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Warum Speisen so heißen Schillerlocke

Das der große Dichter Friedrich Schiller tatsächlich Locken hatte, ist nicht nur anhand von Skulpturen belegt. Im Wohnhaus der Schillers in Weimar kann sich jeder selbst davon überzeugen.

Stand: 18.10.2014

Friedrich von Schiller | Bild: picture-alliance/dpa

In einer Glasvitrine aus der frühen Biedermeierzeit befinden sich zwei Locken des großen Meisters: Die beiden blonden Locken hat man Schiller nach seinem Tod abgeschnitten, um sie seiner Frau Charlotte als Erinnerung zu überbringen. 

Sie wurden schon gleich nach seinem Ableben wie Reliquien behandelt. Denn die Schillerverehrung hat schon zu seinen Lebzeiten Ausmaße angenommen, wie man sie heute von Popstars kennt. Unter einer der beiden in Weimar ausgestellten Locken steht: „Schillerlocke aus dem Nachlasse von Goethes Sekretär Kräuter, Geschenk von Fräulein Anna Saeltzer,  Weimar, zum 175. Geburtstag Schillers“.

Wann der erste Bäcker die mit Sahne gefüllten Blätterteigrollen nach der Haartracht des Dichters Schillerlocken genannt hat, das ist leider nicht überliefert.  Vermutlich geht die Bezeichnung  auf ein von Anton Graffzwischen 1786 und 1791 geschaffenes Porträt von Friedrich Schiller zurück geht, das Schiller mit seiner ganzen Lockenpracht zeigt und schon früh als Kupferstich weit verbreitet war.

Man weiß weder, ob ein Marbacher Bäcker aus dem Geburtsort von Schiller die erste Schillerlocke gebacken hat, noch ob es ein Konditor aus Weimarer oder Jena war, wo Schiller gelebt hat. Noch weniger bekannt ist, wer auf Idee kam, die Bauchlappen des Dornhais, die sich beim Räuchern zusammen rollen, nach dem Dichter zu benennen.

Fest steht, die Korkenzieher-Locken, waren zu Schillers Zeiten, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hochmodern  und Schillerlocken – süß und salzig - gibt es bis heute fast in jeder Konditorei und in jedem guten Fischgeschäft.


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