Kabarettistin Luise Kinseher und ihre weibliche Sicht

Erst auf dem Nockherberg, nach 10 Jahren auf der Bühne, begreift Luise Kinseher, dass Frauen diskriminiert werden. Und dass sie sich als Frau wehren muss. Andreas Krieger hat die Ex-Mama Bavaria interviewt. Den Beitrag gibt es zu sehen am 18.2. um 22:45 Uhr im BR Fernsehen.

Stand: 17.02.2021

Capriccio – jetzt immer donnerstags im BR Fernsehen | Bild: BR

"San’s froh, dass Sie nicht den ganzen Tag an Ihr Geschlecht denken müssen", sagt Luise Kinseher lachend zu Andreas Krieger, als der Capriccio-Autor sie zu ihrem Engagement als Frau befragt. Es hatte allerdings eine ganze Weile gebraucht, bis die Kabarettistin am eigenen Leib erfahren hat, dass sie als Frau diskriminiert wurde. Es geschah auf dem Nockherberg – im Kreise der Starkbiertrinker herrschte heftiger Gegenwind: "Da habe ich dann tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben erfahren, dass ich als Frau diskriminiert werde. Ich wurde offen als Frau angegriffen. Nicht selten stieß ich auf die Haltung, eine Frau hätte auf dem Nockherberg nichts zu suchen."

Zusammenbringen statt Spalten

So spät die Erfahrung weiblicher Benachteiligung kam – die 1969 im niederbayerischen Geiselhöring geborene Kinseher war bei ihrem ersten Auftritt auf dem Nockherberg 41 Jahre alt – so entschlossen bekannte sich die Kabarettistin dann zu einem spezifisch weiblichen Blick auf die Welt: "Ich habe eine weibliche Sicht auf die Dinge, schon allein dadurch, dass ich als Frau nicht in Konkurrenzen denke. Für mich ist wichtig, dass die Menschen wieder mehr zusammen kommen. Lange dachte ich, vielleicht bin ich als Kabarettistin deswegen völlig ungeeignet, weil das Genre Kabarett traditionell eher spaltet, anprangert und vergleicht. Das ist überhaupt nicht das, was ich möchte."

"Die Frauen stehen in der Verantwortung"

Als "Mama Bavaria", die sich um den Zusammenhalt der Familie sorgt und ihre Kinder zuweilen besser kennt, als die sich selbst, verkündet sie fortan ihre weibliche Sicht und kämpft um Gleichberechtigung – auch jenseits der Bühne: "Ich glaube, dass für die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch die Frauen selbst in einer besonderen Verantwortung stehen. Mädchen werden anders erzogen wie die Jungs. Auch von ihren Müttern! Natürlich verhalten sich Mädchen anders wie Jungs. Aber trotzdem muss man sich die Frage stellen, warum beispielswiese so wenig Frauen im IT-Bereich arbeiten. Obwohl sie in Mathe meist besser sind und ein besseres Abitur schreiben. Klar, da ist das Bild des typischen Programmierers im Kopf: man guckt in einen Bildschirm, man ist allein, ein Nerd, der macht alles für sich. Mädchen haben daran keinen Spaß, die wollen etwas miteinander machen, in einer Gemeinschaft arbeiten. Die haben lieber Berufe, in denen man Empathie zeigen kann, bei denen es ums Miteinander geht. Aber deswegen darf es auf keinen Fall so weit kommen, dass man als Frau denkt, man wäre für einen Job in den Zukunftstechnologien ungeeignet. Im Gegenteil! Wir brauchen dringend in allen Fragen der Digitalisierung die weibliche Sicht! Weibliche Apps, weibliche Plattformen, weibliche Netzwerke. Ich wette mit Ihnen, da ginge vieles in eine andere Richtung! Da müssen wir Frauen in die Verantwortung, wir müssen umdenken, uns einmischen und gestalten. Eine digitalisierte Gesellschaft muss Gemeinschaft und Zusammenhalt als oberstes Ziel haben, nicht die Spaltung derselben befördern“.

Zur Weiblichkeit und dem Charme stehen

Doch den Frauen geht es weit besser als manch Diskriminierten sonst, betont Luise Kinseher: "Es gibt Diskriminierung von Menschen, die sich nicht wehren können. Da gibt's überhaupt gar keine Diskussion. Aber wir Frauen können uns wehren, meistens zumindest – und das darf auch mit Humor und Charme sein! Auch dazu dürfen wir stehen, zu unserer Weiblichkeit. Und dass wir die Möglichkeit haben, Männer um den Finger zu wickeln. Damit kann man schon auch spielen und das ist doch amüsant für beide Geschlechter, Frau und Mann! Den Spaß miteinander sollten wir uns keinesfalls verderben lassen."