroquin ist ein weit verbreitetes Medikament gegen Malaria und Autoimmunerkrankungen und wurde auch als potenzielles antivirales Breitbandmedikament beschrieben. Neben seiner antiviralen Aktivität besitzt Chloroquin eine immunmodulierende Aktivität, die seine antivirale Wirkung in vivo verstärken könnte. Chloroquin ist ein kostengünstiges und erprobtes Malaria-Medikament, das als Tablette geschluckt wird.

Die Ergebnisse dazu waren aber widersprüchlich. Bei in vitro-Versuchen, also Versuchen, die nicht im lebenden Organismus (in vivo) stattfinden, hat sich auch das Mittel Chloroquin als wirksam gegen das Coronavirus gezeigt.

Chloroquin wirkt nicht gegen Covid-19

Eine Studie, die am 22. Mai 2020 im renommierten Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, wurde mittlerweile zurückgezogen. Die Forscher waren dabei zum Schluss gekommen, dass Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin möglicherweise keinen Nutzen hätten. Am 15. Juni schließlich nahm die US-Arzneimittelbehörde FDA die Sondergenehmigung für die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin zur Behandlung von Covid-19 zurück. Am 17. Juni stellte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die klinischen Studien zur Wirksamkeit des Medikaments Hydroxychloroquin im Kampf gegen das Coronavirus endgültig ein.

Problematisch sind insbesondere seine Nebenwirkungen, deswegen wurde in Brasilien (Stand 17.04.2020) schon eine kleine Studie mit Chloroquin abgebrochen, weil es bei den behandelten Patienten zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelschäden gekommen war.

Die britischen Wissenschaftler der Recovery-Studie hatten ihre Untersuchungen zu Chloroquin am 5. Juni 2020 abgebrochen. Sie gehen nicht davon aus, dass das Medikament bei Covid-19 helfen kann.

Rekonvaleszentenserum – Therapie mit Antikörpern

Wissenschaftler arbeiten im Fall von Corona auch an einem Rekonvaleszentenserum, besser bekannt als passive Immunisierung: Man gewinnt Antikörper von einem Menschen, der bereits mit Corona infiziert ist und reichert diese künstlich im Labor an. Ähnliche Verfahren wurden bei Ebola bereits verwendet und haben dort Erfolge gezeigt. Auf diese Weise wird ein natürliches Medikament entwickelt, das eine sehr hohe Wirksamkeit hat.

Der Vorteil der Methode: Das Medikament wirkt sehr gut und zeigt häufig wenige bis keine Nebenwirkungen. Der Nachteil: Die Produktion ist recht teuer und kann in den meisten Fällen nur als Reservemedikament bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Gegen Sars-CoV-2 sei die passive Immunisierung zu empfehlen, sagt Hendrik Streeck. Aber die Entwicklung dauert auch in diesem Fall und steht nicht innerhalb weniger Wochen zur Verfügung. Das Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte am 27. Februar 2020 eine Studie zu dem Rekonvaleszentenserum.

Erste Versuche sind im April auch an bayerischen Unikliniken gestartet.

Eine Corona-Impfung wäre langfristig die beste Lösung

Doch egal welches Medikament letztendlich das Rennen im Kampf gegen das Coronavirus gewinnt: Es könnte den Arzneimittelherstellern entscheidende Zeit verschaffen, einen sicheren und wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Denn nur ein wirksamer Impfschutz hilft, damit die Menschen nicht dauerhaft mit dem Coronavirus leben müssen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat daher am 22. April 2020 erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoffs gegen Corona erteilt. Das Mainzer Unternehmen Biontech erhielt die Genehmigung, seinen Wirkstoff an gesunden Freiwilligen zu testen.

Am 17.06.2020 hat das PEI dem Tübinger Biotech-Startup CureVac ebenfalls die Zulassung für die klinische Prüfung ihres Impfstoffs an Menschen erteilt. Genau wie Biontech testet CureVac einen RNA-Impfstoff.

© Bayerischer Rundfunk

Weltweit suchen Forscherinnen und Forscher unter Hochdruck nach einem Wirkstoff gegen das neue Corona-Virus. Ein vielversprechender Kandidat hat dabei die Nase vorn.

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